Tauben auf dem Frankfurter Opernplatz

Tierschützer schlagen Alarm. Tauben drohe in der Corona-Zeit nicht weniger als der Hungertod, befürchten sie. Doch bevor sich Taubengegner nun freuen: Ganz so schlimm wird es wohl doch nicht kommen.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tauben fehlt in der Corona-Krise das Futter

Ein Schwarm Tauben vor der Frankfurter Paulskirche
Ende des Audiobeitrags

Die einen füttern sie, andere würden sie am liebsten aus der Stadt vertreiben - wenn nicht Schlimmeres. Das Mitgefühl mit Stadttauben hält sich schon in normalen Zeiten in Grenzen. Doch tatsächlich leiden auch die Tauben unter den Auswirkungen der Corona-Krise. Die hessische Tierschutzbeauftragte Madeleine Martin fürchtet sogar, dass viele Tiere infolge der Einschränkungen des öffentlichen Lebens verhungern könnten.

PETA will Fütterungsverbote aufheben

"Durch die geschlossene Gastronomie fehlen die Essensreste, von denen sich die Tiere ernähren", so Martin. Besonders betroffen seien Großstädte, die auch sonst kein Konzept für den Umgang mit den oft als Plage empfundenen Vögeln hätten.

Geteilt werden die Befürchtungen auch von der Tierrechtsorganisation PETA. Diese wandte sich bereits Anfang April in einem offenen Brief an zahlreiche Kommunen, indem sie für die Zeit der Corona-bedingten Einschränkungen eine Aufhebung von Fütterungsverboten forderte. "Als natürliche Notaufhebung", wie Edmund Haferbeck von PETA es im Gespräch mit dem hr nennt.

Nach Aufhebung der Einschränkungen für die Gastronomie könnten die Fütterungsverbote dann wieder in Kraft treten. "Dann ist natürlich die Futtergrundlage wieder gegeben."

Ordnungsämter halten an Verboten fest

Bei den zuständigen Behörden in Hessen stößt dieser Vorschlag auf wenig Gegenliebe. Wie die Frankfurter Rundschau berichtete, lehnen beispielsweise die Ordnungsämter in Frankfurt und Darmstadt eine Aufhebung des Fütterungsverbots ab. Dort geht man davon aus, dass die Tauben auch so über die Runden kommen werden.

Und auch unter Naturschützern teilen nicht alle die düsteren Prognosen von PETA und hessischer Tierschutzbeauftragter. Zwar würden die Stadttauben nun tatsächlich weniger Futter finden, glaubt der Ornithologe Bernd Petri vom Frankfurter Naturschutzbund (NABU), doch drohe ihnen deshalb noch lange nicht der Hungertod.

Tauben weichen aufs Land aus

"Das führt dazu, dass die Tauben ein bisschen aufs Land fliegen müssen und auf die Äcker, um sich dort zu versorgen", so Petri gegenüber dem hr. Der Bruterfolg könne dadurch schwächer ausfallen, aber keinesfalls würden erwachsene Tiere verhungern.

Einigkeit besteht auf beiden Seiten indes darüber, dass es für Kommunen sinnvoll ist, den Taubenbestand zu regulieren. Städtische Taubenschläge seien dafür ein geeignetes Mittel - nicht nur weil dort artgerecht gefüttert werde. Tierschützer ersetzen dort regelmäßig Eier durch Attrappen - und beschränken damit das Wachstum der Taubenpopulation.