Screenshot aus dem Video der Instagram-Nutzerin "Adorable Caro"
Screenshot aus dem Video der Instagram-Nutzerin "Adorable Caro" Bild © Screenshot: instagram.com/adorable_caro

Ein Video von einem nächtlichen Einsatz der Frankfurter Polizei sorgt für Diskussionen. Augenscheinlich gehen die Beamten gegen junge Erwachsene auf der Einkaufsstraße Zeil brutal vor. Nun schilderte die Polizei ihre Sicht der Dinge.

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Rücken von Polizist und Polizistin

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Polizei: "Beamte wurden bedroht und angegriffen"

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Die Frankfurter Polizei hat am Sonntag ihre Sicht eines Einsatzes auf der Fußgängerzone Zeil am frühen Samstagmorgen dargestellt. Von Passanten gefilmte Szenen wurden in sozialen Netzwerken veröffentlicht und kontrovers diskutiert. Das Vorgehen der Beamten wurde teils als unverhältnismäßig kritisiert, von anderen als angemessen bewertet.

Wie die Polizei mitteilte, werden die dabei erhobenen Vorwürfe bezüglich des polizeilichen Handels ernst genommen und einer rechtlichen Prüfung unterzogen.

Pfefferspray, Frau an Haaren zu Boden gerissen

Das einminütige Video zeigt, wie ein Polizist einem Mann sein Knie in die Magengegend rammt und ihn gegen eine Hauswand drückt. Im Hintergrund sind unter anderem die Rufe "Schwuchtel" und "Hurensohn" zu hören. Einem anderen Mann sprüht ein Polizist aus einer Dose ein Spray ins Gesicht. Eine Frau, die in Richtung des Festgenommenen läuft, wird von einem Polizisten aufgefordert wegzugehen und dann an ihren langen Haaren zu Boden gerissen.

Nicht zu sehen ist in dem Video, was vor den veröffentlichten Szenen geschah und wie es zu dem Polizeieinsatz kam.

Polizei: "Pfefferspray musste eingesetzt werden"

Nach Darstellung der Polizei waren die Beamten Samstagfrüh gegen 5 Uhr zu einer Schlägerei unter mehreren, offensichtlich alkoholisierten Personen auf der Zeil gerufen worden. Diese Personen hätten sich den Einsatzkräften gegenüber "äußerst aggressiv" verhalten und hätten versucht, sich fortwährend durch Flucht der Situation zu entziehen. "Bereits hier musste seitens der Beamten Pfefferspray eingesetzt werden."

Eine größere Menschenmenge habe das Geschehen umringt. Aus der Menge heraus kam es laut Polizei immer wieder zu Solidarisierungsaktionen, Beleidigungen und Bedrohungen. "Auch Glasflaschen flogen in Richtung der Beamten. Auch in dieser Situation musste wieder zu Pfefferspray gegriffen werden", teilte die Polizei mit.

Ein zunächst Unbekannter rannte dabei auf einen der eingesetzten Beamten zu und schlug diesem mit voller Wucht in den Nacken, hieß es weiter. Der Beamte wurde dabei verletzt und konnte seinen Dienst nicht fortsetzen. Der Tatverdächtige, ein 26 Jahre alter Frankfurter, wurde später festgenommen.

Linke kritisiert Polizei

Auch der Frankfurter Bundestagsabgeordnete Achim Kessler (Die Linke) hatte am Samstag auf Twitter das seiner Ansicht nach brutale Vorgehen der Polizei kritisiert. "Die dort agierenden Polizisten gehören nicht in den Polizeidienst!", schrieb er.

Der Landtagsabgeordnete Hermann Schaus (Die Linke) kündigte auf Twitter an, er werde im Landtag der Sache nachgehen.

Auch Video von Polizeieinsatz in Kassel wurde diskutiert

Auch in Kassel hatte in dieser Woche ein Amateurvideo eines Polizeieinsatzes für Aufregung und interne Ermittlungen bei der Polizei gesorgt. 

Bei einer Anti-Nazi-Demonstration mit rund 10.000 Teilnehmern hatte die Polizei Pfefferspray gegen auf einer Straße sitzende Demonstranten eingesetzt. Vom Einsatz betroffene Demonstranten hatten das Verhalten der Polizisten als unverhältnismäßig bezeichnet.

Ein Sprecher des hessischen Innenministeriums betonte am Sonntag, dass die Videos in beiden Fällen nur Teile des Gesamtgeschehens zeigten. So werde beispielsweise nicht deutlich, welche Situationen der Szenen aus den Clips vorangegangen seien. "Da gilt es auch die Aussage der beteiligten Polizisten abzuwarten."

Sendung: hr-iNFO, 28.07.2019, 16.00 Uhr