Ein Schönheitschirurg setzt das Skalpell an einer zuvor markierten Stelle am Augenlid einer Patientin an

Schöner werden im Lockdown: Die Hose sitzt enger, die Nase wirkt schief in der Videokonferenz. Das Geschäft mit Schönheitsoperationen profitiert von der Corona-Zeit. Und Masken kaschieren schon mal OP-Folgen wie unschöne Schwellungen.

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Bei der Video-Schalte im Homeoffice sieht jeder auch sich selbst auf dem Bildschirm, nicht für alle ein angenehmer Anblick: Die Nase zu groß, hängt da ein Augenlid, warum sind die Lippen so dünn? Damit will sich anscheinend so mancher nicht abfinden. Während des Corona-Lockdowns entschieden sich mehr Patienten für eine Korrektur, sagt der Kasseler HNO-Arzt Stefan Maas, der sich auf plastische Nasenchirurgie spezialisiert hat.

Die Online-Präsenz verändere die Wahrnehmung: "Ich achte jetzt viel mehr auf mich, ich sehe mich viel mehr. Die Dinge, die mich schon immer gestört haben, sind so präsent geworden", erzähle ihm seine Kundschaft, berichtet Maas.

Nasen-Korrektur: "Corona war die perfekte Zeit"

Die Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) hatte schon im Juli vergangenen Jahres nach dem ersten Lockdown festgestellt, dass es eine Zunahme von Schönheitsoperationen gebe - besonders bei Lidstraffungen. Das ist der Part, auf den sich durch Masken vermehrt die Aufmerksamkeit richtet.

Anneta Seibel hat sich während Corona die Nase operieren lassen

Auch Anneta Seibel hat sich bei Maas unters Messer gelegt: "Corona war einfach die perfekte Zeit, ich hatte die Ruhe, mich auszukurieren", sagt die Studentin. Sie ließ sich operieren, um besser Luft zu bekommen und gleich noch einen störenden Höcker auf dem Nasenrücken loszuwerden. Zehn Monate ist der Eingriff mittlerweile her, er kostete die Studentin mehrere tausend Euro. Mit ihrer neuen Nase ist Seibel rundum zufrieden. "Sie war sofort schön und meine Erwartungen wurden übertroffen."

Schönheitschirurg: "Ein bisschen die Seele streicheln"

Der Trend lässt sich auch an Zahlen festmachen: Es gebe seit März 2020 rund 20 Prozent Umsatzsteigerung in der Branche, sagt der Kasseler Schönheitschirurg Magnus Noah. Kollegen aus den USA würden ihm ähnliche Zahlen nennen.

Die Folgen der OP ließen sich im Lockdown leichter kaschieren, die Angelegenheit passiere diskreter, sagt Noah. Die Gründe für die Entscheidungen seien dabei vielfältig: "Es ist auch ein bisschen die Seele streicheln", sagt er, nur eben mit dem Skalpell. Für manche sei auch entscheidend, dass in der Homeoffice-Zeit nun der Partner zu Hause ist und sich um einen kümmern kann.

Schönheitsoperation

Andere seien im Berufsleben so eingespannt gewesen, dass sie erst im Lockdown Zeit für sich selbst fänden. Ein Patient, der in der Gastronomie arbeitet und die Auszeit nutzte, um 30 Kilo abzuspecken, kam zu Noah, um sich die eher unangenehmen Folgen des schnellen Gewichtsverlusts wieder schöner operieren zu lassen. Die Nachfrage sei groß, "aber wir haben nur zwei Hände", sagt Noah.

Den Lockdown nutzen wie einen Schmetterlingskokon

Die Psychoanalytikerin Ada Borkenhagen ist Professorin in Magdeburg und forscht zu Körperoptimierung und Schönheitstrends. Manche würden den Lockdown nutzen wie einen Schmetterlingskokon: Sie versuchten, in der Homeoffice-Zeit an sich zu arbeiten, um dann schöner und selbstbewusster in die Lockdown-freie Phase zu starten, sagt sie.

Gerade die Deutschen gingen aber nicht gerne mit plastischen Eingriffen hausieren, sagt die Analytikerin. Natürlichkeit sei angesagt. "Nach Außen muss man es so darstellen, als hätte man das mit viel Wasser trinken, viel Schlaf und Gurkenscheiben gemacht". Da passt es wohl ganz gut, dass sich die Narben vom Fettabsaugen und Blutergüsse von einer Nasenkorrektur während der Pandemie unter Masken und zu Hause auf der Couch gut verbergen lassen.

Psychoanalytikerin: Jeder prüfe sich genau

Trotzdem solle jeder ganz genau darüber nachdenken, ob eine Schönheitsoperation wirklich nötig ist, rät die Psychoanalytikerin: "Geht es nur darum, etwas an mir zu verändern oder möchte ich eigentlich ein anderes Leben haben, eine andere Person sein?" fragt sie. Denn einen solchen Neuanfang könne keine Operation leisten, sagt Borkenhagen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 01.03.2021, 19.30 Uhr