Universitätsklinikum in Frankfurt
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Eine Prüfkommission wirft der Frankfurter Uniklinik vor, bei Lebertransplantationen gegen Richtlinien verstoßen zu haben - und zwar in erheblichem Umfang. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. Die Uniklinik selbst weist die Vorwürfe zurück.

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An der Frankfurter Uniklinik hat es möglicherweise Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen gegeben. Nach Angaben der zuständigen Prüfkommission wurden 59 Lebertransplantationen im Zeitraum zwischen 2012 und 2015 unter die Lupe genommen. In 22 Fällen seien Verstöße "in erheblichem Umfang" festgestellt worden.

Weiter heißt es in dem Bericht der Kommission: "Die Vielzahl der Verstöße zwingt auch zu dem Schluss, dass es sich nicht lediglich um gelegentliche Versehen handelt, sondern um ein bewusstes Nichtbeachten der Richtlinien in diesem Regelungsbereich."

Bei den Prüfungen wird untersucht, ob bei Anmeldungen zu Wartelisten gegen Richtlinien verstoßen wurde. Hintergrund sind Skandale von 2012, bei denen Wartelisten manipuliert wurden.

Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft

Konkret wirft die Kommission der Uniklinik vor, in mehreren Fällen sogenannte "Standard Exceptionen" angemeldet zu haben, ohne dass die Voraussetzungen dafür vorlagen. Mit diesen Überprüfungen bekommen Patienten mehr Punkte auf ein Konto, das den Schweregrad ihrer Krebserkrankung widerspiegelt.

Die Prüfkommission hat inzwischen die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie soll untersuchen, ob gegen das Transplantationsgesetz verstoßen wurde. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte auf hr-Anfrage, es werde geprüft, ob ein Anfangsverdacht für ein Ermittlungsverfahren vorliege. Eine Strafanzeige wurde laut Kommission nicht erstattet.

Uniklinikum weist Vorwürfe zurück

Das Universitätsklinikum Frankfurt teilte dem hr mit, sich in allen Fällen richtlinienkonform verhalten zu haben. Man strebe vollständige Transparenz an und kooperiere mit den zuständigen Behörden. "Wir sind überzeugt, dass sich alle Unklarheiten ausräumen lassen," heißt es in der Erklärung.

Die Prüfkommission aus Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hatte Lebertransplantationsprogramme von insgesamt acht Kliniken geprüft. Das Ergebnis bezeichnete sie als überwiegend positiv. Die meisten Kliniken hielten sich an die Richtlinien. Systematische Unregelmäßigkeiten seien lediglich beim Uniklinikum Frankfurt aufgetaucht.