Alexander Falk mit seinen Verteidigern Daniel Wölky und Björn Gercke vor dem Prozessauftakt am Frankfurter Landgericht wegen versuchter Anstiftung zu einem Tötungsdelikt

Das Landgericht Frankfurt hat den Hamburger Unternehmer Alexander Falk zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Falk hatte einen Angriff auf einen Anwalt in Auftrag gegeben. Ausschlaggebend für das Urteil war eine verräterische SMS.

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Zehn Jahre nach einem Angriff auf einen Wirtschaftsanwalt in Frankfurt ist am Donnerstag das Urteil gegen den Hamburger Unternehmer Alexander Falk ergangen. Das Landgericht Frankfurt verhängte eine viereinhalbjährige Haftstrafe. Falk sitzt seit 22 Monaten in Untersuchungshaft.

Falk habe sich von dem Anwalt und seinen Kollegen "gehasst und verfolgt" gefühlt, sagte der Vorsitzende Richter am Frankfurter Landgericht, Jörn Immerschmitt, am Donnerstag in der Urteilsbegründung. Deshalb habe er den Auftrag erteilt, dem Anwalt im Februar 2010 in Frankfurt ins Bein zu schießen.

Motiv des früher sehr erfolgreichen Internetunternehmers seien aufgestaute Wut, Rache und verletzte Ehre gewesen. Der Anwalt hatte zur Tatzeit eine Millionenklage vorbereitet in einem Verfahren, bei dem es um manipulierte Umsätze beim Verkauf eines Unternehmens ging, das Falk gehörte.

Bruderpaar mit Tat beauftragt

Der heute 50-Jährige hatte den von seinem Vater geerbten, gleichnamigen Stadtplanverlag verkauft und sehr erfolgreich in Internetunternehmen investiert. Er avancierte zu einem Star der New Economy und gelangte auf die Liste der 100 reichsten Deutschen. 2008 wurde er dann aber wegen versuchten Betrugs in Hamburg zu vier Jahren Haft verurteilt. Im Zivilverfahren, in dem der angeschossene Anwalt die Gegenseite vertrat, ging es um millionenschweren Schadenersatz.

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft sah darin das Motiv für die Tat im Februar 2010. Wegen Anstiftung zu gefährlicher Körperverletzung forderte sie sechs Jahre Haft. Falk beauftragte demnach ein türkisches Bruderpaar mit der Tat.

Verräterische Tonbandaufnahme und SMS

Die Staatsanwaltschaft legte eine Tonaufnahme vor, auf der Falk zu hören war, dass er nach dem Schuss zufrieden und schadenfroh gewesen sei. In der Anklage ging die Staatsanwaltschaft noch von versuchter Anstiftung zum Mord aus. Diesen Vorwurf milderte sie bei ihrem Plädoyer am Dienstag ab.

Der Vorsitzende Richter Immerschmitt verwies in seiner Urteilsbegründung auch auf eine SMS, die Falk fünf Tage vor der Tat erhielt und in der ihm mitgeteilt wurde, dass "die Oma" demnächst ihren "verdienten Kuraufenthalt" bekommen werde. Diese wertete das Gericht als Beweis.

Verteidigung forderte Freispruch

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Unternehmer Falk wegen Anstiftung zu Körperverletzung verurteilt

Alexander Falk, Erbe des Stadtplan-Verlags, bei einem früheren Verfahren 2012 vor dem Landgericht Hamburg
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Falk wies den Vorwurf mehrmals zurück. Er räumte aber ein, bei den Männern aus der Türkei einen Datendiebstahl bei dem Anwalt oder anderen Kanzleiangehörigen in Auftrag gegeben zu haben. Die Bekanntschaft mit ihnen geht auf die Hamburger Haftzeit Falks zurück. Das Gericht konnte sie nicht als Zeugen vernehmen, weil ihr genauer Aufenthaltsort nicht bekannt ist.

Die Verteidigung forderte am Dienstag Freispruch für ihren Mandanten. Die Anklage beruhe auf Hypothesen, Spekulationen und Vorurteilen, sagte Rechtsanwalt Björn Gercke in seinem Plädoyer. Die Aufnahme, die Falks Schuld belegen solle, habe sich als geschnitten und damit manipuliert erwiesen. Sie sei heimlich angefertigt worden, Falk sei damit erpresst worden.

Falk zunächst auf freiem Fuß

Falk kam am Donnerstag nach 22 Monaten Untersuchungshaft dennoch auf freien Fuß. Denn es bestehe weder Verdunklungs- noch Fluchtgefahr, befanden die Richter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kündigte an, beim Bundesgerichtshof (BGH) dagegen vorgehen zu wollen. (Aktenzeichen AZ 6340 Js 207925/16l)

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 09.07.2020, 16.45 Uhr