Polizisten ziehen einen verrosteten Jaguar aus dem Main bei Kelsterbach.

Immer wieder werden in Rhein und Main Autos entdeckt, zuletzt an diesem Dienstag. Doch nicht alle werden sofort geborgen - oft bleiben sie einfach in den Flüssen liegen, und zwar ganz bewusst.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Autos in hessischen Flüssen - wie die Polizei damit umgeht

Ein Boot der hessischen Wasserschutzpolizei auf dem Main.
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Als zwei Stand-Up-Paddler am Dienstagabend bei Maintal-Dörnigheim (Main-Kinzig) ein Auto im Main entdeckten, riefen sie die Polizei. Die kam zusammen mit der Feuerwehr. Die Einsatzkräfte sahen sich das Wrack an und stellten fest: Kennen wir schon, lassen wir liegen.

Denn nicht alle Autos, die in hessischen Gewässern liegen, werden automatisch geborgen. Das berichtet Stefan Rieger, Sprecher des Bereitschaftspolizeipräsidiums, bei dem unter anderem auch die Wasserschutzpolizei angesiedelt ist. "Es wird immer geschaut: Besteht eine Gefahr für die Schifffahrt oder die Umwelt? Sollte das so sein, dann wird eine Bergung veranlasst."

Aus Versehen vier Autos entdeckt

Polizei oder Feuerwehr untersuchen jedes gefundene Auto, anschließend geht eine Meldung an das Wasserschifffahrtsamt und die Untere Wasserschutzbehörde. Und wenn die zum Schluss kommen, dass eine Bergung kompliziert sein könnte, die Autos nicht in einer Fahrrinne für Schiffe liegen, sie nicht schnell rosten und auch keine gefährlichen Flüssigkeiten austreten, dann werden die Standorte auf einer Karte vermerkt und die Wagen liegen gelassen.

Und in regelmäßigen Abständen schaut die Polizei nach, ob sie noch an Ort und Stelle liegen, oder ob die Strömung sie weiter getragen hat. So kam es zum Beispiel auch, dass neulich bei einer Vermisstensuche bei Hanau vier Fahrzeuge entdeckt wurden - aber nicht das gesuchte, wie op-online berichtete.

Versunkene Autos sind oft keine Gefahr mehr

Der Grund ist: Viele Fahrzeuge liegen zum Teil schon sehr lange in den Gewässern. Wenn im Winter das Hochwasser kommt, werden die Autos mit Ablagerungen bedeckt, und unter anderem das macht die Bergung kompliziert. "Teilweise sehen wir von den Fahrzeugen nur noch das Dach", sagt Rieger. Gleichzeitig sorgt das Sediment dafür, dass kein Sauerstoff an die Fahrzeuge kommt, sie daher nicht rosten und so auch zunächst keine Gefahr darstellen.

Anders ist es, wenn die Einsatzkräfte sofort erfahren, dass das Auto im Wasser liegt, zum Beispiel bei einem Unfall, oder weil jemand vergisst, die Handbremse anzuziehen. Dann werden die Fahrzeuge sofort geborgen.

Aber viele der Autos in den Flüssen sind eben dort, weil jemand will, dass sie nicht gefunden werden - etwa, weil sie geklaut waren oder weil jemand die Gebühren für den Schrottplatz sparen wollte. Und dann kann es dauern, bis jemand sie entdeckt.

Wie viele Autos im Wasser liegen, verrät die Polizei nicht

Die allermeisten Unterwasser-Autos sind übrigens in den Bundeswasserstraßen Rhein und Main bekannt, sagt Rieger - was aber vielleicht auch daran liegen könnte, dass sie dort aufgrund der regen Schifffahrt einfach schneller gemeldet werden.

Wie viele Autos wo liegen, will Rieger allerdings nicht sagen: Zu groß sei die Gefahr, dass Menschen auf die Idee kommen könnten, danach zu suchen und sich dabei womöglich selbst in Gefahr bringen - oder dafür sorgen, dass die Autos in Bewegung geraten und am Ende doch noch gefährlich werden. Versunkene Autos seien aber "kein Massenaufkommen".

Für die Natur ist das eine gute Nachricht. Geht man davon aus, dass eine einfache Plastikflasche bis zu 5.000 Jahre braucht, um komplett in ihre Einzelteile zu zerfallen, ist kaum vorstellbar, wie lange die Autos im Main wohl noch die Umwelt beschäftigen - und alles andere, was dort so liegt.

Sendung: hr1, hr1 am Vormittag, 22.07.2020, 10.45 Uhr