Zwei Frauen gehen mit Regenschirmen in Frankfurt am Mainufer entlang.

In den kommenden Tagen fällt in Hessen wieder einiges an Wasser vom Himmel. Schlechtes Wetter? Nicht für Bäume und (noch) nicht für Bauern.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Experte: "Die Ausgangssituation ist günstiger"

Spaziergänger bei Wind und Nieselregen in Willingen.
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Es ist nass in Hessen, und das ist gut so - zumindest für Wald und Flur. Nach zwei ausgesprochen trockenen Sommer in den beiden vergangenen Jahren waren die Grundwasserreserven aufgebraucht, die Wälder vertrocknet. Der Lichstreif am Horizont hat paradoxerweise die Form dunkler Regenwolken.

Der Februar war sehr nass, und auch im März regnete es bislang ordentlich. Das hat die Grundwasserspeicher wieder aufgefüllt. "Wir haben an zwei Dritteln der rund 900 Messstellen wieder durchschnittliche bis überdurchschnittliche Pegel", weiß Hydrologe Mario Hergesell vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) zu berichten. "Wenn es normal weitergeht, dann haben wir eine günstigere Ausgangssituation für den Sommer als im letzten Jahr."

Viel Regen in den nächsten Tagen

Die kommenden Tage schüttet es regelrecht. "Bis Mittwochabend regnet es verbreitet in Hessen", lautet die Vorhersage von hr-Meteorologe Mark Eisenmann. Vor allem in Mittel- und Osthessen ist den Experten zufolge mit Dauerregen und Niederschlagsmengen von bis zu 60 Litern pro Quadratmeter zu rechnen.

Am Donnerstag lassen die Niederschläge etwas nach, aber Schirm und Regencape gehören bei Spaziergängen weiter zur Grundausstattung. Hochwassersorgen muss man sich laut Eisenmann nicht machen. "Kleinere Bäche und Flüsse könnten Hochwasser führen, aber das wird nicht dramatisch." Der Freitag bringt dann Schauerwetter, sodass Regen nur noch örtlich und zeitweise fällt.

Trockene Sommer setzten Wäldern zu

So trübe die Aussichten dem einen oder anderen vielleicht erscheinen mögen, das Land hat das Wasser dringend nötig. Denn schon nach dem heißen und trockenen Sommer 2018 waren die Böden ausgetrocknet, die Wälder verdörrt. Die Grundwasserbildung im folgenden Winterhalbjahr blieb dürftig, sodass der ebenfalls sehr trockene Sommer 2019 den Wäldern den Rest gab.

Die Waldbesitzer hatten enorme Schäden durch die Trockenheit und den dadurch gestiegenen Schädlingsbefall durch den Borkenkäfer zu beklagen. Christian Raupach, geschäftsführender Direktor des Landes-Waldbesitzerverbandes, bezifferte den Vermögensverlust für die hessische Forstwirtschaft auf bis zu eine Milliarde Euro.

Waldbesitzer: "Es wird ein Wettlauf"

Für Raupach ist die aktuelle Feuchtigkeit ein Segen. "Die Voraussetzungen für eine Regeneration sind gut." Dennoch sei der Druck durch den Borkenkäfer auf die Wälder nach wie vor massiv. "Wir machen seit zwei Jahren Krisenmanagement."

Ein weiterer trockener Sommer würde für viele Familienbetriebe das Aus bedeuten, befürchtet Raupach. Die aufgefüllten Wasserspeicher seien aber schon mal ein gutes Zeichen. "Wenn wir Glück haben, kann es sein, dass wir Ende des Jahres über den Berg sind."

Landwirte: Regen ist gut, aber...

Die Landwirte sehen die aktuelle Situation mit einem lachenden und einem weinenden Auge. "Wenn jetzt die Vegetation beginnt, können die Pflanzen aus dem Vollen schöpfen", sagt Bernd Weber, Sprecher des Landesbauernverbands. "Das ist gut. Das war vor einem Jahr anders."

Andererseits müssten die Bauern jetzt aber den Dünger ausbringen und das Sommergetreide aussähen. Und das geht auf den nassen Böden schlecht. "Viele Felder stehen unter Wasser", beklagt Weber. Darum werde es Zeit, dass die Äcker jetzt abtrockneten.

Klimawandel bringt trockene Sommer und feuchte Winter

Und was bringt die Zukunft? Langfristig ändern sich durch den Klimawandel die hydrologischen Prozesse. Experte Hergesell erwartet für die kommenden Jahre häufiger trockene Sommer, auf der anderen Seite aber auch feuchtere Winter. "Wie sich das unter dem Strich ausgleicht oder auch nicht, können wir auf längere Sicht noch nicht sagen."

Sendung: hr3, 10.03.2020, 8.53 Uhr