Eine Frau betritt ein Modegeschäft in Alsfeld.

Vor wenigen Tagen hatte die Modellkommune Alsfeld die Läden geöffnet, jetzt ist damit wieder Schluss. Schuld daran sind hohe Inzidenzwerte. Der Bürgermeister bedauert das Ende des Projekts.

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Als erste der drei hessischen Modellkommunen hatte Alsfeld (Vogelsberg) am vergangenen Donnerstag kleine Lockerungen in der Pandemie gewagt. Einzelhändler durften ihre Geschäfte wieder öffnen, zumindest für Kundinnen und Kunden mit einem negativen Schnelltest. Doch nun müssen die Läden wieder schließen.

"Leider lässt das kreisweite, allgemeine Pandemiegeschehen eine Fortsetzung des Projektes nicht zu, da auch am Freitag die Kreisinzidenz nach den vorliegenden Ergebnissen des Gesundheitsamtes zum dritten Mal in Folge über 200 liegen wird", begründete Bürgermeister Stephan Paule (CDU) am Donnerstag den Schritt.

Donnerstag letzter Einkaufs-Tag

Das Land hatte vorab mehrere Abbruchkriterien definiert - darunter auch eine Sieben-Tage-Inzidenz von über 200 im Landkreis an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Diese Marke hat der Vogelsbergkreis am Donnerstag zum zweiten Mal gerissen. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) lag sie bei 236,6 (Stand 0 Uhr). Am Mittwoch hatte der Wert bei 217,7 gelegen.

Ab Freitag dürfen die teilnehmenden Geschäfte also nicht mehr öffnen. Davon, am dritten Tag mit einer so hohen Inzidenz noch zum Shoppen zu öffnen, hält Paule nichts, wie er schon am Mittwoch auf einer Pressekonferenz ankündigte: "Man könnte natürlich sagen, man nutzt es bis zum letztmöglichen Datum aus. Aber wir haben ein besonderes Augenmerk darauf, dass die Menschen, die in die Innenstadt kommen, sich sicher fühlen müssen."

Noch ist offen, ob das Projekt vollständig abgebrochen werden muss oder nach einer Pause und stabilen Inzidenzwerten von unter 200 wieder aufgenommen werden kann. Das werde man am Freitag gemeinsam mit dem Land besprechen, kündigte Paule an.

26 positive Tests

Paule hatte schon im Vorfeld der Entscheidung sein Bedauern über den sich anbahnenden Stopp des Modellprojekts geäußert. Bisher sei das Angebot gut angenommen worden, die Menschen hätten die Stadt auch nicht überrannt. Es habe auch keinerlei Hinweis auf Infektionen im Zusammenhang mit dem Projekt gegeben.

Insgesamt 38 Einzelhändler hatten sich nach Angaben des Bürgermeisters an dem Modellprojekt beteiligt, sie registrierten insgesamt rund 1.100 Kundenkontakte allein in den drei Tagen nach dem Start am vergangenen Donnerstag.

Von den rund 3.200 Corona-Schnelltests, die in den Testzentren in der Stadt gemacht wurden, fielen laut Paule 26 positiv aus. Die Infektionen hätten sich in diesen Fällen im PCR-Test bestätigt. Bisher habe es keine Hinweise darauf gegeben, dass sich Menschen beim Einkaufen infiziert hätten.

Baunatal hat geöffnet, Dieburg wartet

Neben Alsfeld hatte das Land noch zwei weitere Modellkommunen aus rund 100 Bewerbungen ausgewählt. In Baunatal (Kassel) sind seit Montag die Geschäfte und die Außengastronomie geöffnet. Am Donnerstag soll auch das Kino wieder Besucher empfangen können. Das Angebot gilt zunächst aber nur für Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt. Sie müssen einen negativen Schnelltest vorweisen können oder vollständig geimpft sein. Die Inzidenz im Kreis lag am Mittwoch nach Angaben des RKI bei 132,6.

Dieburg hatte sich nach anfänglichen Zweifeln zwar prinzipiell für die Teilnahme am Modellprojekt entschieden. Gleichzeitig teilte die südhessische Stadt aber auch mit, dass die derzeitige pandemische Lage keinen direkten Start erlaube. Ein Termin für die ersten Öffnungen in Einzelhandel und Gastronomie steht noch nicht fest. Am Mittwoch wies der Kreis Darmstadt-Dieburg laut RKI eine Inzidenz von 114,8 auf. Nach den Vorgaben des Landes müssen alle Modellversuche am 30. April enden.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 15.04.2021, 19.30 Uhr