Mechaniker Andreas Winkler neben einem Oldtimer

Andreas Winkler aus Rimbach beschäftigt sich am liebsten mit alten Autos. Als eine Fotografin das Odenwälder Original sieht, ist sie so von dessen Ursprünglichkeit fasziniert, dass sie gleich eine ganze Fotoreihe startet.

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Wie ein Oldtimer-Schrauber zum Fotomodell wurde

hs
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Eigentlich hatte Fotografin Nicole Zimmer ihre Kamera schon vor Jahren an den Nagel gehängt. Doch als sie den Odenwälder Andreas Winkler erblickt, erwacht der Jagdinstinkt in ihr erneut. Die 44-Jährige ist fasziniert vom Charisma des Autoschraubers aus Rimbach-Zotzenbach (Bergstraße), der sich der Restauration und Reparatur von Oldtimern verschrieben hat.

Mit einer kaputten Vespa fing es an

Zimmer hatte eine alte kaputte Vespa und kannte niemanden, der sie wieder in Gang setzen könnte. Winklers Werbeschild hatte sie im Vorbeifahren zwar schon mal irgendwie wahrgenommen, ihm aber wenig Beachtung geschenkt. Erst ein Hinweis aus dem Bekanntenkreis führt sie zu der kleinen Werkstatt.

Mechaniker Andreas Winkler lehnt an einem Baum

Noch interessanter als die Mechaniker-Künste des 54-Jährigen ist für Zimmer, die in den letzten Jahren als Grafikerin gearbeitet hat, die urige Erscheinung des Odenwälder Originals. "Ich hatte das Interesse am Fotografieren schon fast verloren – bis ich auf Andreas Winkler traf", sagt sie.

Das zerfurchte, grummelig wirkende, herb-männliche Gesicht mit dem Vollbart, seine Ursprünglichkeit, die Authentizität - all das will sie unbedingt in Szene setzen. Winkler ist zunächst skeptisch, erklärt sich dann aber doch einverstanden.

Den echten Menschen zeigen

Es soll ein Kontrastprogramm werden zu den tagtäglich millionenfach geposteten Selfies, deren grinsende Protagonisten sich durch vermeintliche Beauty-Filter oder mit übertriebenen Knutschmund bis zur Unkenntlichkeit selbst entstellen. Zimmer will "den echten, den realen" Menschen zeigen.

Mechaniker Andreas Winkler kehnt an einem Baum

Man trifft sich zu einem Fotoshooting, aus dem eine ganze Reihe von Bildern entstehen, die einen in sich gekehrten Menschen zeigen. Winkler mal sinnierend neben einer restaurierten Karosse, mal lässig in der Werkstatt, dann wieder im Nadelstreifenanzug mit Krawatte und Zeitung am Frühstückstisch.

103 Jahre altes Auto in der Werkstatt

Fotografin und Modell haben sich gesucht und gefunden. Beide verbindet die Liebe zum Ursprünglichen. Den Quereinsteiger Winkler faszinieren alte Dinge, besonders alte Fahrzeuge. "Die klassischen Formen, das Fahrgefühl, die Technik – das gefällt mir sehr gut", sagt er.

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"Ein Typ, den man fotografieren muss"

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Das zurzeit älteste Auto in seiner Werkstatt ist ein Buick aus dem Jahre 1919, doch auch vieles aus den 80er Jahren hat er in der Mache. "Die heutigen Dinger mit ihren Computern, das ist nicht meine Welt", sagt er. "Wenn ich jeden Tag neue Autos reparieren müsste, würde ich den Beruf nicht ausüben."

Andere glücklich machen

Den Schrauber macht es glücklich, andere glücklich zu machen. "Da kommen Kunden zu mir, die haben ein Problem und wissen nicht, wohin." Und er, der Oldtimer-Versteher, kann ihnen helfen. "Die freuen sich dann so, dass wieder alles in Ordnung ist."

Es sind solche selten gewordenen kleinen Handwerksbetriebe, die die Rimbacherin ins rechte Licht rücken will. "Ich möchte diesen Betrieben wieder die Aufmerksamkeit geben, die sie verdienen", sagt Zimmer. Geplant ist eine ganze Reihe, in der sie weitere Betriebe aus der Region vorstellen will. Kontakte sind bereits geknüpft.

Er wäre gerne mal Leiche im Tatort

Und Winkler? Der genießt inzwischen sein gelegentliches Dasein als Fotomodell. "Es macht Spaß, auch einfach mal nur ruhig dazusitzen und nichts zu tun", sagt er verschmitzt. Könne ja sein, dass ihn jemand als Best-Age-Model entdeckt.

Jetzt, wo er ein kleines bisschen Show-Luft geschnuppert hat, träumt der Werkstatt-Besitzer auch schon von einer bescheidenen Schauspielkarriere: "Eine Wasserleiche im Tatort spielen, das wäre mal was."

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