Ein Schwerlast-Helikopter transportiert einen Strommast im Odenwald ab

Binnen zwei Tagen transportiert ein Hubschrauber über 60 Masten einer Stromtrasse im Odenwald ab. Das sorgt für spektakuläre Bilder, aber auch für ohrenbetäubenden Lärm.

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Blick aus dem Helikopter: Ein Strommast wird am Abschleppseil befestigt.
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Den Bewohnern und Bewohnerinnen im südlichen Odenwald bot sich dieser Tage ein höchst ungewöhnlicher und gleichzeitig äußerst spektakulärer Anblick: Dutzende tonnenschwere Strommasten flogen am Dienstag und Mittwoch wortwörtlich durch die Luft – am Seil eines Helikopters.

Die Masten – jeder 28 Meter hoch und vier Tonnen schwer – gehörten zu einer rund 16 Kilometer langen Freileitung zwischen Oberzent-Beerfelden (Odenwald) und Hirschhorn (Bergstraße). Die Trasse wird laut der Dortmunder Eigentümerin Westnetz GmbH im Rahmen des Umbaus des Odenwälder Hochspannungsnetzes nicht mehr benötigt.

Schonender für die Umwelt

Aber warum wurden die Stahlkolosse nicht wie sonst üblich per Lkw abtransportiert? "Die meisten Masten stehen nicht an Straßen oder Wegen und sind in dem unwegsamen Gelände nicht problemlos mit schwerem Demontage-Gerät anfahrbar", erklärt das Unternehmen die aufwendige Aktion. Zudem sei die Helikopter-Methode weitaus schonender für die Umwelt, weil nicht extra Schneisen für die Kranfahrzeuge geschlagen werden müssten.

Die Nerven aller Beteiligten und Anwohner wurden dagegen nicht geschont: Zuerst mussten die Masten umgelegt werden, dann hakte ein Monteur das etwa 50 Meter lange Seil des über ihm schwebenden Schwerlast-Helikopters an der Spitze des Mastes ein.

63 Masten abtransportiert

Anschließend erhob sich der Helikopter samt des unter ihm hängenden Stahl-Ungeheuers mit großem Getöse in die Luft. Und das im Akkord: Insgesamt 63 Masten mussten auf diese Weise abtransportiert und zu einem Sammelplatz gebracht werden. Dort werden sie dann zerlegt und auf dem Landweg weiter transportiert.

Der Schwerlast-Helikopter stammt von einer Spezialfirma aus der Schweiz.

Auch für die Verantwortlichen war dieses Projekt etwas Besonderes. "Wir machen das in dieser Form und in dieser Menge zum ersten Mal", beschreibt Westnetz-Sprecherin Meike Beckmann die Situation. Möglich sei diese Form des Abtransports, weil es sich um eine reine Demontage handelt und keine neuen Masten errichtet werden müssen. "So geht es einfach auch viel schneller."

Probleme mit dem Wetter

Damit es auch wirklich schnell geht, bedurfte es im Vorfeld akribischer Planung. Die Abläufe wurden exakt aufeinander abgestimmt, so dass die entsprechenden Akteure zur entsprechenden Zeit auch am entsprechenden Ort sind. "Da müssen die Zahnräder ineinandergreifen, wie bei einem Uhrwerk", erklärt Beckmann.

Bei solch einem Projekt läuft dennoch trotz intensiver Vorbereitung nicht immer alles nach Plan: "Unser größter Feind ist das Wetter", sagt Projektleiter Tobias Umbach von Westnetz dem hr. Und das spielte am Dienstagvormittag auch prompt nicht mit, wegen Nebels waren die Sichtverhältnisse zu schlecht. "Wir müssen schon auf Sicht fliegen, hier gibt es ja noch andere Hochspannungsleitungen."

Am Nachmittag ging es dann endlich los, und zwar reibungslos. "Es läuft alles wie am Schnürchen", befand Sprecherin Beckmann, die auch vor Ort war, am späten Dienstagnachmittag. Auch Projektleiter Umbach zeigte sich "sehr zufrieden". Am Mittwoch konnten die Arbeiten wie geplant abgeschlossen werden.

Ohrenbetäubender Lärm

Eine große Rolle spielte auch der Lärm, der Helikopter war ohrenbetäubend laut. Nicht umsonst wurden Anwohner und umliegende Landwirte vorher gewarnt und angehalten, besonders für ihre Tiere entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Trotz des Lärms waren dutzende Schaulustige erschienen, um sich das Spektakel aus der Nähe anzuschauen.

So wie der achtjährige Louis, der bei den Hausaufgaben von dem Lärm aufgeschreckt wurde. Mit seiner Mutter rannte er dann auch gleich nach draußen, um das Spektakel mit großen Augen zu verfolgen. "Es ist schon aufregend, so einen Hubschrauber mit so großen Teilen am Seil zu sehen", staunte der Junge, der selbst großer Hubschrauber-Fan ist. Dieses Erlebnis dürfte seine Begeisterung für Helikopter nicht geschmälert haben.

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