Durch Schüsse starben in der Nacht in Hanau neun Menschen. Der mutmaßliche Täter und seine Mutter wurden später tot in ihrer Wohnung gefunden. Eine Chronologie des Geschehens.

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Elf Tote nach Schüssen in Hanau
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22 Uhr: Am Mittwochabend stürmt der Täter in eine Shisha-Bar am Heumarkt im Zentrum von Hanau. Er beginnt sofort um sich zu schießen und tötet - wie später bekannt wird - vier Menschen. Augenzeugen berichten von acht bis neun Schüssen. Nach Aussage von Zeugen flüchtet er in einem Auto. Kurz darauf greift der Täter zwei Kilometer entfernt am Kurt-Schumacher-Platz im Stadtteil Kesselstadt einen Kiosk und einen Mercedes an. Er erschießt fünf weitere Menschen - den Fahrer des Autos und vier Menschen, die sich im Kiosk aufhalten. Auch das wird erst später bekannt.

Tatorte in Hanau

0.18 Uhr: Das Polizeipräsidium Südosthessen gibt per Pressemitteilung die Großfahndung nach "noch unbekannten Tätern" bekannt.

0.49 Uhr: In einer Pressemeldung der Polizei wird bestätigt, dass "acht Personen tödlich verletzt wurden".

Ein Großaufgebot der Polizei sperrt derweil den Tatort am Heumarkt großräumig ab. Die Spurensicherung trifft vor Ort ein. Reporter berichten von Patronenhülsen vor der Shisha-Bar am Heumarkt, die mit Farbspuren markiert wurden. Die Polizei fordert Passanten auf, den Bereich zu verlassen und sich in ihre Wohnungen zu begeben. Ein Polizeihubschrauber kreist über dem Gebiet.

Hinweise auf dritten Tatort bestätigten sich nicht

2.43 Uhr: Auch am Tatort in Kesselstadt laufen die kriminaltechnischen Untersuchungen. Eine beschädigte Mercedes-Limousine wird mit Rettungsdecken und später auch mit einem Feuerwehrzelt abgeschirmt. Die Polizei sperrt den Bereich weiträumig ab. Schwer bewaffnete Beamte sichern ihn. Immer wieder fahren Einsatzwagen der Polizei zum Tatort, auch Krankenwagen fahren in den abgesperrten Bereich.

Der Kioskbesitzer und sein Sohn erfahren noch in der Nacht von der Tat. Unter den Opfern seien zwei Mitarbeiter und ein Mensch, den er schon von klein auf kenne, sagt der Sohn des Kioskbesitzers der dpa.

Die Meldung von einer dritten Schießerei im Stadtteil Lamboy bestätigt sich nicht. Die Polizei ist auch dort mit einem Großaufgebot vor Ort. Laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft wird dort aber niemand getötet oder verletzt.

3 Uhr: Der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) äußert sich erschüttert über die Gewalttat. "Das war ein furchtbarer Abend, der wird uns sicherlich noch lange, lange beschäftigen und in trauriger Erinnerung bleiben", sagt er der Bild-Zeitung.

Mutmaßlicher Täter und seine Mutter tot in Wohnung aufgefunden

4.30 Uhr: Die Nachricht von den Schüssen verbreitet sich wie ein Lauffeuer über die Sozialen Medien. Anwohner posten mutmaßliche Videos vom Tatort, die sie offenbar kurz nach der Tat aufgenommen haben.

Die Polizei wertet die Aufnahmen von Überwachungskameras aus. Außerdem geben Zeugen Hinweise auf das Fluchtfahrzeug, einen dunklen BMW. Im Rahmen einer Großfahrzeug finden die Polizisten das Auto im Ortsteil Kesselstadt, nicht weit vom zweiten Tatort entfernt.

5.03 Uhr: Per Twitter teilt die Polizei Südosthessen mit, dass der mutmaßliche Täter leblos in seiner Wohnung gefunden wurde. Spezialkräfte entdecken dort eine weitere Leiche. Die Zahl der Toten liegt mittlerweile bei insgesamt elf.

5.17 Uhr: Weitere Details zur Fahndung werden bekannt: Über die Anschrift des Fahrzeughalters ermittelten die Beamten die Wohnung des mutmaßlichen Täters - sie liegt in einem Reihenhaus in der Helmholtzstraße. Bei der zweiten Leiche handelt es sich um die 72-jährige Mutter des mutmaßlichen Täters. Es gebe keine Hinweise auf weitere Täter, sagt ein Polizeisprecher.

Identität von Täter und Opfern zunächst unklar

5.44 Uhr: Die Ermittlungen zur Identität des mutmaßlichen Täters sowie der anderen zehn Toten seien noch nicht abgeschlossen, Angaben zu ihrer Nationalität könnten noch nicht gemacht werden, sagt ein Polizeisprecher.

Im Fluchtauto findet die Polizei laut einem Bericht der Bild-Zeitung Munition und Magazine.

6.19 Uhr: Die Bundesregierung reagiert bestürzt auf das schwere Gewaltverbrechen in Hanau. "Die Gedanken sind heute Morgen bei den Menschen in #Hanau, in deren Mitte ein entsetzliches Verbrechen begangen wurde", schreibt Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter.

Hinweise auf rassistisches Motiv

7.30 Uhr: Aus Sicherheitskreisen wird bekannt, dass ein Bekennerschreiben und ein Video gefunden wurden. Der Clip, der zu dem Zeitpunkt noch im Internet zu sehen ist, wurde erst vor wenigen Tagen ins Netz gestellt. Ein Hinweis auf die Tat ist darin nicht enthalten.

Später wird Genaueres bekannt: Bei dem mutmaßlichen Täter von Hanau handelt es sich um Tobias R., einem 43-Jährigen aus Hanau. Dieser veröffentlichte vor knapp einer Woche auf seiner im Lauf des Vormittags offline genommenen Website ein Video und mehrere schriftliche Erklärungen. Das Video liegt hr, NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung vor. Tobias R. warnt darin in fließendem Englisch vor einem modernen System der Sklaverei in Amerika. In einem anderen knapp einstündigen Video behauptet er unter anderem, Deutschland werde von einem Geheimdienst mit weitreichenden Fähigkeiten gesteuert. Außerdem äußert er sich herabsetzend und rassistisch über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei. 

7.48 Uhr: Oberbürgermeister Kaminsky spricht den Opfern seine Anteilnahme aus.

8.27 Uhr: Die Bundesanwaltschaft teilt mit, dass der Generalbundesanwalt bereits in der Nacht die Ermittlungen übernommen habe. Es gebe Hinweise auf ein ausländerfeindliches Motiv.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 22.02.2020, 16.45 Uhr