Rettungsgasse

Eine Rettungsgasse kann bei Unfällen über Leben und Tod entscheiden, dennoch funktioniert sie oft nicht. Mittels Videotechnik will die Polizei jetzt noch mehr Regelbrecher zur Verantwortung ziehen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mehr Verfahren gegen Rettungsgassen-Sünder

Viele Autos stehen durcheinander, im Hintergrund ein Feuerwehrfahrzeug.
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Fehlende Rettungsgassen und Ärger mit Gaffern bei Verkehrsunfällen bleiben ein großes Problem auf Hessens Straßen. Die Fallzahlen sind deutlich gestiegen, wie aus Antworten des Innenministeriums auf eine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion hervorgeht.

Im Jahr 2017 wurden bei der zentralen Bußgeldstelle des Landes 38 Verfahren wegen fehlender Rettungsgassen registriert, im vergangenen Jahr waren es 131. Im ersten Halbjahr 2019 wurden bereits 103 Verfahren gezählt.

Bereits seit Oktober 2017 werden Rettungsgassen-Vergehen strenger bestraft, es drohen mittlerweile Bußgelder von bis zu 320 Euro, im schlimmsten Fall verbunden mit zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot.

Streifenwagen mit Videokameras

Und künftig sollen Rettungsgassen-Sündern noch stärker zur Rechenschaft gezogen werden. Das Pilotprojekt "Videostreife BAB" stehe unmittelbar vor Einführung in den hessischen Polizei-Alltag. Dafür wurden Streifenwagen der Autobahnpolizei mit Videokameras ausgestattet.

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zum Video Rettungsgasse: So wird's gemacht!

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Die Beamten können damit bei Bedarf die Kennzeichen und Autofahrer filmen und die Vergehen leichter dokumentieren. Nach dem Abschluss des Pilotprojekts werden laut Innenministerium zunächst 16 Streifenwagen mit der Videotechnik ausgestattet. "Damit wird hessenweit ein realistisches Entdeckungsrisiko für solche Verkehrsteilnehmer bestehen, die gegen die Pflicht zur Bildung einer Rettungsgasse verstoßen", sagte Minister Peter Beuth (CDU).

Auch Gaffer verstärkt im Fokus

Verstärkt ins Visier genommen werden sollen dabei auch Gaffer, die durch langsames Vorbeifahren an Unfallstellen den Verkehrsfluss bremsen. "Sie vermehren das Leid von Opfern und Angehörigen durch ihre Zudringlichkeit und durch öffentliche Bloßstellung der Opfer." Sie gefährdeten auch Gesundheit und Leben von Opfern und Rettern wie auch von sich selbst. "Dieses in hohem Maße sozialschädliche Verhalten wird nicht toleriert", betonte Beuth.

Die Polizei in Osthessen hat bereits "sehr gute Erfahrungen" mit der Videotechnik gemacht, wie ein Sprecher in Fulda sagte. Der Videobeweis mache es der Polizei einfacher, die Fahrer zu identifizieren. Die Anzahl der Bußgeldbescheide sei dadurch "deutlich gestiegen".

Soziologe bezweifelt Wirksamkeit

Der Frankfurter Verkehrssoziologe Alfred Fuhr bezweifelt jedoch, dass härtere Strafen das Problem lösen: "Höhere Strafen sorgen nicht für Abschreckung." Seine Erklärung des Problems: Viele Autofahrer seien schlichtweg zu unaufmerksam unterwegs und unfähig, die eigene Trägheit zu überwinden. Hinzu komme eine gewisse Reizüberflutung in einem immer komplexeren Verkehr. 

Sendung: hr-iNFO, 03.11.2019, 12 Uhr