Ernst wird abgeholt

Der Hauptverdächtige im Mordfall Lübcke, Stephan Ernst, will am Mittwoch vor dem Ermittlungsrichter ein neues Geständnis ablegen. Ernst hatte zunächst gestanden, den Kasseler Regierungspräsidenten erschossen zu haben, diese Aussage aber später widerrufen.

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Der Hauptverdächtige im Mordfall Lübcke, Stephan Ernst, will mehr als ein halbes Jahr nach der Tat am Mittwoch ein neues Geständis ablegen. Gegen 9.45 Uhr am Mittwochmorgen kam Ernst in einem Polizeiwagen im Präsidium in Kassel an, dort wird er von einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vernommen. Dabei könnten weitere Details zur Tat bekannt werden - möglicherweise nennt Ernst auch weitere Mittäter. Ein erstes Geständnis hatte Ernst später widerrufen.

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Stephan Ernst wird von Polizisten dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe überstellt.
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Der Anwalt von Ernst, Frank Hannig, kündigte am Dienstag an, Ernst wolle in seinem neuen Geständnis "erklären, was wirklich passiert sei" - das erste Geständnis sei falsch gewesen. Hannig stellte am Dienstag ein Video auf Facebook, in dem er vor der JVA Kassel steht, wo Ernst in Untersuchungshaft sitzt. Darin erklärte er, sein Mandant habe eine "extreme Vorverurteilung erfahren" und sei davon so "mitgenommen" gewesen, dass er nun den Ermittlern und der Öffentlichkeit seine Version der Geschichte erzählen wolle.

Um 17 Uhr will Anwalt Hannig dann vor der Presse die Version seines Mandanten erzählen. In seinem ersten Geständnis soll Ernst den Mord als "Fehler bezeichnet" haben.

Ernst über Jahre hinweg in rechter Szene

Ernst soll Lübcke am 2. Juni mit einem Kopfschuss auf der Terrasse seines Hauses in Wolfhagen-Istha (Kassel) getötet haben. Der Generalbundesanwalt geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Ernst gehörte über Jahre hinweg der rechtsextremen Szene an und war in der Vergangenheit bereits durch Gewalttaten aufgefallen.

Lübcke war seit 2015 Ziel zahlreicher Drohungen und Hasskommentare. Anlass waren Äußerungen zur Flüchtlingspolitik bei einer Bürgerversammlung in Lohfelden (Kassel), an der auch Ernst teilgenommen haben soll.

Er hatte die Tat zunächst gestanden, dann das Geständnis zurückgezogen. Sein Anwalt hatte Ende November ein neues Geständnis seines Mandanten angekündigt. Obwohl das erste Geständnis widerrufen wurde, könnte es vor Gericht noch eine Rolle spielen. Ernst wird am Mittwoch vor dem Ermittlungsrichter auch erklären müssen, wie es überhaupt zu dem falschen Geständnis gekommen war.

Zwei Männer aus Ernsts Umfeld in Untersuchungshaft

Grebenstein Schützenverein

Im Zuge der Ermittlungen gegen Ernst war auf dem Gelände seines ehemaligen Arbeitsgebers ein Waffendepot ausgehoben worden. Daraufhin gerieten zwei Männer aus Ernsts Umfeld ins Visier der Ermittler, die ihm illegal Schusswaffen besorgt haben sollen. Auch sie sitzen in Untersuchungshaft. Einer von ihnen ist Markus H. Er war zusammen mit Stephan Ernst offenbar noch 2018, wenige Monate vor der Tat, auf einem Schießstand in Grebenstein (Kassel) unterwegs, um mit scharfen Waffen Schießen zu üben.

Der Prozess gegen Ernst rückt näher: Die Staatsschutzabteilung beim Oberlandesgericht Frankfurt hatte Ende Dezember mitgeteilt, sie rechne damit, dass bereits Anfang dieses Jahres die Anklageschrift gegen Ernst eingereicht wird. Das Verfahren könnte sich auch gegen die beiden Männer richten. Nach Erhebung der Anklage muss das Oberlandesgericht Frankfurt noch über deren Zulässigkeit entscheiden. Danach wird die Hauptverhandlung terminiert.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 08.01.2020, 13.00 Uhr