Ein Mann demontiert ausgediente Sitze auf der Tribüne der ehemaligen Galopprennbahn.
Ein Mann demontiert ausgediente Sitze auf der Tribüne der ehemaligen Galopprennbahn. Bild © picture-alliance/dpa

Was man noch brauchen kann, darf mitgenommen werden: Mitglieder verschiedener Vereine haben die Klappsitze auf der Tribüne der Frankfurter Galopprennbahn abmontiert. Der Rennklub wollte die Aktion bis zuletzt verhindern.

Die Frankfurter Rennbahn ist am Samstag einen weiteren Schritt auf ihren endgültigen Abriss zugegangen. Vereinsmitglieder und Privatleute folgten einer Einladung der Stadt Frankfurt und schraubten am Vormittag für den eigenen Bedarf zahlreiche der insgesamt rund 1.000 Klappsitze auf der Tribüne ab.

Die Vereine waren unter anderem aus Hochheim im Taunus und Villmar-Weyer bei Limburg angereist. "Wir wollen 200 Sitze mitnehmen, um auf unserem Sportplatz Steh- in Sitzplätze umzuwandeln. So bleiben die Sitze wenigstens einem Sportzweck erhalten", sagte Martin Koenen von der Spielvereinigung 07 Hochheim. Er war mit sechs weiteren Vereinsmitgliedern nach Niederrad gekommen, wo die bestens ausgerüsteten Männer die grünen Sitze in Windeseile abmontierten.

Abriss für das Frühjahr geplant

Nach den derzeitigen Planungen der Stadt soll die Tribüne im Frühjahr abgerissen werden. Damit könnte nach dem Rechtsstreit über mehrere Instanzen auch der Baubeginn der auf dem Gelände geplanten DFB-Akademie näher rücken. Schweres Gerät des Abrissunternehmens stand am Samstag schon auf dem Gelände bereit, wie Baudezernent Jan Schneider (CDU) vor Ort erklärte. Die Stadt wolle das Gelände noch im Laufe des Jahres an den Deutschen Fußball-Bund übergeben.

Schneider und Sportdezernent Markus Frank (CDU) hatten die Interessierten am Morgen an der Rennbahn begrüßt. "Bevor wir beim Abriss Dinge entsorgen, die noch verwertet werden können, wollen wir lieber etwas Sinnvolles damit machen", sagte Frank. Er lud die Anwesenden zudem ein: "Wenn Sie abgesehen von den Sitzen etwas entdecken, das Sie anlacht, sprechen Sie uns an."

Anwohner holen Sitze als Andenken

Mitglieder des RSV 1918 Weyer interessierten sich aber zunächst vor allem für 150 Klappsitze. "Unsere Vereinsfarben sind grün-weiß, da passen die grünen Sitze perfekt", freute sich Fußball-Abteilungsleiter Jürgen Erlemann. Besonders wegen des 100. Vereinsgeburtstags in diesem Jahr komme das Angebot der Stadt Frankfurt sehr gelegen. Neben den Vereinen holten sich auch Anwohner den einen oder anderen Sitz als Andenken an die Rennbahn ab.

Das Oberlandesgericht Frankfurt hatte noch am Freitag entschieden, dass die Sitze demontiert werden dürfen. Der Rennklub hatte zuvor in einer einstweiligen Verfügung beantragt, der Stadt die Entfernung von Tribünen-Inventar zu untersagen.

Sendung: hr3, 10.02.2018, 11.00 Uhr