Razzia NRW

Bei einer Razzia in zahlreichen Ländern hat die Polizei in Hessen mehr als 60 Verdächtige festgenommen. Ihnen wird Waffen- und Drogenhandel im großen Stil vorgeworfen. Hessen war in Deutschland Schwerpunkt der europaweiten Ermittlungen.

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hs 19:30 08.06.2021 Thumbnail
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Nach den Razzien gegen das Organisierte Verbrechen sind mehrere Tatverdächtige in Untersuchungshaft. "Die Gerichte sind uns in allen Anträgen gefolgt", sagte Oberstaatsanwalt Benjamin Krause von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität bei der Generalstaatsanwaltschaft (ZIT) Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Bei der europaweit angelegten Razzia am Montag hatte die Polizei in Hessen mehr als 60 Tatverdächtige festgenommen. Das gab die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag bekannt. Ihnen wird Waffen- und Drogenhandel über sogenannte Kryptonetzwerke vorgeworfen. Hessen war dabei in Deutschland der Schwerpunkt der Maßnahmen, wie es in der Mitteilung weiter heißt. Ausgangspunkt war demnach die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Deutschlandweit wurden insgesamt über 150 Objekte durchsucht und mehr als 70 Personen festgenommen.

Ein Ermittlungsverfahren richtet sich laut Staatsanwaltschaft gegen eine Gruppierung aus dem Main-Kinzig-Kreis mit derzeit insgesamt 19 Beschuldigten im Alter von 25 bis 37 Jahren. Sie stehen unter anderem im Verdacht, bandenmäßig mit Betäubungsmitteln Handel getrieben zu haben. Insgesamt wurden in diesem Zusammenhang mehr als 30 Objekte in Frankfurt, Hanau, Friedberg, Offenbach, Mainz und Krefeld sowie in den Kreisen Main-Kinzig, Wetterau, Hochtaunus, Main-Taunus, Darmstadt-Dieburg und Bergstraße durchsucht.

Fast 1.500 Einsatzkräfte bei Razzia

Ein anderes Verfahren betrifft eine Gruppe aus dem Rhein-Main-Gebiet mit insgesamt 16 Beschuldigten im Alter von 24 bis 46 Jahren. Auch ihnen wird Betäubungsmittel-Vertrieb im großen Stil vorgeworfen. Bei ihnen wurden etwa 50 Gebäude in Frankfurt, Wiesbaden, Kassel sowie im Hochtaunuskreis und im Main-Taunus-Kreis untersucht.

Insgesamt waren an dem Einsatz am Montag fast 1.500 Einsatzkräfte beteiligt. "Das zeigt die Dimension dieses Einsatzes", so Oberstaatsanwalt Benjamin Krause am Dienstag. Beschlagnahmt wurden dabei 120 Kilogramm Marihuana, 25 Kilogramm Haschisch, über 6.000 Cannabis-Pflanzen, 3 Kilogramm Heroin, etwa ein Kilogramm Kokain, 100 Kilogramm Streckmittel, über 30 Kilogramm Amphetamine, 15 Kanister Amphetaminbase sowie über 20 Waffen und mehrere Schusswaffen.

"Bedeutender und nachhaltiger Schlag"

"Diese konzertierte Aktion ist ein bedeutender und nachhaltiger Schlag gegen die Schwere und Organisierte Kriminalität in Deutschland und weltweit", erklärte Innenminister Peter Beuth (CDU). "Den Sicherheitsbehörden ist es mit den großangelegten Maßnahmen gelungen, Licht in das Dunkel krimineller Netzwerke, deren Vorgehen und Taten zu bringen."

Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) war "froh und dankbar, dass wir in Hessen mit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität eine schlagkräftige Ermittlungseinheit haben, die über das notwendige Können und die Netzwerke verfügt, um auch diese Taten aufzuklären".

Dabei seien nicht nur die sogenannten kleinen Fische aufgespürt worden, so Oberstaatsanwalt Krause. "Gerade durch die unverschlüsselte Kommunikation war es möglich, die Strukturen auch nach oben hin aufzuklären." Zu einzelnen Beschuldigten wollte Krause jedoch keine Angaben machen.

Präparierte Telefone eingeschleust

Weltweit wurden nach Angaben von Europol mehr als 800 Verdächtige in über 100 Ländern festgenommen. Es sei eine der bislang größten Polizei-Operationen gewesen, teilte Europol am Dienstag in Den Haag mit. Mehr als 700 Häuser seien durchsucht worden, Tonnen an Drogen beschlagnahmt und große Mengen an Bargeld, Juwelen und Waffen sichergestellt worden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Mehr als 60 Festnahmen bei Razzia in ganz Hessen

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Über 18 Monate lang hatten die Ermittler nach eigenen Angaben Telefongespräche und andere Kommunikation der Banden abgehört. Mehr als 27 Millionen Nachrichten seien gefiltert worden. Der Schlag war gelungen, da Undercover-Beamte präparierte Telefone in mehr als 300 Banden eingeschleust hatten, auch bei Mafia-Banden in Italien, Motor-Gangs und internationalen Drogen-Syndikaten. Die Telefone, die angeblich verschlüsselt sein sollten, waren aber nach Europol-Angaben mit einem Telekom-Netzwerk verbunden, das vom FBI eingerichtet worden war.

Operation "Trojan Shield"

"Dies war einer der größten und ausgeklügeltsten Einsätze überhaupt", sagte der stellvertretende Europol-Direktor Jean-Philippe Lecouffe in Den Haag. Die Operation "Trojan Shield" (Trojanischer Schild) stand unter Leitung des amerikanischen FBI, der US-Drogenbehörde FDA, der Polizei von Schweden und der Niederlande und war von Europol koordiniert worden. Ermittler in 16 Ländern seien beteiligt gewesen, darunter auch in Deutschland.

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