Eine Frau wird beim Hausarzt gegen das Coronavirus geimpft.

Die vierte Corona-Welle rollt auch in Hessen, die Zahl der Infizierten und Kranken steigt. Impfschutz auffrischen lautet die Devise für Geimpfte. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Boostern.

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Seniorin bei Corona-Impfung
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Eine Übersicht über die stationären Impfangebote hat das Gesundheitministerium zusammengestellt. Sie finden die Übersicht hier.

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Je länger die Corona-Impfung zurückliegt, desto mehr lässt der Schutz vor dem Virus nach. "Man kann sich wahrscheinlich nach ungefähr drei Monaten wieder anstecken, gerade mit [der Virus-Variante] Delta", erklärt die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek im NDR-Podcast. Nach rund sechs Monaten bröckelt auch der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen, jedenfalls bei Älteren, wie die Ständige Impfkommission (STIKO) darlegt.

Aber mit einer dritten Impfung, und zwar mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech oder Moderna), lässt sich die Immunabwehr wieder stärken – oder "boostern", wie es angelehnt ans Englische heißt. Das zeigt das Beispiel Israel. Dort wird seit Monaten im großen Stil geboostert. Diejenigen, die aufgefrischt haben, kommen viel seltener ins Krankenhaus als die ohne den Booster.

Doch für wen wird die dritte Impfung empfohlen? Wo kann man sich boostern lassen? Und wer bezahlt das? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Für wen ist die Booster-Impfung?

Die STIKO empfiehlt die Auffrischungsimpfung frühestens nach sechs Monaten: für alle über 70, für Menschen mit Immundefizienz, für medizinisches Personal und Pflegekräfte mit Kontakt zu besonders gefährdeten Gruppen. Lediglich bei Menschen mit schwerer Immundefizienz empfiehlt die STIKO schon vier Wochen nach der zweiten Impfung eine Booster-Dosis.

Um die Booster-Impfungen anzuschieben, hat die Landesregierung alle Über-70-Jährigen in Hessen per Brief an die Auffrischungsimpfung erinnert. Die Gesundheitsminister der Länder und des Bundes wollen aber Booster-Impfungen für alle Altersgruppen ab 12 Jahren.

Gesetzlich ist das möglich, weil die Impfstoffe von Biontech und Moderna für eine Auffrischungsimpfung zugelassen sind. Die STIKO empfiehlt zurzeit allerdings, Ältere bei der Auffrischung vorzuziehen. 

In einer Stellungnahme vom Montag schreibt das Expertengremium, dass es mittelfristig sinnvoll sei, auch allen anderen Grundimmunisierten eine Auffrischung anzubieten. Konkreteres will die STIKO zeitnah bekannt geben.

Genesenen, die sechs Monate nach der Erkrankung bereits eine Impfung zur Grundimmunisierung erhalten haben, empfiehlt die STIKO aktuell keine Booster-Impfung. Anders sieht das bei Menschen aus, die mit dem Impfstoff von Johnson und Johnson (Janssen) geimpft wurden. Diese sollten vier Wochen nach ihrer erstmaligen Impfung mit einem mRNA-Impfstoff geimpft werden, weil es beim Johnson-Vakzin bislang die meisten Impfdurchbrüche gab.

Welcher Impfstoff wird verwendet?

Für die Auffrischimpfung soll der STIKO zufolge ein mRNA-Impfstoff (also von Biontech oder Moderna) verwendet werden, unabhängig davon, welcher Impfstoff bei der vorher erfolgten Immunisierung verwendet wurde.

Wie ist der Stand in Hessen?

In Hessen haben (Stand 12. November) rund 240.000 Menschen ihren Impfschutz auffrischen lassen. Damit hat Hessen im Vergleich der Bundesländer eine etwas unterdurchschnittliche Auffrischungsquote von knapp vier Prozent und liegt damit auf Platz neun der 16 Bundesländer.

In der besonders gefährdeten Altersgruppe der Über-60-Jährigen sind es in Hessen zehn Prozent, die sich haben boostern lassen. Beim Spitzenreiter Berlin liegt die Quote schon bei knapp 21 Prozent. Geht es im bisherigen Tempo weiter, wird Hessen selbst die Hochbetagten über 80 (ca. 420.000 Menschen) nicht mehr vor Weihnachten alle mit einer dritten Impfung schützen können.

Wo kann ich boostern?

Wer sich boostern lassen will, kann sich bei seiner Hausarztpraxis erkundigen oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefon: 116 117) kontaktieren, um sich bei Arztsuche helfen zu lassen. Laut Kassenärztlicher Vereinigung Hessen bieten zurzeit 3.400 Haus- und Facharztpraxen die Corona-Booster-Impfung an.

Außerdem betreiben zurzeit 17 Städte und Landkreise stationäre Impfstellen, Wiesbaden will auch eine einrichten. Das Sozialministerium hat die Anlaufstellen aufgelistet. Viele Städte und Landkreise bieten außerdem Sonderimpfaktionen an, wie zum Beispiel in Frankfurt, wo demnächst wieder in einer Straßenbahn geimpft wird ("Impfexpress").

