Ein Schild warnt vor dem Betreten des Rauschenbergs wegen Blindgängern und  Baumschäden

Knapp drei Jahre nach dem Fund von Bomben und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg ist der Rauschenberg in Petersberg immer noch gesperrt. Spaziergänger dürfen die markierten Wege am Waldrand nicht verlassen. Ihren Frust ließen die Anwohner auf einer Bürgerversammlung raus.

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Blick auf den Rauschenberg in Petersberg
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Der Rauschenberg ist ein beliebtes Naherholungsgebiet in Petersberg (Fulda). Ein Ausflugsziel unter anderem für Spaziergänger, Jogger und Familien. Leider darf man den Wald am Stadtrand von Fulda seit längerem nicht betreten. Es sind Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden - und zwar schon vor drei Jahren.

Seit den Funden müssen Passanten auf den markierten Wegen am Waldrand bleiben. Weil seit dem Bekanntwerden im Oktober 2017 wenig in Sachen Entschärfung vorangegangen ist, wächst der Unmut der Bürger. Sie haben sich deswegen am Mittwochabend zu einer Versammlung getroffen.

"Wollen unseren Berg wiederhaben"

Eine Bürgerin fragte, wofür man schließlich Steuern zahle, wenn die öffentliche Hand keine zügige Hilfe leiste: "Wir wollen unseren Berg wiederhaben." Ein anderer Teilnehmer sagte: Es müsse etwas geschehen, damit nicht irgendwann eine der Bomben hochgehe. Eine andere Anwohnerin kommentierte mürrisch: Wenn die Blindgänger an öffentlichen Straßen gefunden worden wären, würde es mit der Entschärfung schneller gehen.

Eines der Probleme sind die Kosten. Die Gemeinde rechnet mit fast zwei Millionen Euro - viel Geld für eine kleine Gemeinde. Das Land will etwas dazu geben. Es gebe aber nur ausnahmsweise einen Zuschuss aufgrund der besonderen Bedeutung dieses Kommunalwaldes, erklärte ein Sprecher des Innenministeriums am Freitag auf Anfrage in Wiesbaden.

Petersberg kritisiert, dass keine genaue Summe genannt wurde. Das Ministerium entgegnete darauf: "Eine feste Summe konnte bislang nicht festgesetzt werde, da bis heute seitens der Kommune nur eine grobe Schätzung der Kosten vorliegt." Es sein ein belastbarer Kostenvoranschlag erforderlich. Das Entschärfen übernimmt letztlich der Kampfmittelräumdienst auf Kosten des Bundes.

Kranke Bäume erschweren Blindgänger-Ortung

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Etliche Buchen im Wald drohen wegen einer Baumkrankheit umzustürzen. Das erschwert die Suche. Bürgermeister Carsten Froß (CDU) kann deshalb nicht einfach einen Suchtrupp entsenden.

"Die Kampfmittelräumer dürfen eigentlich nicht rein, weil ein Baum umfallen könnte", erklärte Froß. "Und die Gärtner können nicht rein, weil Kampfmittel drin sind." Aber irgendwie müsse man das Thema ja angehen. Das sei hochkomplex. "Wir haben mit vielen Behörden zu tun." Das Regierungspräsidium Darmstadt betonte: Für die Absuche der Fläche sei der Eigentümer zuständig.

Tücken vulkanischen Ursprungs

Und gäbe es nicht schon genug Hindernisse, gesellt sich noch ein weiteres hinzu: Der Rauschenberg ist vulkanischen Ursprungs - und damit stark eisenhaltig. Metallsuchgeräte helfen deswegen bei der Suche nach Blindgängern nicht.

Jetzt aber kommt Bewegung in die verzwickte Situation: Eine Spezialfirma (IBH) aus Weimar (Thüringen) will das Gebiet abschnittsweise überprüfen. Ingenieur Lutz Fritsche erklärte: Man wolle zunächst mit Minensuchgeräten, die nur gering in den Boden eindringen, die ersten 20 Zentimeter von Kampfmitteln befreien. "Damit werden wir wahrscheinlich die Stabbrandbomben, die an der Oberfläche liegen, beseitigen." Danach sollen in einem zweiten Schritt die Kampfmittelräumer mit größeren Geräten in den Wald vorrücken dürfen.

Auf alten Luftbildern sind 140 Bombentrichter zu sehen. Statistisch sind mindestens zehn Prozent Blindgänger dabei. Das kann also dauern.

Bürgermeister: Thema bleibt länger akut

"Wir wollen den Rauschenberg als Naherholungsgebiet erhalten", sagte Bürgermeister Froß. "Aber das Thema wird uns wahrscheinlich ein bis zwei Jahre beschäftigen." Keine guten Nachrichten. Gerade in Corona-Zeiten sind Naherholungsgebiete wie der Rauschenberg beliebte Anlaufstellen.

Sendung: hr4, 10.09.2020, 15.30 Uhr