Waschbär
Ooooh, wie... so süß wie er aussieht, ist der Waschbär nicht. In Hessen fühlt er sich pudelwohl und die Population wächst immer weiter. Bild © picture-alliance/dpa

Jäger würden gerne mehr Waschbären schießen. Dürfen sie aber nicht, im März beginnt die Schonzeit. In Hessen herrscht Hilflosigkeit gegenüber der Ausbreitung der Tiere - und eine Alternative zur Jagd ist noch nicht gefunden.

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Der Waschbär ist in Hessen kaum aufzuhalten, mittlerweile ist er überall. Jäger beklagen, dass die im März beginnende Schonzeit die Reduzierung der Bestände erschwert, gerade im Sommer sind die kleinen Raubtiere am aktivsten. Mehr Abschüsse als bisher sind aber nicht erlaubt, auch weil der Nutzen der Jagd umstritten ist. Im Umgang mit dem kleinen Räuber herrscht in Hessen Hilflosigkeit. Waschbären werden zum Problem, als Allesfresser bedienen sie sich an Mülltonnen, machen auch vor Häusern keinen Halt, plündern Nester und fressen andere Tiere.

Ärgernis für Menschen, Bedrohung für Tiere

Das kann sie zu einem Ärgernis für Hausbesitzer und zu einer Bedrohung für seltene Vögel und Amphibien machen. "Aktuell ist die Art bundesweit verbreitet und nicht effektiv zu dezimieren", heißt es beim Hessischen Umweltministerium. Der Waschbär, ursprünglich in Nordhessen ausgesetzt, ist mittlerweile fast überall in Hessen zuhause. In welcher Zahl ist unklar.

Eine grobe Orientierung boten bisher die Abschusszahlen der Jäger. Doch die sinken - wegen der Schonfrist, nicht wegen weniger Waschbären, wie die Jäger betonen. Im vergangenen Jagdjahr (April 2016 bis März 2017) wurden in Hessen insgesamt 21 400 Waschbären geschossen, 6300 weniger als im Vorjahr. Zahlen zum ablaufenden Jagdjahr 2017/2018 gibt es noch nicht.

"Die Bestände des Waschbären sind durch die Jagd nicht wirklich begrenzbar", erklärt Berthold Langenhorst, Sprecher des Naturschutzbundes (Nabu) Hessen. Der wichtigste Faktor für ihre Bestandsgröße seien Nahrungsangebot und Lebensraumbedingungen. Werden Waschbären geschossen, glichen sich die Bestände schnell durch eine größere Nachwuchsrate aus. "Waschbären vermehren sich in einem Gebiet solange, bis ihre Bestände ein Optimum erreicht haben, bis also alle möglichen Reviere besetzt sind", sagt der Nabu-Sprecher.

Mangelnde Alternativen zum Abschuss

Zwar sei der Waschbär von der EU auf die Liste invasiver Arten gesetzt worden. Die Grundidee dabei sei, dass er sich nicht in neuen Regionen festsetzt. "Der Waschbär ist bei uns in Hessen aber schon so weit verbreitet, dass er mittlerweile als heimisch gelten kann", sagt Langenhorst.

Eine Verfolgung der Tiere machen nur bei örtlich begrenzten Projekten zum Schutz bedrohter Arten Sinn. Jäger kritisieren auch, dass Alternativen zur Reduzierung der Waschbären fehlen.Vorschläge wie ein Einfangen und eine Kastration seien kaum umsetzbar. "Das kostet eine Menge Geld", sagt Jagdsprecher Stifter. Von mindestens 80 bis 120 Euro pro Tier gehe man aus. "Und auch ein kastriertes Tier dringt in Dachböden ein und reißt die Dämmwolle heraus", erklärt er.

Selbst Krankheiten können den Waschbären bisher nicht bremsen: Erkrankungen durch das Staupe-Virus in Nordhessen führte laut Umweltministerium nur zu einem leichten Rückgang der Bestände. Zur Frage, wie mit Waschbären künftig verfahren wird, gab es im vergangenen Jahr eine länderübergreifende Anhörung für Bürger und Verbände. Die sei abgeschlossen, sagte eine Sprecherin des Umweltministeriums. Derzeit werte eine länderübergreifende Kommission der obersten Naturschutzbehörden die Stellungnahmen aus.