Wie hoch ist die Nachfrage?

Die Impfstellen halten sich offenbar größtenteils an die aktuelle STIKO-Empfehlung, etwa das Impfzentrum in Frankfurt. Der Wunsch nach einer dritten Impfung ist dort laut einer DRK-Sprecherin gerade besonders groß.

Mitarbeitende müssen dort täglich rund 100 Booster-Impfwillige abweisen, weil sie laut einer DRK-Sprecherin nicht unter die aktuelle STIKO-Empfehlung fallen. Die meisten der Abgewiesenen seien jünger als 70 Jahre.

Auch im Main-Kinzig-Kreis hat der Andrang nach Schutzimpfungen deutlich zugenommen. Dort sind nach Angaben eines Kreissprechers fast alle Impftermine vergeben. Deswegen überlege man in den Impfstellen in Hanau, Schlüchtern und Gelnhausen die Öffnungszeiten zu erweitern.

Auch der Landkreis Gießen überlegt, seine dezentralen Impfangebote in den Kommunen auszubauen. Insbesondere der Impfbus, der aktuell Booster-Impfungen in den Kommunen anbietet, wird dort besonders stark von Älteren aufgesucht.

Reichen die bestehenden Impfangebote aus?

Laut Bundesgesundheitsministerium ist genügend Impfstoff vorhanden. Aber in manchen Regionen gibt es nicht genug Stellen, die den Stoff auch verimpfen. So erklärt die Stadt Wiesbaden, die niedergelassenen Ärzte seien derzeit mit den Impfungen überfordert. Deshalb werde die Stadt eine eigene Impfstelle öffnen, zusammen mit Wiesbadener Kliniken.

Auch hr-Nutzerinnen und Nutzer berichten von Problemen: Viele Arztpraxen seien schon überbucht, an den Impfstellen der Kreise gebe es auch Wartezeiten. Hessens Nachbarland Rheinland-Pfalz hat auf die Situation bereits reagiert und 18 neue Impfstellen an Kliniken angekündigt. Die hessische Landesregierung setzt bisher noch auf die bestehenden Angebote.

Ist es sinnvoll, vorher einen Antikörpertest zu machen?

Manche lassen ihren Antikörperspiegel testen und stellen fest, dass dieser vergleichsweise hoch ist. Ist eine Booster-Impfung dann überhaupt nötig? Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt keinen generellen Antikörpertest vor einer Auffrischungsimpfung. (Das FAQ zu Covid-19-Impfungen des RKI finden Sie hier.)

Bislang sei nicht klar, ab welcher Antikörper-Anzahl man ausreichend geschützt ist. So komme es auch auf die Zahl der sogenannten T-Zellen des Immunsystems an; diese lassen sich aber nicht ohne Weiteres bestimmen. Auch eine Gefahr der "Überimpfung" besteht laut RKI nicht. Eine dritte Impfung sei auch dann nicht schädlich, wenn schon ein guter Immunschutz bestehe.

Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sei ein Antikörpertest dagegen sinnvoll. So könne nach der Impfung kontrolliert werden, ob es überhaupt eine Immunreaktion gab. Ist der Antikörperspiegel sehr niedrig, könnte hier zu einer dritten Spritze geraten werden.

Was ist, wenn ich nicht booster?

Manche haben Sorge, sie könnten ihren Status als "vollständig geimpft" verlieren, wenn sie sich nach sechs Monaten keine Booster-Impfung holen. Das ist in Deutschland bisher nicht vorgesehen, auch nicht bei Menschen über 70 oder anderen Risikogruppen.

Allerdings erklärt das Bundesgesundheitsministerium auf einem Corona-Informationsportal: Es wolle prüfen, "welche Impfabstände zur Aufrechterhaltung des Schutzes vor einer COVID-19-Erkrankung eingehalten werden müssen". Es kann also sein, dass der "vollständig geimpft"-Status in Zukunft an eine dritte Impfung geknüpft wird, so wie es in Frankreich bei Senioren schon bald der Fall ist.

Wer bezahlt die Booster-Dosis?

Sie ist genauso kostenlos wie die ersten beiden Dosen. Der Bund bezahlt den Impfstoff, Länder und Krankenkassen finanzieren die Impfteams, Ärztinnen und Ärzte.

Hat eine dritte Impfung möglicherweise neue Nebenwirkungen?

Bislang sind nicht mehr Impfreaktionen bekannt geworden als bei den ersten Impfungen. In den USA, wo schon Ende Oktober mehr als zwei Millionen Menschen ihre dritte Dosis bekommen haben, sind dabei einige lokale Reaktionen etwas häufiger aufgetreten, unter anderem Schmerzen an der Einstichstelle.

"Die Rate an Impfreaktionen beziehungsweise Nebenwirkungen ist nach dem bisherigen Kenntnisstand bei Einhalten der oben genannten Abstände vergleichbar zur 'normalen' Impfung", sagt auch der Frankfurter Virologe Martin Stürmer.

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zum Video Welche Sicherheit bringt die dritte Spritze?

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