Eine Frau zündet in Volkmarsen eine Kerze an in Erinnerung an die Attacke.

Am Rosenmontag raste ein 29-Jähriger mit dem Auto im nordhessischen Volkmarsen in den Karnevalsumzug. Viele Menschen wurden verletzt. Doch die Aufarbeitung gestaltet sich schwierig.

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Einen Monat nach der Gewalttat am Rosenmontag mit vielen Dutzenden an Verletzten in Volkmarsen dauert die Bewältigung der Ereignisse an - erschwert durch die Corona-Krise. "Es ist noch eine gewisse Schockstarre und Unsicherheit da", sagt Bürgermeister Hartmut Linnekugel (parteilos). "Die Menschen sind schon noch entsetzt, aber man ist nun in der Zeit der Aufarbeitung dieser Ereignisse."

Dabei machen sich alleine schon die Abstandsregeln in der Corona-Krise bemerkbar: Geplante Angebote wie Gesprächskreise mussten gestrichen werden, wie der katholische Pfarrer Martin Fischer berichtet. Die Tat sei immer noch in der nordhessischen Kleinstadt präsent, das Thema Coronavirus überlagere es aber. Spätestens mit der nächsten Karnevalszeit werde das Geschehen wohl wieder präsenter, vermutet der Priester.

154 Betroffene haben sich gemeldet

Während des Rosenmontagsumzugs in Volkmarsen vor vier Wochen war ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. Der Fahrer, ein 29-jähriger Deutscher, soll dies absichtlich getan haben. Dutzende Menschen wurden verletzt, darunter viele Kinder.

Die Zahl der Betroffenen stieg immer weiter, zuletzt auf 154. Nach Angaben der Ermittler hatten sich nachträglich weitere Betroffene gemeldet, die beispielsweise unter psychischen Problemen litten. Bürgermeister Linnekugel zufolge liegen noch zwei Verletzte auf der Intensivstation, die Kinder seien aus den Krankenhäusern entlassen worden und auf einem guten Weg.

Der Verdächtige sitzt unter anderem wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft. Der Mann schweige weiterhin zu den Vorwürfen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte. Hinweise auf eine politische Motivation für die Tat haben die Ermittler den Angaben zufolge nicht.

"Nicht nachlassen, auch künftig Karneval zu feiern"

Das Geschehen sei sicherlich ein Einschnitt im kulturellen und gesellschaftlichen Leben, sagt Bürgermeister Linnekugel. Den Menschen werde vielschichtige Hilfe angeboten und beispielsweise an Experten oder Fachstellen vermittelt, von daher "sind wir auf einem guten Weg".

Und auch Linnekugel blickt in die Zukunft: Man wolle "nicht nachlassen, weiter zusammenzufinden, auch künftig Karneval zu feiern - egal in welcher Form." Die Menschen würden sich allerdings wünschen, dass sich der mutmaßliche Täter zu seinem Motiv äußert - und dass das Strafverfahren gegen ihn möglichst rasch beginnt.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 24.03.2020, 16.45 Uhr