Gründaus Bürgermeister Gerald Helfrich zeigt das Wassernetz auf einer Karte.

In weiten Teilen der Gemeinde Gründau wird ab sofort das Trinkwasser gechlort. Seit Monaten gibt es Verunreinigungen, doch die Ursache für die Keime bleibt unklar.

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Trinkwasser in Gründau muss wieder gechlort werden

hs
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Die Menschen in Gründau (Main-Kinzig) reagieren gleichgültig bis genervt auf die Hinweise der Gemeinde, die nun wieder in ihren Briefkästen gelandet sind: Das Trinkwasser wird seit diesem Montag wieder für mehrere Monate in fünf von sieben Ortsteilen gechlort. Man kennt es mittlerweile.

"Ich koche das Wasser sowieso immer ab", sagt eine Gründauerin. Eine andere Frau empfiehlt, eine Duftkerze im Bad anzumachen, damit es nicht so sehr nach Schwimmbad riecht. Ein Anwohner kauft literweise stilles Wasser aus dem Supermarkt, weil seine Hunde das Wasser mit Chlorgeschmack nicht trinken. Ein junger Mann sagt, er habe sich schon dran gewöhnt und nehme den Chlorgeruch gar nicht mehr wahr.

Schon die dritte Chlorung in diesem Jahr

Denn das Wasser in Gründau wird nicht zum ersten Mal gechlort. Im Juni stellte das Gesundheitsamt zum ersten Mal Pseudomonaden, mikrobiologische Verunreinigungen, in Wasserproben eines Gründauer Pflegeheims fest.

Laut der Gemeinde sind die bislang festgestellten Mengen des Keims so gering, dass sie nicht weiter gefährlich sind. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder bestimmten Vorerkrankungen können Pseudomonaden aber ein Risiko bergen.

Mit Chlor lässt sich der Keim abtöten, deshalb wurde in den vergangenen Monaten schon zwei Mal phasenweise Natriumhypochlorit dem Wasser hinzugegeben. Vor ein paar Wochen habe man wieder aufgehört, das Wasser so zu desinfizieren, um zu schauen, ob der Keim verschwunden ist, sagt Bürgermeister Gerald Helfrich (parteilos). Doch das Ergebnis: Noch immer gab es Verunreinigungen im Wasser.

"Der Keim ist sehr, sehr hartnäckig"

"Es ist noch nicht bestätigt, aber der Verdacht liegt nahe, dass es sich wieder um Pseudomonaden handelt", sagt Helfrich. "Der Keim ist sehr, sehr hartnäckig." Anfang dieser Woche sollen die genaueren Ergebnisse der Proben vorliegen.

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Trinkwasser in Gründau

Wasser fließt aus einem Wasserhahn in ein Glas.
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Unabhängig davon, wie genau die aussehen: Erstmal wird das Wasser in den Gründauer Ortsteilen Lieblos, Rothenbergen, Niedergründau, Hain-Gründau und Mittel-Gründau für die kommenden Monate wieder nach Schwimmbad riechen.

Suche nach Ursprung des Keims bisher erfolglos

Die Gemeinde habe noch immer nicht feststellen können, woher die Verunreinigungen im Wasser stammen. Grundwasser-Proben seien bisher immer unauffällig gewesen, sagt Bürgermeister Helfrich.

"Die Ursache muss sich irgendwo innerhalb des Netzes befinden", ist er sich sicher. Das Rohrnetz in den betroffenen Ortsteilen sei über 100 Kilometer lang. "Das macht deutlich, worin die Schwierigkeit liegt."

Den Unmut der Bürgerinnen und Bürger über die andauernden Chlorungen könne er verstehen. "Klar wird man angesprochen, bekommt E-Mails und liest Facebook-Einträge." Die Gemeinde sei jedoch "mit allen Kräften dabei, die Ursache dingfest zu machen". Und statt ewiger Ursachensuche einfach die Rohre austauschen? "Das ist finanziell überhaupt gar nicht leistbar", sagt Helfrich.

Chlor für Gesunde unbedenklich

Die aktuelle Konzentration des Natriumhypochlorits im Wasser liege zwischen 0,1 und 0,3 Mikrogramm pro Liter und erfülle damit die Anforderungen der Trinkwasserverordnung. Säuglinge und Menschen mit Chlorallergie sollten vorerst auf abgepacktes Wasser ausweichen, informiert die Gemeinde auf ihrer Webseite.

Für Gesunde sei es aber unbedenklich, mit dem desinfizierten Trinkwasser zu waschen, zu baden oder Speisen und Getränke zuzubereiten. "Auch mein Kaffee hat natürlich nicht den perfekten Geschmack wie vorher", sagt der Bürgermeister, aber das müsse man nun in Kauf nehmen - bis endlich die wirkliche Ursache für das verunreinigte Wasser gefunden und behoben ist.

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