Kerze und Blume auf dem Pflaster.
Eine Kerze vor dem Drogeriemarkt in Kandel, in dem das Mädchen starb. Bild © picture-alliance/dpa

Das Alter des Asylbewerbers, der in Rheinland-Pfalz ein Mädchen erstochen haben soll, wurde offenbar in Frankfurt bestimmt. Es gibt Zweifel an der Darstellung, er sei erst 15. Auch in einem zweiten Fall wird erneut untersucht.

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Ein Hinweisschild zur vorübergehenden Schließung des Drogeriemarktes klebt an einer Eingangstür.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Zweifel an Altersangabe von Tatverdächtigem in Kandel

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Die Stadt Frankfurt hat erstmals Angaben zur Altersfeststellung bei dem Verdächtigen gemacht, der in Kandel (Rheinland-Pfalz) ein Mädchen getötet haben soll. Der Leiter der Jugendgerichtshilfe, Rainer Johne, erklärte auf Anfrage von hr-iNFO, das Jugendamt der Stadt habe im Mai 2016 einen unbegleiteten Flüchtling vorläufig in Obhut genommen, auf den die Personalien des Tatverdächtigen von Kandel zutreffen könnten.

Daraufhin sei das Alter, damals 14 Jahre, durch eine "qualifizierte Inaugenscheinnahme" festgestellt worden. Darunter sei ein Gespräch mit Dolmetscher und zwei Sozialpädagogen des Jugendamtes zu verstehen. Allerdings will die Stadt Frankfurt nicht sicher bestätigen, dass es sich um den Tatverdächtigen handelt, denn der Stadt liegt nach eigenen Angaben nicht dessen kompletter Name vor.

Inaugenscheinnahme ist üblich

Johne betont, dass die "qualifizierte Inaugenscheinnahme" das übliche Verfahren zur Altersfeststellung sei. Es würden die Angaben des Flüchtlings zu Biografie, Schulbesuch und Fluchtweg ebenso begutachtet wie das äußere Erscheinungsbild und der Gesamteindruck. Ein medizinisches Altersgutachten erstellen zu lassen, sei kostenintensiv und liefere auch kein eindeutiges Ergebnis.

Der Verdächtige soll am 27. Dezember ein 15 Jahre altes Mädchen - seine Ex-Freundin - in einem Drogeriemarkt in Kandel niedergestochen und tödlich verletzt haben. An seiner Altersangabe gibt es erhebliche Zweifel. So sagte etwa der Vater des Opfers in der Bild-Zeitung, der mutmaßliche Mörder seiner Tochter sei "nie und nimmer 15 Jahre alt".

Auch Alter in Fall aus Darmstadt unklar

Ähnliche Zweifel gibt es auch im Falle eines Flüchtlings aus Darmstadt, dem versuchter Mord vorgeworfen wird. Der angeblich 16-Jährige soll am 22. Dezember versucht haben, seine Ex-Freundin, eine 17-jährige Darmstädterin, durch mehrere Messerstiche in den Oberkörper zu töten. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, der Verdächtige wirke älter als 16 Jahre. Man wolle deshalb sein Alter mit einem medizinischen Gutachten feststellen lassen.

Der Verdächtige hat laut Staatsanwaltschaft seine Tat eingeräumt und befindet sich derzeit in Untersuchungshaft. Das Opfer liege schwerstverletzt im Krankenhaus und habe noch nicht befragt werden können.

Innenminister gegen Ärztepräsident

Infolge der Tötung von Kandel fordern Politiker, die Vorgaben bei der Altersfeststellung junger Flüchtlinge zu verschärfen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte am Mittwoch in Berlin, das Alter müsse in Fällen ohne offizielles Dokument "soweit geboten auch durch ärztliche Untersuchung" festgestellt werden.

Eine solche Untersuchung kann unter anderem durch Röntgen der Hand und der Schlüsselbeine erfolgen. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Ärztekammer, lehnte den Vorschlag dagegen als "Eingriff in das Menschenwohl" ab und wies darauf hin, dass die Ergebnisse häufig ungenau sind.