Zu sehen sind zwei Fotos - einmal eine Skilangläuferin auf einer intakten Loipe mit geschlossener Schneedecke und einmal eine zerstörte Loipe.

Immer wieder werden im Vogelsberg Langlaufstrecken für Wintersportler zerstört - von Autofahrern auf Schleudertour durch den Wald. Das kann auch zum Problem für die regionale Wirtschaft werden.

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Autodrifter ruinieren Langlaufstrecken für Wintersportler

Ski-Langlauf Ziel im Schnee
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Dicke Reifenprofile von Geländewagen und SUV haben sich tief in den Schnee gedrückt, wo eigentlich nur Skilangläufer unterwegs sein dürfen. Mehrere Loipen im Vogelsberg wurden offensichtlich als Rallye-Parcours missbraucht. Die aufwendig gewalzten und gespurten Pisten sind dadurch ruiniert. Wintersportbegeisterte Besucher der Region haben das Nachsehen. Und nicht nur sie.

"Gedankenlose Menschen lassen die Sau raus"

Der Geschäftsführer des Naturparks Hoher Vogelsberg, Rudolf Frischmuth, sagte auf hr-Anfrage dazu: "Da lassen völlig gedankenlose Menschen mit ihren Autos die Sau raus. Sie wollen offenbar testen, was ihre Fahrzeuge so draufhaben." Solch ein Verhalten sei asozial. "Eine Unverschämtheit", findet Frischmuth.

Der Naturpark betreut das knapp 50 Kilometer lange Loipennetz. Die Langläufer steuern mit Vorliebe die Gegend am Taufstein, dem mit 773 Metern höchsten Berg im Vogelsberg, und am Hoherodskopf bei Schotten an.

Frischmuth sagt: "Die Langlauf-Fans kommen mitunter von weit her angereist, viele aus dem Rhein-Main-Gebiet. Wenn die Loipen durch diese Aktionen kaputtgemacht werden, ist der Ärger bei allen riesengroß." Die Häufung und das Ausmaß der Zerstörung seien "in dieser Dimension neu".

Ärger seit Anfang Dezember

Der Ärger begann in diesem Winter Anfang Dezember. Abschnitte der Taufstein-Loipe wurden durch kilometerlange Spurrillen zerstört. Dass sich dort nur jemand verfahren hat und mal falsch abgebogen ist, hält der Ehrenvorsitzende des Sportvereins TGV Schotten, Erwin Mengel, für ausgeschlossen. Er dokumentierte die Schäden mit Fotos und erstattete Anzeige bei der Polizei. Um den Beamten die Arbeit zu erleichtern, hat er mit einem Reifen-Fachmann anhand des Profilabdrucks im Schnee das Fabrikat ermittelt.

Die Polizei in Fulda schätzt den materiellen Schaden allein in diesem Fall auf rund 2.000 Euro. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft. Zu den Tätern und ihren Motiven liegen demnach noch keine Erkenntnisse vor.

Anfang Januar trug sich laut Naturpark-Chef Frischmuth der dritte nennenswerte Fall in diesem Winter zu. Auf der Köhlerwald-Loipe pflügte ein Raser in Rallye-Manier durch den Wald. Er fuhr sich allerdings fest und musste von einem Helfer herausgezogen werden. Zeugen beobachteten die Szene. Dazu bereitet Naturpark-Geschäftsführer Frischmuth nach eigenen Angaben derzeit die Informationen auf, um bald Anzeige zu erstatten.

Schilder, Absperrungen und Gräben beschädigt

Unklar ist, was man den Loipen-Zerstörern juristisch vorwerfen kann. Unberechtigtes Befahren des Waldes und der Naturschutzgebiete sei gerade einmal als Ordnungswidrigkeit zu bewerten, sagt Frischmuth.

Es geht auch um Sachbeschädigungen, nicht nur der Loipen. Die Verkehrsrowdys im Vogelsberg haben auch Schilder, Absperrungen und Gräben beschädigt, wie Frischmuth berichtet: "Das volle Ausmaß sehen wir erst, wenn der Schnee geschmolzen ist." Was aber jetzt schon ersichtlich ist: Die Raser hinterlassen viel Müll, der offenkundig von Partys und Saufgelagen herrührt.

Drifter-Szene im Verdacht

Allem Anschein nach treffen sich nicht selten Dutzende von Autos in der verschneiten Winter-Idylle. Die Naturpark-Verantwortlichen, Wintersportler und die Polizei haben die Drifter-Szene im Blick: überwiegend junge Leute, die mit Autos und Quads auf verschneiten Parkplätzen, Wegen und Loipen rasen und rutschen - zum Spaß und um Zaungästen des schändlichen Spektakels zu imponieren. Dabei lassen sie jedes Bewusstsein für Naturschutz und die Interessen der Wintersportler vermissen.

Damit möglichst keine Fahrzeuge mehr auf die Loipen gelangen, haben die Verantwortlichen Sperren errichtet. Hier und dort werden nun Straßen und Zufahrten abgeriegelt. Zudem habe die Polizei versichert, so Frischmuth, bei entsprechenden Wetterlagen mehr Kontrollen zu fahren, um Drifter im Wald abzuschrecken.

Schleuderfahrten auf der Wasserkuppe

Drifter sind nicht allein im Vogelsberg ein Problem. Auch im Taunus gab es Fälle von mutmaßlich absichtlich zerstörten Loipen. Auf Parkplätzen an der Wasserkuppe in der Rhön haben sich schon Auto-Narren für ihre Schleuderfahrten getroffen. Ob es sich dabei um eine organisierte Szene oder um Einzelne handele, sei unbekannt, sagt Johannes Metz, Sprecher der Tourismus-Gesellschaft Rhön: "Die Behörden vor Ort sind ebenfalls im Bilde und reagieren mit entsprechend höherer Präsenz."

Von einer ramponierten Loipe in der Rhön, im Naturschutzgebiet Rotes Moor, kann Metz auch berichten. In dem Fall sei aber wohl ein Autofahrer eher irrtümlich auf die Langlaufstrecke geraten.

Metz wünscht sich insgesamt mehr Achtsamkeit und Respekt für die geleistete Arbeit der Loipen-Präparierung - auch im Interesse der Wirtschaft vor Ort. Der Mann vom Rhön-Marketing weiß: Wenn sich Besucher nicht auf nutzbare Langlaufstrecken verlassen können, steuern sie andere Orte an. Und das hätte dann "weitergehende Folgen für die regionale Wertschöpfung", sagt Metz.

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