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Die alte Frage: Was darf Kunst? Mit Facebook-Posts hat ein Hofgeismarer Künstler gleich zwei SEK-Einsätze ausgelöst. Nun hat auch ein Amtsrichter wenig Sinn für die Performance.

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zum Video Geldstrafe für Foto mit Waffen-Attrappe - Gericht verurteilt Künstler

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Eigentlich wollte Artur Klose zu der Verhandlung in Bademantel, Clownsperücke und Boxhandschuhen erscheinen - als Zeichen für die Freiheit der Kunst, wie der Hofgeismarer Künstler ankündigte. Doch als am Dienstag das Verfahren am Amtsgericht in Hofgeismar (Landkreis Kassel) wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffengesetz beginnt, erscheint er doch ohne Verkleidung, ohne Anwalt, dafür bewaffnet mit einem Aktenordner voller Internetausdrucke und mehreren Kunstbüchern im Gerichtssaal. Es nutzte nichts.

Zweimal rücken SEK an

Das Amtsgericht verurteilte den 49-Jährigen wegen Vortäuschens einer Straftat in Tateinheit mit Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten zu einer Strafzahlung von 1.000 Euro. Im Mai 2018 hatte Klose ein Foto von sich auf Facebook gestellt. Dabei posierte er mit der Replik einer Kalaschnikow und schrieb dazu, er wolle "Richter und Staatsanwalt sehen" und zwar im Gerichtssaal. Wer sich wie der Angeklagte mit einer Waffe hinstelle und Forderungen äußere, "der droht mit dem Einsatz dieser Waffe", sagte der Richter bei der Verhandlung.

Die "Performance" war eine Art Reaktion auf eine Anzeige wegen Volksverhetzung, die ihm seine ironisierte Internetseite "Kanacken sind Untermenschen" eingebracht hatte. Was Klose für absurd hält: "Ich kämpfe gegen den Nazi-Geist in Nordhessen“ sagte er.

Tochter filmt Einsatz eines vermeintlichen Polizisten

Weil Polizei und Staatsanwaltschaft eine echte Gefahr nicht ausschließen können, rücken Spezialkräfte an. Im Mai 2018 gibt es eine Hausdurchsuchung. Plötzlich habe ein Polizist in engem roten T-Shirt und kurzen Hosen und einem Hund an der Leine vor seiner Einfahrt gestanden, sagt Klose. Seine Tochter filmte den Auftritt, das Video liegt dem hr vor.

Ob es sich bei dem Mann darin tatsächlich um einen Beamten handelt, lässt sich abschließend nicht beurteilen. Jedenfalls fuchtelt der Mann in dem Video mit einer Pistole herum und fordert Klose an, sich hinzulegen. Als Klose einen Ausweis sehen will, verheddert sich der Mann mit der Hundeleine - und Klose lacht ihn aus.

Der Einsatzleiter der Polizei sagte am Dienstag vor Gericht aus, Klose habe ihm ein Sturmgewehr überreicht, das sich später als nicht funktionsfähig herausstellte. Zwei Wochen später postet Klose ein ähnliches Foto mit einem zweiten Gewehr - im Clownskostüm. Wieder rücken Spezialkräfte an. Es kommt zur zweiten Hausdurchsuchung.

Gericht bezweifelt, dass es sich um Kunst handelt

Vor Gericht weist der Künstler die Vorwürfe zurück, die Polizeieinsätze provoziert zu haben. Er sieht seine Fotos durch die Kunstfreiheit gedeckt. "Meine Motivation war, ihren Kollegen das Handwerk zu legen. Die dürfen nicht gegen Menschen vorgehen, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzen", sagt er zu Staatsanwalt und Richter - und meint damit das Volksverhetzungsverfahren gegen sich selbst. Die Fotos seien Teil einer Kunstaktion, die Waffen "Arbeitswerkzeug".

"Nur weil sie Kunst dran schreiben, heißt das nicht, dass es Kunst ist", sagt der Staatsanwalt und fordert die Verurteilung wegen zwei Fotos. Der Richter entscheidet anders: Beim zweiten Mal sei kein Vorsatz nachweisbar, Klose sei es darum gegangen, die Behörden lächerlich zu machen.

Als das Urteil fällt, ist es bereits selbst ein Teil eines Kunstwerks. Ein Künstler-Kollege Kloses sitzt im Saal und hat auf einer Staffelei eine Gerichts-Szene festgehalten.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 04.02.2020, 16.45 Uhr