Ali B. beim Prozessauftakt
Ali B. beim Prozessauftakt vergangene Woche in Wiesbaden. Bild © picture-alliance/dpa

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 14-jährigen Susanna sind weitere Details zu den Ermittlungen bekannt geworden. Der Angeklagte Ali B. setzte seine Aussage nicht fort.

Der Prozess um den Mord an der 14-jährigen Schülerin Susanna F. ist am Montag am Landgericht Wiesbaden mit ersten Zeugenvernehmungen fortgesetzt worden. Der angeklagte Ali B. machte am zweiten Verhandlungstag keine weiteren Angaben mehr zu der Tat.

Der 22-Jährige hatte zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche gestanden, die Schülerin aus Mainz getötet zu haben. Die ihm ebenfalls zur Last gelegte vorausgegangene Vergewaltigung bestritt er allerdings.

Anonymer Anrufer alarmierte Susannas Mutter

Eine maßgeblich mit dem Fall befasste Kriminalbeamtin aus Wiesbaden sagte am Montag aus, dass das Verschwinden Susannas in der Nacht zum 23. Mai vergangenen Jahres von der Polizei zunächst als normaler Vermisstenfall behandelt wurde und noch kein Tötungsverdacht bestand. Die Ermittler hätten allerdings schon am Tag nach Eingang der Vermisstenanzeige durch Susannas Mutter begonnen, das persönliche Umfeld des Mädchens und ihre Bekannten in Wiesbaden zu durchleuchten.

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Warum wurde Susanna so spät gefunden? Wer ist Ali B.? Ein Überblick und alle wichtigen Infos zum Fall Susanna gibt es hier.

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Die Mutter des Mädchens habe der Polizei Namen ihrer Freundinnen und Freunde genannt. Deren Vernehmungen hätten anfangs keinerlei Hinweise auf den Verbleib oder gar die Ermordung der 14-Jährigen ergeben. Erst kurz vor Beginn des Prozesses war bekannt geworden, dass Susanna vor ihrem Tod einer Freundin einen Hilferuf via WhatsApp geschickt hatte.

Die Beamtin berichtete am Montag, erst eine Woche nach der Vermisstenanzeige habe sich am 30. Mai 2018 eine neue Lage für die Fahnder ergeben, nachdem Susannas Mutter von anonymen Anrufen eines Mannes berichtet hatte, der vom Tod des Mädchens sprach.

13-Jähriger gibt entscheidenden Hinweis

Dabei sei auch davon die Rede gewesen, dass Susannas Leiche an den Bahngleisen in Wiesbaden-Erbenheim liege, in deren Nähe später tatsächlich die tote Schülerin ausgegraben wurde. Die Polizei habe noch am selben Tag einen Hubschrauber angefordert, der das Gelände überflog. Dabei hätten sich aber ebenfalls noch keine konkreten Spuren ergeben.

Die eigentliche Wende brachte am 3. Juni die Vernehmung eines damals 13-jährigen Afghanen, der Ali B. als Täter nannte und konkretere Angaben dazu machte, wo dieser Susannas Leiche vergraben habe.

Der Junge namens Mansoor Q. habe wegen der inzwischen eingeleiteten Fahndung von sich aus ein Wiesbadener Polizeirevier aufgesucht und seine späte Aussage damit begründet, er habe Angst vor der "kriminellen Familie" von Ali B. gehabt, die aber inzwischen ausgereist sei. Am 6. Juni wurde schließlich Susannas Leiche gefunden - vergraben in einem Erdloch.

Zweites Verfahren wegen Vergewaltigung einer Elfjährigen

Der zu diesem Zeitpunkt bereits mit seiner Familie in den kurdischen Teil Iraks ausgereiste Ali B. wurde kurz darauf von den dortigen Sicherheitsbehörden der Bundespolizei übergeben und zurück nach Deutschland gebracht.

Der inzwischen 14 Jahre alte Mansoor Q., der damals den entscheidenden Tipp zu dem Mord an Susanna gab, steht ab Dienstag in einem separaten Verfahren zusammen mit Ali B. selbst wegen der Vergewaltigung einer Elfjährigen in der einer Flüchtlingsunterkunft vor Gericht. Die Verhandlung findet vor einer Jugendstrafkammer des Wiesbadener Landgerichts statt.

Sendung: hr4, 18.03.2019, 16 Uhr