Zwei Hände greifen als Schatten nach einem Kind
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Das Marburger Landgericht hat am Dienstag noch einmal über die versuchte Kindesentführung im mittelhessischen Weimar (Lahn) aus dem Jahr 2012 geurteilt – und das Strafmaß für den Angeklagten etwas reduziert.

Im Fall der versuchten Entführung eines neunjährigen Mädchens in Weimar (Marburg-Biedenkopf) im Jahr 2012 wurde der Angeklagte am Dienstag vom Marburger Landgericht zum zweiten Mal verurteit. Das neue Strafmaß: Fünf Jahre und neun Monate. Im ersten Urteil vor einem Jahr hatte das Gericht den Mann zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Strafmaß neu verhandelt

Nach dem ersten Urteil zog der Angeklagte mit seiner Revision bis vor den Bundesgerichtshof. Die BGH-Richter sahen den Angeklagten zwar ebenfalls als den Täter an, beschlossen aber, dass die Länge der Haftstrafe neu verhandelt werden müsse.

Die Marburger Richter befanden den Mann nun der versuchten besonders schweren sexuellen Nötigung für schuldig, nicht mehr wie im ersten Urteil des versuchten sexuellen Missbrauchs. Am Urteil änderte das letztlich wenig.

Neunjährige kann sich befreien

Der Angeklagte hatte im Herbst 2012 im Weimarer Ortsteil Niederweimar nahe eines Spielplatzes eine Neunjährige in sein Auto gezerrt und ihr den Mund mit Klebeband zugeklebt. Das Mädchen konnte aus dem Wagen fliehen, ehe der damals 34-Jährige davonfahren konnte.

Erst fünf Jahre später wurde der Täter in seiner Heimat in Nordrhein-Westfalen gefasst. Er soll dort ein Mädchen in einem Schwimmbad unsittlich berührt haben. Seine Fingerabdrücke brachten ihn mit dem Fall in Weimar in Verbindung: Diese befanden sich auf dem Klebeband, mit dem der Neunjährigen der Mund zugeklebt worden war.

Tat gestanden, Motiv nicht

Im nun zweiten Prozess vor dem Landgericht äußerte sich der Angeklagte erstmals zur Tat. Er gab zu, das Mädchen in sein Auto gezerrt zu haben. Ein sexuelles Motiv stritt er jedoch ab. Das sah das Gericht anders - wie schon im ersten Prozess vor einem Jahr.

Damals hatten die Ermittler berichtet, dass der Mann in seinem Haus ein Verlies gebaut hatte. Zudem fanden die Beamten in dem Haus Bilder von Mädchen in Bikinis, dazu K.o.-Tropfen sowie verschieden Bücher über Entführungen und sexuellen Missbrauch.

Sendung: hr-iNFO, 11.12.2018, 16 Uhr