Vogelschwarm
Ein Starenschwarm macht Rast in Nordhessen. Bild © Nabu/Dieter Bark

Sie sitzen in Scharen in Gärten oder liegen tot am Straßenrand: Frost und Schnee zum Frühlingsbeginn haben tausende Vögel auf ihrer Reise nach Norden zu einer Zwischenrast gezwungen. Anwohner können helfen.

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Derzeit ist ein seltenes Phänomen zu beobachten: Tausende Zugvögel sind in den vergangenen Tagen auf der Suche nach Futter in Hessen gestrandet - der Frost hat sie überrascht.

Besonders in Ost- und Nordhessen lasse sich derzeit ein regelrechter Zugstau beobachten, teilte der hessische Landesverband des Naturschutzbundes (Nabu) mit. Viele Tiere liegen tot in der Landschaft oder am Straßenrand. Sie waren geschwächt oder sind dem Straßenverkehr zum Opfer gefallen.

Bis zu 10.000 Singdrosseln

"Der kalte Ostwind und der gefrorene Boden haben viele Vögel zu einer Zwischenrast gezwungen", berichtet der Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler. Demnach haben sich bis zu 10.000 Singdrosseln, aber auch Kiebitze, Schwarzkehlchen und Goldregenpfeifer in der Region niedergelassen.

Dass sie ausgerechnet in Nord- und Osthessen rasten, liegt daran, dass der Wintereinbruch weiter nördlich noch stärker war. Dort finden die Tiere gar kein Futter mehr.

"Kommt nur alle paar Jahrzehnte vor"

Das Phänomen der gestrandeten Zugvögel sei äußerst selten, sagte Frank Dittmar, Naturschutzbeauftragter des vor allem betroffenen Landkreises Hersfeld-Rotenburg, zu hessenschau.de: "In diesem Ausmaß kommt es schätzungsweise nur alle paar Jahrzehnte vor." Mehrere tausend Tiere sind laut Dittmar im Landkreis Hersfeld-Rotenburg gestrandet.

Ein Star im nordhessischen Schnee
Ein Star im nordhessischen Schnee Bild © Nabu/Dieter Bark

Auf der Suche nach Nahrung lassen sich die Vögel in Scharen auf den wenigen nicht mehr gefrorenen Stellen nieder. Fatalerweise liegen diese Stellen häufig an Straßenböschungen oder direkt an den Fahrbahnrändern, wo der Boden durch den warmen Asphalt oder das Streusalz aufgetaut ist.

Nabu rät: "Runter vom Gaspedal!"

Das ist ein Problem. "Immer wieder fliegen Vögel einzeln oder in Schwärmen über die Fahrbahn und werden von Autos erfasst und liegen dann tot am Straßenrand", sagte Nabu-Sprecher Berthold Langenhorst zu hessenschau.de. Oft seien die Tiere auch schon so geschwächt, dass sie verzögert reagieren. Autofahrer, die Vögel im Bereich der Fahrbahn bemerken, fordert er deshalb auf: "Runter vom Gaspedal!"

Weggeräumt werden die toten Tiere jedoch nicht. Zumindest im Kreis Hersfeld-Rotenburg geht man davon aus, dass sich das Problem von selbst löst. "Die verendeten Vögel werden dort nicht lange liegenbleiben. Beutegreifer wie Fuchs und Waschbär kümmern sich darum", sagte Naturschutzbeauftragter Dittmar.

Anwohner können helfen

Helfen kann man den noch lebenden Vögeln nach Meinung der Experten nur bedingt. Dennoch müssen Anwohner nicht tatenlos zusehen. Da viele Tiere bei ihrer Nahrungssuche bis in die Gärten vordringen, ist es sinnvoll, dort Futter auszulegen. "Für die Körnerfresser ist klassisches Vogelfutter gut geeignet", sagte Langenhorst.

Bei den Insektenfressern werde es schon schwieriger, schränkt Langenhorst ein: "Wer unbedingt helfen möchte, kann Mehlwürmer in den Garten legen, die gibt es in jeder Zoohandlung." Damit könne man natürlich nur einen Bruchteil der betroffenen Zugvögel aufpäppeln.

Wenn die Temperaturen am Wochenende wieder steigen, wird sich der Zugvögelstau wieder auflösen. Die Tiere wollen schnell ihre Brutgebiete im Norden erreichen. Sollte sich der Frost im Norden und Osten Deutschlands noch länger halten, könnte es dort allerdings zum nächsten Stau kommen.