Das gerissene Kalb auf einer Weide bei Ulrichstein

Im Vogelsberg ist ein fünf Wochen altes Kalb einem Raubtier zum Opfer gefallen. Der Besitzer ist sich sicher, dass ein Wolf das junge Rind gerissen hat. Jetzt fordert er den Abschuss.

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Das Kalb gehörte zu dieser Rinderherde.
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Es war ein blutiger Anblick, der sich Anja Scharmann vom Ohmtalhof in Ulrichstein (Vogelsberg) bot: Beim täglichen Kontrollgang hat die Landwirtin am Dienstag ein totes Kalb auf der Weide gefunden, am Hals wurde ein großes Stück herausgebissen. Das bestätigte ihr Vater Karl Wilhelm Scharmann dem hr am Donnerstag. Die Familie ist sich sicher: Das war ein Wolf!

"Meine Tochter hat das tote Tier am Dienstag gegen 16 Uhr gefunden", sagte Bauer Scharmann, "da war die Wunde noch ganz frisch." Die anderen Tiere aus der Charolais-Herde seien ganz aufgeregt gewesen und umhergesprungen.

DNA-Probe soll Aufschluss geben

Ob das etwa fünf Wochen alte Kalb tatsächlich einem Wolf zum Opfer fiel, ist noch unklar. Eine DNA-Untersuchung im Labor des Hessischen Landesamts für Umwelt (HLNUG) in Gießen soll Aufschluss geben. Das kann nach Informationen des Umweltministeriums jedoch bis zu drei Wochen dauern, wie eine Sprecherin sagte.

Landwirt Scharmann hat allerdings keine Zweifel: "Seit Monaten streift der Wolf hier durch die Gegend." Tatsächlich wurde erst Mitte Mai ein Wolf in Ulrichstein gesehen, die Sichtung ist amtlich bestätigt.

Am 12.05.2019 wurde dieser Wolf bei Ulrichstein fotografiert.

Für Landwirte sei es extrem schwer, sich gegen solch ein Raubtier zu schützen. "Die Tiere müssen raus auf die Weide", so Scharmann, "da gibt es keine andere Möglichkeit". Für die Bauern geht es um bares Geld: Das tote Kalb habe laut Scharmann einen Wert von etwa 500 Euro gehabt.

"Der Wolf muss weg!"

Um weitere Verluste zu vermeiden, gibt es für den Besitzer des Ohmtalhofs nur eine Lösung: "Der Wolf muss weg." Und wie das geschehen sollte, weiß er auch: "Die sollen ihn erschießen!"

Mit "Die" meint er sicher die am Darmstädter Regierungspräsidium ansässige Obere Naturschutzbehörde (ONB), die im Extremfall einen Jäger mit dem Abschuss eines Wolfs beauftragen kann.

Doch dazu müssen ganz bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, denn grundsätzlich steht der Wolf unter Naturschutz. Wann ein Wolf geschossen werden darf, regelt das Bundesnaturschutzgesetz. Das wird aktuell jedoch novelliert. So soll es künftig einfacher sein, die Raubtiere in einer Region abzuschießen.

Abschuss soll einfacher werden

Der Abschuss von Wölfen soll laut des Gesetzentwurfs von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) auch dann möglich sein, wenn unklar ist, welches Tier etwa eine Schafherde angefriffen hat. Es können so lange Wölfe geschossen werden, bis es keine Schäden mehr gibt, auch wenn damit ein ganzes Wolfsrudel getötet wird.

Für geschädigte Landwirte bietet das Land Hessen laut Umweltministerium zudem Entschädigungen an. Außerdem könnten Bauern im Falle einer Wolfsattacke Fördermittel zur Sicherung ihrer Tiere beantragen - etwa zum Errichten zusätzlicher Zäune.