Bildcollage: Försterin Carolin Pfaff - Wegweiser mit Wanderwegen im Taunus

Selten zuvor waren so viele Wanderer in der Natur unterwegs wie jetzt, wo Corona das Freizeitangebot und die Kontaktmöglichkeiten ausdünnt. Das hat Folgen - gute und schlechte. Wie man sich im Wald ordentlich verhält, und Routen abseits der Hotspots findet, erklärt Försterin Carolin Pfaff.

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zum Video Lust und Frust beim Wandern

hessenschau vom 30.01.2021
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Carolin Pfaff ist Försterin und arbeitet im Naturpark Taunus, dem zweitgrößten Naturpark in Hessen. Seit Corona präsent ist, hat die 26-Jährige viel zu tun. Gefühlt seien zehnmal so viele Besucher im Taunus unterwegs wie üblich. "Seit März gibt es einen Wandertrend. Vom routinierten Langstreckenwanderer bis zur jungen Familie ist alles dabei."

Dass viele ihre Heimat jetzt wieder neu entdecken, findet Pfaff gut. Teilweise sei es aber zu viel: "Man hat es in den letzten Wochen rund um den Feldberg gesehen, alle strömen hier hin." Die Region verkrafte diese Mengen an Personen an einer Stelle zu einem Zeitpunkt jedoch nicht.

Müll und Fäkalien sind ein großes Problem

Das größte Problem: Müll und Fäkalien. "Die Wanderer verrichten ihre Notdurft teilweise dort, wo sie ankommen", berichtet Pfaff. Das sei für Wildtiere wirklich schlimm. "Für alle Waldarbeiter, Försterkollegen und andere, die eventuell reintreten, natürlich auch."

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Interesse an Wanderwegen gestiegen

Wanderverbände zeigen sich aufgrund des Wanderbooms optimistisch. Der Wanderverband Hessen will demnächst die Zahlen seiner zwölf Mitgliedsvereine auswerten. Zuletzt hatten die hessischen Wandervereine rund 40.000 Mitglieder. Bei einer nichtrepräsentativen Branchenbefragung hatten laut Deutschem Wanderverband (DWV) 62 Prozent der Befragten angegeben, dass 2020 das Interesse an Wanderwegen im Vergleich zum Vorjahr angestiegen sei. Ursache sei die Corona-Pandemie.

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Beim Gang durch den Wald findet die Försterin und stellvertretende Geschäftsstellenleiterin des Naturparks Taunus volle Windeln und allerlei Verpackungen. "Das ist im Moment leider sehr häufig und es sind Dinge, die nicht in den Wald gehören." Auch Teile von Plastikschlitten liegen herum: "Die sind von einem Schlittenausflug im Januar mit viel Schnee im Taunus. Das sind die Überbleibsel."

Faustregel: Benehmen wie im eigenen Garten

Carolin Pfaff ist vom rücksichtslosen Verhalten einiger Wanderer genervt. "Manche gehen in Forstkulturen rein und laufen abseits der Wege." Die Folge: Viele kleine Pflanzen, die jetzt für die Wiederbewaldung wichtig sind, werden plattgetrampelt oder von Schlitten plattgefahren. "Das ist ein ganz großes Problem für den Wald."

Dabei sei es eigentlich ganz einfach, sich richtig zu verhalten. Die Grundregel: "So verhalten, als ob man im eigenen Garten wäre." Also, bitte keinen Müll liegen lassen, keine Notdurft im Wald verrichten und auf den Wanderwegen bleiben. Davon gebe es im Taunus schließlich genug: "Bitte nicht links und rechts in den Bestand gehen, hier wachsen kleine Bäume, hier leben Tiere. Wenn dort die Leute rumlaufen, rodeln, die Hunde herumrennen, dann ist das eine unheimliche Störung für das Ökosystem."

Routen abseits der Hotspots

Dass die Wanderwege im Taunus derzeit deutlich besser freqentiert sind als vor Corona, findet Carolin Pfaff aber grundsätzlich schön. "Es gibt bestimmt einige, die diese Freude am Wandern auch danach beibehalten", hofft die Försterin. Die Wanderer müssten ihr Verhalten nur an die Natur anpassen. Und Routen abseits der gängigen Hotspots suchen. Zum Beispiel mit Online-Wanderführern: "Es gibt sie zum Beispiel vom Taunus Touristik Service und vom Naturpark Taunus."

Auch für Menschen, die sich gerade erst kennenlernen, ist eine Wanderung ideal. Jutta aus Trebur und Andreas aus Frankfurt haben sich über die Online-Plattform Wanderdate.de verabredet. "Das ist unkompliziert und man hat auch nicht so eine Situation wie bei einem normalen Date in einem Restaurant, wo man sich gegenübersitzt. Man kann entspannt durch die Natur laufen und sich ein bisschen beschnuppern", sagt Andreas. Jutta pflichtet ihm bei: "Im Wald ist einfach Entspannung da. Ich muss nichts weiter tun als laufen und lerne auch noch nette Leute kennen."

Fazit zum Wanderboom in Hessens Wäldern: Mit ein paar Regeln finden alle im Wald und in der Natur Erholung, Entspannung und vielleicht sogar die große Liebe.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 30.01.2021, 19.30 Uhr