Ein verkleideter Weihnachtsmann verlässt einen großen, geschmückten Saal

Große Weihnachtsfeiern sind auch in der Berufswelt derzeit wegen Corona undenkbar. Es gibt aber vereinzelt Arbeitgeber, die für ihre Angestellten etwas Besonderes auf die Beine stellen. Derweil warnt ein Experte vor der Schnapsidee, digitale Feiern am Bildschirm zu veranstalten.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Alternativen zur Firmen-Weihnachtsfeier während der Corona-Pandemie

Mann (links) schaut grimmig auf Weihnachtskugeln (rechts)
Ende des Audiobeitrags

Die einen atmen heimlich auf, die anderen vermissen sie: Weihnachtsfeiern beim Arbeitgeber fallen in diesem Winter reihenweise aus. Wegen der Corona-Pandemie. Spätestens seit den jüngsten Verschärfungen der Corona-Regeln ist klar: Das in vielen Firmen obligatorische Fest mit der Belegschaft muss abgeblasen werden.

Mittlerweile zerschlagen sich vielerorts in Hessen immer mehr kreative Ideen, wie das gesellige Beisammensein am Jahresende noch gerettet werden sollte. Aber die wenigsten Konzepte sind tauglich mit Blick auf die Corona-Bestimmungen. Wenn sich nur wenige Menschen mit Abstand treffen dürfen - da kommt keine Party-Stimmung auf.

Mehrstündige Live-Radio-Sendung als Party-Ersatz

Doch es gibt sie noch die Feier-Ideen, die Infektionsgefahren mit der Lungenkrankheit ausschließen, wie eine kleine Umfrage bei größeren Unternehmen in Fulda ergab. Der international für die Automobilbranche tätige Ingenieurdienstleister Edag veranstaltet am 18. Dezember eine mehrstündige Live-Radio-Sendung.

Jeder Mitarbeiter kann sie per Livestream verfolgen. "Musikwünsche und Grüße können via WhatsApp-(Sprach-)Nachrichten oder über einen eingerichteten Chanel an das Edag-'Studio' in Fulda übermittelt werden", erklärt Unternehmenssprecher Christoph Horvath. Das Motto der "Edag Christmas Radio Show" lautet: "Wenn wir uns nicht sehen können, dann sollten wir uns hören."

Früher lieber große Saal-Feier statt besinnlicher Kaffeerunde

Weihnachtsfeier 2019 bei der Fuldaer Firma EDAG in einem großem Saal

Doch ob das ans Gefühl der vorigen Feiern heranreicht? "Die Edag-Weihnachtsfeiern hatten stets einen ausgelassen Faktor - mehr gemeinsame Freude am Feiern, lachen und tanzen statt einem besinnlichem Kaffeetrinken", schwelgt Horvath in Gedanken an die Vor-Corona-Zeit.

Im Vorjahr kamen 1.200 Mitarbeitende in der Esperantohalle, der größten Veranstaltungshalle in Fulda, zusammen - mit Live-Musik, DJ und allem drum und dran. "Ein Event in solcher Größenordnung ist in diesem Jahr unter den aktuellen Rahmenbedingungen leider nicht durchführbar und auch nicht zu verantworten", bedauert Horvath.

Katastrophe für Event-Macher

Der Wegfall großer Partys ist nicht nur schade für feierfreudige Menschen, es ist ein GAU für eine ganze Branche. Jens Michow, Präsident beim Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, sagte hessenschau.de: "Die Lage für die Event-Branche ist in diesem Jahr wegen der Lockdown-Maßnahmen katastrophal und nach dieser langen Zeit immer noch perspektivlos."

Und Besserung ist nicht in Sicht: "Auch das Geschäft mit den Weihnachtsfeiern fällt in diesem Jahr flach, weil schlichtweg so gut wie nichts stattfindet - weder drinnen noch draußen", bedauert Michow.

Branchenverluste in Milliarden-Höhe

Aufgrund der Corona-Krise und der seit Monaten anhaltenden Lähmung des Event-Sektors belaufen sich die Einnahmenverluste für die gesamten Veranstaltungsbranche in Deutschland in diesem Jahr auf sechs bis acht Milliarden Euro, wie Michow sagt.

"Gäbe es nicht aktuell eine Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bei coronabedingten Schieflagen; wären bereits mindestens 50 Prozent der Unternehmen Pleite." Was die November-Finanzhilfen bringen, müsse man abwarten.

Videobeitrag

Video

zum hr-fernsehen.de Video Corona-Gastronomie – wie Restaurants das Weihnachtsgeschäft retten wollen

mex181120
Ende des Videobeitrags

Familien dürfen feiern - "Firmenfeiern absurd"

Für Familien und Freunde will die Politik das Feiern von Weihnachten mit aller Macht ermöglichen. Das wurde in den vergangenen Tagen deutlich. Aber beim Arbeitgeber wird's nichts geben. Michow hat Verständnis: "Es ist absurd über Weihnachtsfeiern in Firmen überhaupt nachzudenken." Und auch Feiern im Freien seien keine Alternative, da auch in der Öffentlichkeit größere Menschen-Ansammlungen nicht erlaubt seien.

Hessens Sozialministerium betont: Firmen-Weihnachtsfeiern mit persönlicher Anwesenheit und Zusammenkünfte mit geselligem Charakter könnten wegen der Pandemie nicht stattfinden. "Möglich sind hingegen virtuelle Zusammenkünfte, zum Beispiel über Videokonferenz-Plattformen", hieß es aus Wiesbaden zu den Corona-Regeln.

Lust auf digitale Weihnachtsfeier?

Doch Weihnachtsfeiern per Videokonferenz findet Event-Experte Michow so heiß wie abgestandenen Glühwein. "Die Menschen haben derzeit sowieso eine Videokonferenz nach der anderen. Wer hätte da Lust, sich nun auch noch bei einer Weihnachtsfeier digital auszutauschen? Weihnachtsfeiern leben wie alle Veranstaltungen vom gemeinsamen Erleben, von Nähe und Emotionen."

Nähe zwar nicht, aber gemeinsames Erleben - die Fuldaer IT-Firma L.A.N. hat einen Weg gefunden als Feier-Ersatz. Die Mitarbeiter treffen sich zeitlich versetzt zum Weihnachtsbaumschlagen im Wald. Danach gibt es noch Glühwein, heißen O-Saft, eine Überraschung vom Chef und etwas zu Essen.

Gastronomen bieten "Gans to fly"

Apropos Essen: Die Gastronomie in Hessen macht sich Gedanken, wie sie ihre Gäste trotz Corona verwöhnen kann. Julius Wagner vom Landesverband Hessen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) sagt, es gebe viele Optionen.

Vom fertig kreierten Weihnachtsmenü, das nur noch erwärmt werden muss, bis hin zur angelieferten "Gans to fly", gebe es Möglichkeiten zur Verköstigung. So müssen coronakonforme Kleingruppen wenigstens nicht auf gutes Essen bei einer möglichen Feier verzichten.

Sendung: hr4, 30.11.2020, 12.30 Uhr