Laub liegt in einem Waldstück zwischen den Bäumen.

Durch seit Wochen ausbleibenden Regen ist die Waldbrandgefahr gestiegen, in Teilen Südhessens gilt die höchste Warnstufe. Am Dienstag gab es mehrere Feuer. Die Trockenheit macht auch den Bauern zu schaffen.

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Wegen des anhaltendend trockenen Wetters besteht besonders in den Wäldern Südhessens die Gefahr, dass sich trockenes Laub und Reisig entzünden. Der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigt für Hessen durchweg die Stufe 3, in Teilen des Rhein-Main-Gebiets und Südhessens Stufe 4 und sogar die höchste Stufe 5.

Spaziergänger im Wald sollen aufmerksam sein

Der sogenannte Graslandfeuerindex stand in ganz Hessen am Dienstag auf der zweithöchsten Stufe 4. Der Index steht für die witterungsbedingte Feuergefährdung von offenem, nicht abgeschattetem Gelände mit abgestorbener Wildgrasauflage ohne grünen Unterwuchs.

Angesichts der Brandgefahr hatte das Umweltministerium Spaziergänger und Radfahrer bereits vor zwei Wochen zu erhöhter Vorsicht und Aufmerksamkeit aufgerufen. Im Jahr 2019 kam es nach Ministeriumsangaben in Hessen zu insgesamt 84 Waldbränden.

Mehrere Brände am Dienstag

Am Dienstag brannte es unterhalb des Schlosses Freudenberg in Wiesbaden. Passanten hatten das Feuer bemerkt. Als die Feuerwehr eintraf, hatten sich die Flammen bereits auf 400 Quadratmetern ausgebreitet. Mithilfe mehrerer Löschfahrzeuge hatten die Einsatzkräfte den Brand schnell unter Kontrolle.

Ebenso schnell konnte die Feuerwehr einen Waldbrand bei Stadtallendorf (Marburg-Biedenkopf) löschen. Die genaue Ursache ist unklar. Einige kleinere Brände wurden außerdem aus Südosthessen gemeldet.

Nur 1,6 Liter Regen im April

Schon seit Mitte März hat es kaum Regen gegeben. Das hat sich im April nicht gebessert. In Frankfurt fielen in den ersten 20 April-Tagen gerade einmal 1,6 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, wie hr-Meteorologe Michael Köckritz am Dienstag sagte. Das entspricht gerade einmal 3,6 Prozent des Mittels aus den Jahren 1961 bis 1990.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dürre macht Bauern zu schaffen

Staub wirbelt auf, während ein Bauer ein Feld bearbeitet.
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In Nordhessen fiel mehr Regen, aber auch nicht genug. In Kaufungen (Kassel) wurden bis Montag 11,4 Liter registriert, gemessen am 30-Jahre-Mittel entspricht das 20 Prozent.

Kein Niederschlag vorhergesagt

Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt derzeit, dass sowohl der Oberboden (bis 25 Zentimeter Tiefe) als auch die Erde in 1,8 Meter Tiefe in vielen Teilen Hessens ungewöhnlich trocken ist.

Regen ist weiter nicht in Sicht. Bis einschließlich Freitag ist kein Niederschlag vorhergesagt. Auch am Wochenende bleibt es wahrscheinlich fast überall trocken, wie Meteorologe Köckritz weiter sagte.

Beregnungsanlagen laufen rund um die Uhr

Für die Bauern wird der ausbleibende Niederschlag zunehmend zum Problem. Wann seine Felder im Groß-Gerauer Stadtteil Wallerstädten das letzte Mal starken Regen gesehen haben, weiß Landwirt Andreas Senckenberg schon gar nicht mehr. Die Beregnungsanlagen auf den Feldern laufen deshalb bei ihm rund um die Uhr. Das sei im April ungewöhnlich.

Bauer auf Feld mit Beregnungsanlage

Welche Felder der Landwirt wann und wie häufig bewässert, bedarf genauer Planung. Denn Auf- und Abbau der Beregnungsmaschinen ist aufwendig und die Beregnung selbst ist mit Kosten verbunden, wie Senckenberg sagt. Auf einen Quadratmeter bringt er 30 Liter aus. Senckenberg rechnet vor, dass es ihn rund 100 Euro kostet, einen Hektar einmal zu beregnen. Rund 220 Hektar Land gehören zu seinem Hof.

"Irgendwann fehlt das Futter für die Kühe"

Beregnung lohnt sich nach Angaben des Hessischen Bauernverbands nur für Pflanzenkulturen, mit denen gut verdient werden kann, beispielsweise Erdbeeren und Spargel. Um den weniger ertragreichen Raps steht es dem Verband zufolge schlecht. "Regnet es nicht innerhalb der nächsten zwei Wochen stark, dann ist es zu spät", sagte Bauernverbands-Generalsekretär Peter Voss-Fels. Ähnliches könne der Gerste und dem Weizen drohen. "Wenn die Extreme so zunehmen, dass wir gar keinen Niederschlag mehr bekommen und der Rasen nicht mehr wächst, fehlt irgendwann das Futter für die Kühe", sagte Voss-Fels. "Und dann entsteht schon eine Notlage."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 21.04.2020, 19.30 Uhr