Rotmilan

Der Rotmilan wird nun auch auch im Winter häufiger in der Rhön gesichtet. Der Greifvogel verzichtet auf den Abflug gen Süden. Vogel-Experten erkennen einen Trend, auch bei anderen Vögeln.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rotmilan überwintert zunehmend hierzulande

Die Nahaufnahme eines Rotmilan-Kopfes
Ende des Audiobeitrags

Der Rotmilan ist ein imposanter Greifvogel. Er steht auf der Liste der gefährdeten Tierarten. Doch in der Rhön fühlt er sich wohl. In dem Mittelgebirge im Dreiländereck von Hessen, Bayern und Thüringen leben mehr als 350 Brutpaare. Damit ist ist die Rhön eines der Hauptbrutgebiete des Rotmilans in Deutschland.

Erstaunlich: Aktuell wird der Vogel trotz des Winters immer noch vermehrt in der Region gesichtet. Dabei müsste er sich längst in wärmer gelegene Winterresidenzen in Spanien oder Südfrankreich aufgemacht haben. Doch der Rotmilan - Markenzeichen: gegabelter Schwanz - spart sich immer öfter die Reise in den Süden.

Klimawandel sorgt für Flug-Verzicht in den Süden

Der Rotmilan versucht sich nicht selten trotz der unwirtlichen Jahreszeit in Deutschland und im übrigen Mitteleuropa durchzuschlagen, unter anderem im hiesigen Mittelgebirge, wie das Biosphärenreservat Rhön berichtete: "Bedingt durch den Klimawandel und die vergleichsweise milden Winter der vergangenen Jahre scheinen immer mehr Rotmilane auf den kräftezehrenden Flug ins Winterquartier zu verzichten."

Vogel-Experten verfolgen diese neuen Entwicklungen mit großem Interesse. "Das ist ein nennenswerter Trend. Die Beobachtungen in der Rhön passen ins Bild. Betroffen sind aber noch weitere Vogelarten, die normalerweise im Süden überwintern", erläuterte der Biologe und Vogelkundler Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON).

Auch stramme Minusgrade sind kein Problem

Die Erklärung ist leicht: Der Klimawandel veranlasst den Rotmilan zunehmend daheim zu bleiben und in der Nähe seiner favorisierten Nistplätze zu verweilen. Da macht ihm auch die Winterkälte nicht viel aus. Sein Federkleid hält ihn schön warm. "Auch minus 20 Grad sind da kein Problem", sagt Stübing. Für den Rotmilan sei wichtiger, dass er immer genug zu fressen findet. Mäuse und Aas zum Beispiel.

Das Biosphärenreservat will das Überwintern des Rotmilans nachhalten, weil Daten und Erkenntnisse dazu nur in geringem Umfang vorliegen. Deswegen ruft die Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön Vogelfreunde dazu auf, Rotmilan-Sichtungen und gegebenenfalls auch Schlafplätze zu melden.

Schlafplätze untersucht

Den Fachleuten der hessischen Ornithologen-Gesellschaft liegen mehr Daten vor. Und diese stützen die Beobachtungen: Im vergangenen Winter seien 92 Schlafplätze der Rotmilane in Deutschland untersucht worden. Und siehe da: 62 davon waren besetzt. Mehr als 1.100 Vögel wurden dabei gezählt. Der Vorteil bei diesem Check: "Der Rotmilan ist ein geselliger Vogel, der sich gern an gemeinschaftlichen Schlafplätzen sammelt", weiß Vogel-Experte Stübing.

Normal wäre ein Abflug des Rotmilans zwischen September und November. "Manche bleiben auch bis Januar, wenn sie genug Mäuse finden", erklärt Stübing. In der Regel kehren sie dann ab Ende Februar zurück aus dem Domizil im Süden.

Die Tendenz zum Überwintern in Deutschland ist auch beim Weißstorch zu sehen. "Auch er verkürzt seit Jahren seinen Zug", sagt Stübing. Zuletzt seien über 200 Störche in Hessen geblieben. Auch beim Kranich gehe der Wegzug immer später vonstatten. "Und Starr und Ringeltaube sind allgegenwärtige Wintervögel geworden. Vor Jahrzehnten waren sie richtige Zugvögel. Nun bleibt der Großteil der Population hier."

"In Spanien wäre er besser aufgehoben"

Doch Stübing beobachtet das Treiben des Rotmilans auch mit etwas Sorge. "In Spanien wäre er eigentlich besser aufgehoben. Die paar Tage Flugzeit sind auch nicht solch ein riesiger Aufwand." Ist der Rotmilan etwa faul geworden? "Damit hat es nichts zu tun. Er geht dieses Risiko bewusst ein, um sich in seinem Gebiet stärker vermehren zu können. Und wer das schafft, hat bei der Evolution gewonnen."

Stübing ruft dazu auf, dass sich jeder an Vogelbeobachtungen beteiligen kann und seine Sichtungen auf der Seite ornitho.de eintragen kann.

Weitere Informationen

Waldrandlage bevorzugt

In Deutschland gibt es nach Experten-Schätzungen etwa 15.000 Brutpaare der Rotmilane. Die Greifvögel werden auch Gabelweihe genannt und kommen neben Hessen auch besonders in Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern vor. Mehr als 50 Prozent aller Paare brüten in Deutschland. Die Vogelart kommt nur in Europa vor. Die Tiere jagen auf freiem Feld und brüten gerne in Waldrandlagen.

Ende der weiteren Informationen

Sendung: hr4, 03.02.2021, 06.30 Uhr