Gebäude L2.01 an der TU Darmstadt

Auch zwei Tage nach dem Giftanschlag auf Beschäftigte der TU Darmstadt sitzt der Schock tief. Viele Fragen sind noch offen, einiges ist schon bekannt.

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hs
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Der Giftanschlag an der TU Darmstadt hat Betroffene und die Öffentlichkeit schockiert, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes. Noch sind viele Fragen offen, allen voran die nach Täter und Motiv. Wir haben zusammengetragen, was wir bereits wissen:

Was ist in Darmstadt passiert?

Am Montag sind in Darmstadt bei sieben Menschen teils schwere Vergiftungserscheinungen aufgetreten, nachdem sie in dem Gebäude L201 des Fachbereichs Material- und Geowissenschaften der TU Darmstadt am Campus Lichtwiese etwas getrunken hatten. Sie hatten bläuliche Verfärbungen an Händen und Füßen.

Sechs Menschen mussten in Krankenhäusern behandelt werden, zwei davon wurden mit schweren Vergiftungserscheinungen in eine Frankfurter Klinik gebracht. Ein 30 Jahre alter Student schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr.

Wie ist die Tat abgelaufen?

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Täter oder die Täterin im Zeitraum zwischen Freitag und Montag einen giftigen Stoff unter anderem in Milchpackungen und Wasserbehälter eingefüllt hat. Betroffen waren Getränke sowie auch nicht näher benannte Lebensmittel in insgesamt drei Teeküchen des Gebäudes L201. Dass das Gift vorsätzlich zugesetzt wurde, gilt mittlerweile als sicher.

Zum Leidwesen der Ermittler werden Personen, die das betroffene Gebäude betreten, noch nicht elektronisch erfasst. L201 hat noch eine alte Schließanlage.

Welches Mittel wurde für den Giftanschlag benutzt?

Den Ermittlern ist die Substanz bekannt, aus ermittlungstechnischen Gründen halten sie die Information aber zurück. Denn nur der Täter oder die Täterin kann wissen, welches Gift benutzt wurde. Es handelt sich also um klassisches Täterwissen. Oberstaatsanwalt Robert Hartmann sagte nur, dass die Substanz "potentiell tödlich" sei.

Die blauen Verfärbungen, die einige Opfer an Händen und Füßen aufwiesen, lassen darauf schließen, dass es sich um ein Gift handelt, das den Transport von Sauerstoff über die roten Blutkörperchen behindert. Unklar ist noch, woher das Gift stammt.

Wie laufen die Ermittlungen?

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat ein Verfahren wegen des Anfangsverdachts des versuchten Mordes eingeleitet. "Wir müssen davon ausgehen, dass der Täter eine Vergiftung beabsichtigt hat. Das wäre ein gemeingefährliches Mittel und somit versuchter Mord", erklärte Staatsanwalt Hartmann am Mittwoch dem hr.

Zur Lösung des Falls wurde eine 40-köpfige Sonderkommission mit dem Namen "Licht" ins Leben gerufen. Aktuell sei die Soko damit beschäftigt, die Geschädigten und weitere Zeugen zu befragen, sagte Hartmann. Man ermittele in alle Richtungen und arbeite eng mit der TU zusammen.

Gibt es bereits Verdächtige und ein Motiv?

Noch tappen die Ermittler im Dunkeln. Verdächtige gebe es noch nicht, sagte Staatsanwalt Hartmann. Auch in Sachen Motiv habe die Soko noch keine Ansatzpunkte.

"Wir hoffen, aus den Befragungen der Geschädigten und Zeugen Zusammenhänge erkennen zu können, die auf die richtige Spur führen", sagte Hartmann am Mittwoch.

Wie geht es den Opfern?

Den sieben Vergifteten geht es deutlich besser. "Nach unserer Kenntnis sind alle aus der Klinik raus", sagte ein Sprecher der TU am Mittwoch. Ein 30 Jahre alter Student befand sich zwischenzeitlich in Lebensgefahr

Was sagen die Betroffenen?

"Der Schock sitzt noch immer sehr tief", sagte TU-Kanzler Manfred Efinger am Mittwoch dem hr. Die Tat sei in einer Art ausgeführt worden, "die einen betroffen zurücklässt". Bereits am Dienstag zeigte sich TU-Präsidentin Tanja Brühl "erschüttert angesichts der offensichtlichen Straftat, die sich an unserer Universität ereignet hat". Hessens Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) sicherte den Betroffenen "vollumfängliche Unterstützung" zu.

Auch unter den Studierenden macht sich Betroffenheit breit. "Man rechnet einfach nicht damit, dass so eine perfide Tat an einer Uni vorkommt", sagte eine Studentin dem hr. Ein anderer Student sei zwar "geschockt", mache sich aber nicht viele Gedanken darüber, dass es ihn auch treffen könnte: "Die Tat wirkte schon sehr gezielt."

Für alle Beschäftigten und Studierenden bietet die Universität nach eigenen Angaben psychologische Unterstützung an.

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