Die Angeklagte vor Gericht
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In dem Prozess um ein getötetes Baby in Südhessen hat das Landgericht Darmstadt angeordnet, die beschuldigte Mutter in einer Psychiatrie unterzubringen. Laut Urteil ist die 32-jährige Frau schuldunfähig.

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Das Landgericht Darmstadt hat im Prozess um eine im Viernheimer Wald in Südhessen gefundene, skelettierte Babyleiche am Dienstag das Urteil verkündet. Das Gericht ordnete wegen Misshandlung Schutzbefohlener die Unterbringung der 32 Jahre alten Mutter des Jungen in einer geschlossenen Klinik für Psychiatrie an.

Richter: "Beschuldigte muss dringend behandelt werden"

Gutachter hatten bei der Mutter eine paranoide Schizophrenie festgestellt. "Die Beschuldigte muss dringend behandelt werden", sagte der Vorsitzende Richter.

Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert, da das Kind auch durch den plötzlichen Kindstod oder einen anderen Täter zu Tode gekommen sein könnte. Als möglichen Täter hatte die Verteidigerin einen damaligen - ebenfalls psychisch kranken - Mitbewohner der Mutter ins Spiel gebracht. Den plötzlichen Kindstod schloss die Kammer aber als mögliche Ursache aus, da dieser laut Rechtsmedizin erst nach vier Wochen auftrete.

Beschuldigte schweigt zu Vorwürfen

Die Frau stand seit Anfang Januar vor Gericht. Sie soll ihren drei bis vier Wochen alten Sohn im April 2017 getötet haben. Die Beschuldigte hat zur Totschlagsanklage während des gesamten Prozesses keine Angaben gemacht. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer am 7. Februar auf schuldig plädiert, hielt die Angeklagte aber für schuldunfähig.

Aus Sicht der Anklage belegen Texte, die die Frau auf Facebook und in Chats gepostet hatte, dass sie ihr Kind zu Tode brachte. Wegen der psychischen Erkrankung der Frau forderte die Staatsanwaltschaft, sie in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik unterzubringen. "Die Beschuldigte hat eine Perspektive", sagte der Richter, "unter der Prämisse, dass sie sich behandeln lässt."

Todesursache des Babys weiter unklar

Das Babyskelett war im September 2017 in einer Tasche im Viernheimer Wald entdeckt worden. Die Beschuldigte ermittelte die Polizei im Frühjahr 2018 nach Hinweisen aus ihrer Verwandtschaft. Ein DNA-Abgleich bestätigte, dass sie die Mutter des toten Säugling ist. Wie genau das Baby gestorben ist, ist noch immer unklar.

Das Sorgerecht für ihre zehn Jahre alte Tochter war der Mutter bereits vor Jahren wegen ihrer Drogensucht und Vernachlässigung des Kindes entzogen worden.