Zwei Bewohner des Kreisaltenzentrums Niederaula sind an Corona gestorben.

Immer mehr Seniorenheime melden Corona-Fälle, zuletzt eine Frankfurter Einrichtung. In drei anderen hessischen Heimen gab es bereits Tote. Viele Bewohner und Mitarbeiter wurden positiv auf das Virus getestet.

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In der Corona-Krise sind nun auch in hessischen Altenpflegeheimen Bewohner ums Leben gekommen. In einem Altenheim in Niederaula (Hersfeld-Rotenburg) sind zwei Bewohner an Covid-19 gestorben, auch in Treysa (Schwalm-Eder) und Höchst (Odenwald) gab es Tote. Dazu wurden zahlreiche Bewohner in verschiedenen Einrichtungen positiv auf Corona getestet.

Zwei Corona-Tote in Niederaula

Im Kreisaltenzentrum in Niederaula sind zwei 79 und 83 Jahre alte Männer gestorben, die zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Das teilte der Landkreis bereits am Dienstag mit. Zunächst stand noch nicht fest, ob der Tod der beiden Bewohner tatsächlich auf das Virus zurückzuführen ist. Das Sozialministerium führt die Todesfälle seit Mittwoch aber in der offiziellen Corona-Statistik.

Im Auftrag des Kreisgesundheitsamts werden derzeit alle rund 180 Mitarbeiter und 116 Bewohner des Heims auf das Coronavirus getestet. "Die allermeisten Tests bei den Mitarbeitern und Bewohnern waren negativ", sagte Landrat Michael Koch (CDU) am Mittwoch dem hr. Bei 20 Personen wurde jedoch das Virus nachgewiesen, darunter fünf Mitarbeiter und 15 Bewohner. Die Test sind noch nicht abgeschlossen.

Das Heim steht seit dem Wochenende unter Quarantäne. "Ich habe schon vor Wochen ein generelles Besuchsverbot verhängt", sagte Koch. Allerdings können man solch eine Einrichtung nicht zu 100 Prozent abschotten. "Alle Einrichtungen dieser Art sind Risikoeinrichtungen und ich kann nur dazu aufrufen, Haltung zu bewahren und die Menschen zu unterstützen, die dort arbeiten."

Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) hatte am Mittwoch über weitere Beschränkungen für Pflegeheime informiert. Wie in Krankenhäusern sind Besuche dort ab sofort verboten. Eine Ausnahme sei etwa "der letzte Besuch bei einem Sterbenden", sagte Klose. Damit werde die bisherige Begrenzung auf eine Stunde und einen Besucher pro Tag aufgehoben.

Ein Toter und viele Infizierte in Treysa

In Treysa, einem Stadtteil von Schwalmstadt, ist am Mittwoch ein mit dem Coronavirus infizierter Bewohner eines Seniorenheims im Krankenhaus gestorben, wie das Rote Kreuz Schwalm-Eder dem hr bestätigte. Der Mann war demnach 95 Jahre alt und hatte mehrere Vorerkrankungen.

Insgesamt 22 Bewohner und fünf Mitarbeiter des DRK-Heims waren positiv auf das Virus getestet worden, wie der Kreis am Samstag mitteilte. Die Betroffenen befinden sich isoliert auf ihren Zimmern und werden behandelt, die Mitarbeiter sind in häuslicher Quarantäne. "In unseren Einrichtungen besteht seit über zwei Wochen ein Besuchsverbot", sagte Manfred Lau, Geschäftsführer des DRK Schwalm-Eder.

Pflegeheim in Höchst nach Todesfall unter Quarantäne

Auch in einem Pflegeheim im Odenwaldkreis ist am Dienstag eine Bewohnerin an den Folgen von Covid-19 gestorben. Dies bestätigte der Kreis. Nach hr-Informationen handelt es sich um ein Heim in Höchst. Die Frau starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Ein nachträglich durchgeführter Test bestätigte die Infektion mit dem Coronavirus. Zuerst hatte das Odenwälder Journal darüber berichtet. Das Heim steht unter Quarantäne.

Nach Angaben des Odenwaldkreises sind elf weitere Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden. Zwei befänden sich mittlerweile im Krankenhaus. Bei sieben Bewohnern sei der Test negativ ausgefallen. Bei zwölf Bewohnern standen am Dienstagabend die Testergebnisse noch aus. Ob auch Mitarbeiter infiziert sind, ist bisher nicht bekannt.

Die Quarantäne war vom zuständigen Gesundheitsamt angeordnet worden. Landrat Frank Matiaske (SPD) bezeichnet den Fall als "besonders tragisch", da die Einrichtung sämtliche Sicherheitsmaßnahmen eingehalten habe. Mit der Pflegeheimleitung sei eine intensive Überwachung der betroffenen Bewohner vereinbart.

Neue Krankheitsfälle in Frankfurt

Inzwischen gibt es hessenweit zahlreiche Corona-Infektionen in Alters- und Pflegeeinrichtungen. Am Mittwochabend wurden aus einem Frankfurter Altenzentrum der Johanna Kirchner Stiftung Krankheitsfälle bekannt. Ein Sprecher sagte, zwei Bewohner und zwei Mitarbeiter seien positiv getestet worden. Es gebe weitere Verdachtsfälle. Für die Mitarbeiter sei Quarantäne angeordnet worden.

Die positiv getesteten Bewohner werden den Angaben zufolge im Krankenhaus behandelt. Das Gesundheitsamt sei informiert worden und werde am Donnerstag einen flächendecken Test aller Bewohner und Mitarbeiter der betroffenen Wohnbereiche durchführen.

Weitere Infizierte in Fulda und Herborn

Auch in einem Altenpflegeheim des Roten Kreuzes in Herborn (Lahn-Dill) gibt es mehrere infizierte Bewohner und Mitarbeiter. Noch Mitte letzter Woche hatte der Kreis zehn Infizierte gemeldet, mittlerweile ist die Zahl laut Rotem Kreuz auf 17 gestiegen - darunter neun Bewohner und acht Mitarbeiter.

Die infizierten Mitarbeiter sind zu Hause in Quarantäne, die erkrankten Bewohner werden isoliert in ihren Zimmern betreut. Alle Bewohner des Pflegeheims stehen unter Quarantäne.

In Fulda ist ebenfalls ein Altenheim betroffen. Aufgrund einer positiv getesteten Mitarbeiterin sind von Sonntag bis Dienstag 110 Mitarbeiter und Bewohner getestet worden. Zwei weitere Beschäftigte und eine Bewohnerin haben sich infiziert, wie der Landkreis mitteilte.

Das Gesundheitsamt des Kreises habe daraufhin für die Einrichtung alle notwendigen Maßnahmen getroffen, hieß es in Fulda. "Dazu gehören insbesondere die Recherche der Kontaktpersonen, die Veranlassung der Tests und die Quarantänisierung der betreffenden Personen."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 1.4.2020, 16.45 Uhr