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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Gießener Leitstellenmitarbeiter wohl vorzeitig geimpft

Eine Impfung in Israel wird vorbereitet. (REUTERS)

Geimpft werden sollen zuerst die Über-80-Jährigen und diejenigen, die an vorderster Front gegen das Coronavirus kämpfen. Doch in einigen Einrichtungen wurden die Bestimmungen etwas weiter ausgelegt.

In Hessen werden immer mehr Fälle bekannt, in denen Menschen eine Corona-Schutzimpfung bekamen, obwohl sie gemäß der Impfverordnung noch nicht an der Reihe gewesen wären. Kritik trifft derzeit beispielsweise die Gießener Leitstelle der Feuerwehr. Dort wurden nach Angaben des Landkreises Ende Januar auch 26 Mitarbeiter aus dem Innendienst geimpft.

Auf hr-Nachfrage bestätigte der Landkreis am Freitagabend den Fall. Die Mitarbeiter der Leitstelle hätten gemeinsam mit den Einsatzkräften des Rettungsdienstes eine Spritze erhalten.

Kreis verteidigt Vorgehen

Ein Sprecher des Kreises sagte, er sehe die rechtliche Grundlage dafür "gegeben". Die Gießener Leitfunkstelle übernehme auch für andere Landkreise Aufgaben. Sie sei "ein Kernstück der Gefahrenabwehr und Rettungsdienstorganisation". Einige Mitarbeiter seien zusätzlich im Rettungsdienst tätig, die anderen müssten Pflichtfortbildungen in diesem Bereich nachweisen.

Die Fortbildungen sind derzeit jedoch landesweit als Pflichtveranstaltungen ausgesetzt. Der Kreis weist aber darauf hin, dass das kein dauerhafter Zustand sei. Das Land habe zugleich festgelegt, "dass die Träger des Rettungsdienstes - also die Landkreise - den Umfang der für das Jahr 2021 tatsächlich zu erbringenden Fortbildungsstunden für das Personal der Zentralen Leitstellen festlegen". Der Kreis Gießen sehe dabei einen Umfang von 60 Stunden vor.

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Fälle in Lahn-Dill, Kreis Kassel und Waldeck-Frankenberg

Die Impfverordnung sieht vor, dass zuallererst Menschen ab 80 sowie Altenpflegekräfte geimpft werden. Auch "Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen mit hohem Expositionsrisiko wie Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungsdienste", sowie Bereiche "mit infektionsrelevanten Tätigkeiten" gehören zur ersten Gruppe, heißt es auf der Website der Bundesregierung. Derzeit ist nicht absehbar, wann alle Impfwilligen aus dieser Gruppe bedient sein werden.

Auch Verwaltungsmitarbeiter im Lahn-Dill-Kreis, darunter Feuerwehrleute und deren Angehörige, erhielten schon einen vorsorglichen Pieks. Nach Angaben des Kreises geschah das bei einer Probe für Impfungen. Für Landrat Wolfgang Schuster (SPD) kein Problem, er hält das für vertretbar.

In Korbach und Hofgeismar (Kassel) sind Angehörige und Bekannte von Mitarbeitern und Leitungskräften der Altenhilfe Gesundbrunnen bereits und offenbar voreilig geimpft worden. Die Geschäftsführung prüft arbeitsrechtliche Schritte.

Nachdem im Vogelsbergkreis zwei Fälle von vorzeitiger Corona-Impfung bekannt geworden sind, will der Landkreis nun ein Überprüfungsverfahren einleiten. Das sagte Landrat Manfred Görig (SPD) dem hr am Freitag. Ein Kreis-Mitarbeiter und seine Frau waren vorzeitig geimpft worden.

Zwei Geschäftsführer in Bad Wildungen freigestellt

In einer Klinik in Bad Wildungen (Waldeck-Frankenberg) hat man schon entschieden: Dort sind zwei Geschäftsführer freigestellt worden, weil sie Impfdosen für eigene Zwecke abgezweigt haben sollen.

Auch die ehrenamtliche Präsidentin des DRK-Kreisverbandes Fulda und eine wesentlich jüngere Assistentin der Geschäftstelle haben sich außerhalb der Reihe impfen lassen. Die DRK-Präsidentin verteidigte ihre Impfung als gerechtfertigt.

Sendung: hr-iNFO, 12.02.2021, 16 Uhr