Die beiden Angeklagten im Prozess um mutmaßlichen Betrug in dreistelliger Millionenhöhe mit ihren Verteidigern im Darmstädter Landgericht.

Er hatte mit seiner Anzeige das Verfahren gegen den insolventen Goldhändler PIM aus Heusenstamm erst ins Rollen gebracht. Doch im Prozess schweigt der Zeuge - offenbar aus Furcht.

Als jener Zeuge im Gericht aufgerufen wird, der die Anklage erst ins Rollen brachte, fixiert ihn der gegenübersitzende 50-jährige Hauptangeklagte mit strengem Blick. Die beiden kennen sich. Der 50-Jährige war einst Geschäftsführer der Firma, in der der Zeuge arbeitete. Seine Aussagen im Mai 2017 brachten den Prozess im Darmstädter Landgericht erst ins Rollen. Es geht um mutmaßlichen Betrug mit dem Verkauf von Goldbarren in dreistelliger Millionenhöhe.

Anklage vermutet Schneeballsystem

Am Donnerstag nun dauert die Vernehmung des Zeugen keine fünf Minuten. Der 62-Jährige macht in dem Verfahren gegen den früheren Geschäftsführer und den ebenfalls angeklagten ehemaligen Chef der Vertriebsfirma des Goldhändlers PIM aus Heusenstamm (Offenbach) von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch und sagt: nichts.

"Es sind mehrere strafrechtliche Ermittlungsverfahren gegen ihn anhängig", zitiert Anwalt Marcus Traut aus der Begründung des 62-Jährigen. Er stelle Strafanzeige und sage jetzt kein Wort mehr, kündigte Traut an.

Die PIM Gold GmbH soll zwischen 2016 und September 2019 mit ihren Kunden tausende Lieferverträge einschließlich Bonusversprechen über Gold abgeschlossen, diese dann aber nicht erfüllt haben. Zinsen sollen nach einer Art Schneeballsystem mit dem Geld neu angeworbener Kunden ausgezahlt worden sein. Der Anklage zufolge gibt es berechtigte und geprüfte Forderungen von Anlegern in Höhe von 140 Millionen Euro.

"Wenn er sich für unschuldig hält, muss der Zeuge nicht aussagen"

Angeklagt sind der 50 Jahre alte frühere Geschäftsführer und der 53 Jahre alte Chef der Vertriebsfirma des Goldhändlers wegen schweren Betruges. Der Vorsitzende Richter, Felix Diefenbacher, interpretierte die Begründung des Zeugen so, dass er wohl die Befürchtung habe, die Verteidiger könnten "hanebüchene Dinge" konstruieren. Er befürchte wohl, dass die Verteidigung ihm Vorwürfe mache, um von der Schuld der beiden Angeklagten abzulenken.

"Wenn er sich für unschuldig hält, muss er nicht aussagen", sagte Stefanie Schott, die Verteidigerin des in Untersuchungshaft sitzenden Ex-Geschäftsführers. Zahlreiche andere Zeugen hätten ihn, den ehemaligen Mitarbeiter von PIM, ebenfalls belastet.

Der seit Dezember vergangenen Jahres laufende Prozess soll bis mindestens Dezember dieses Jahres dauern.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels lautete das Zitat der Anwältin Stefanie Schott fälschlicherweise: "Wenn er sich für unschuldig hält, muss er auch aussagen." So hatte es die Nachrichtenagentur dpa aus dem Prozess berichtet. Schott sagte aber: "Wenn er sich für unschuldig hält, muss er nicht aussagen." Dies haben wir korrigiert.

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