Andreas Darsow vor Gericht
Der Verurteilte Andreas Darsow vor dem Darmstädter Landgericht. Bild © picture-alliance/dpa

Andreas Darsow soll seine Nachbarn getötet und deren behinderte Tochter lebensgefährlich verletzt haben. 2011 wurde er verurteilt, am Freitag hat Anwalt Gerhard Strate ein Wiederaufnahmegesuch eingereicht. Vieles dreht sich um den Schalldämpfer.

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Rund neun Jahre nach einem Doppelmord in Babenhausen (Darmstadt-Dieburg) will der Verurteilte Andreas Darsow den Fall vor Gericht neu aufrollen lassen. Sein Anwalt Gerhard Strate hat am Freitagmittag nach viereinhalb Jahren Vorbereitung die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt. "Es spricht vieles für seine Unschuld", sagte Strate am hr-Mikrofon. "Ich habe im Urteil einige Hinkefüßchen entdeckt."

Mit dabei bei der Abgabe des Wiederaufnahmegesuchs an der elften großen Strafkammer des Landgerichts Darmstadt war auch Ehefrau Anja Darsow. "Die Hoffnung ist sehr, sehr groß", sagte sie.

Darsow soll Nachbarn getötet haben

Anlass ist eine Tat aus dem April 2009: Der heute 48-Jährige soll seine unmittelbaren Reihenhaus-Nachbarn erschossen und deren behinderte Tochter mit insgesamt zehn Schüssen lebensgefährlich verletzt haben. Das Tatmotiv sollen regelmäßige Lärmbelästigung und laute Schrei aus dem direkt angrenzenden Haus gewesen sein. "Die Tat war ganz klar geplant, der Täter wollte die Familie auslöschen", sagte damals ein Polizeisprecher.

Das Landgericht Darmstadt verurteilte Darsow 2011 nach einem Indizienprozess zu lebenslanger Haft. Aufgrund der festgestellten Schwere der Tat ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren quasi ausgeschlossen.

Der Verurteilte bestreitet die Tat bis heute. Die Ehefrau von Darsow ist von der Unschuld ihres Mannes überzeugt und kämpft mit dem Verein Monte Christo seit einigen Jahren um einen neuen Prozess.

Strate zweifelt an den Indizien

Rechtsanwalt Strate, der unter anderem das bayrische Justizopfer Gustl Mollath vertrat, beschäftigt sich seit Oktober 2012 mit dem Fall. Im März 2013 sagte er Unterstützung bei der Ausarbeitung des Wiederaufnahmegesuchs zu.

Zweifel hat Strate vor allem am Motiv und dem Haupt-Indiz. Darsow soll bei der Tat eine mit Bauschaum gefüllte PET-Flasche als Schalldämpfer benutzt und sich vorher auf seinem Arbeitsrechner eine Bauanleitung dazu angesehen haben. Ein Schalldämpfer dieser Art hätte laut Strate jedoch zum einen den Lärm der Überschall-Munition nicht gemindert und zum anderen größere Schaumstücke am Tatort hinterlassen müssen. Diese habe es jedoch nicht gegeben.

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Tatort Babenhausen: Hier wurde 2009 ein Ehepaar getötet, die Tochter verletzt.

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"Es ist eindeutig klar, dass bei dieser Tat kein Schalldämpfer benutzt worden ist, der aus einer mit Bauschaum gefüllten PET-Flasche besteht", so Strate. "Daran hängt sich die ganze Argumentation auf. Ich bin mir sicher, dass das nicht der Fall war und wir können das belegen."

Geringe Chancen auf Erfolg

Das Landgericht Darmstadt wird den Wiederaufnahmeantrag nun an das Landgericht Kassel weiterleiten, wo der Fall gegebenfalls neu verhandelt werden würde. Mit einer schnell Entscheidung ist allerdings nicht zu rechnen. Wie lange die Prüfung dauert, sei "im Augenblick nicht absehbar", sagte der Kasseler Landgerichtssprecher Robert Winter.

Statistiken zufolge sind Wiederaufnahmeverfahren selten. Unter den 2016 abgeschlossenen 3.620 Gerichtsverfahren an hessischen Landgerichten waren lediglich 21 Wiederaufnahmeverfahren. Die Erfolgsquote liegt bei unter fünf Prozent.