Vorsicht Blitzeis: Die Stadt gönnt den Frankfurtern doch noch eine Eisbahn, sogar schon vor Weihnachten. Was anderswo keine große Sache ist, verlangt Planern und Politikern alles ab und belastet die Koalition.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurt gönnt sich eine Mini-Eisbahn

Eisbahn am Frankfurter Mainufer
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7,5 Meter mal 30 Meter macht 225 Quadratmeter, was auf den ersten Blick für einen Winterzauber etwas dürftig anmuten könnte. Aber muss es immer gleich ins Gigantomanische gehen wie beim "Bad Homburg Eiswinter" mit seinen protzigen 500 Quadratmetern? Kann es nicht einmal eine Nummer kleiner laufen als in einem Dorf bei Limburg mit seinen 300 Quadratmetern "Elzer Eiszauber"?

Manche in solchen städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen weniger erfahrene hessische Kommune jedenfalls wäre froh, ihr 7,5x30-Meter-Großprojekt am Ende überhaupt gestemmt zu bekommen. Das Städtchen Frankfurt am Main zum Beispiel mit seinen 750.000 Einwohnern.

Keine triviale Angelegenheit

Rechtzeitig, in Frankfurt heißt das nach rund einem Jahr Planung, einem Jahr Disput und eine Woche nach Eröffnung des Weihnachtsmarktes, sind die Aufbauarbeiten am Mainkai in vollem Gange. Die Sache fordert die Arbeiter, die gerade mit dem Eismachen begonnen haben. Und sie nervt Planer in der Stadtverwaltung, Politiker im Römer und Geschäftsleute in der Innenstadt.

Denn während die Läufer nun doch von den ersten Pirouetten am Flussufer träumen dürfen, und das doch noch vor Heiligabend, ist manches noch unklar und eigentlich alles strittig.  Und nicht nur die praktische Frage, ob für Pirouetten überhaupt Platz genug auf der Fläche ist. "Die Angelegenheit ist nicht trivial" – so trat ein Stadtsprecher noch vor zwei Wochen in der FNP allzu drängelnden Starttermin-Anfragen entgegen. Wer da draußen erahnt schon die Komplexität des Vorhabens?

So viele Details, so viel Abstimmungsbedarf, so viele Widerstände.

Der Start: Marketingexperten setzen auf Alleinstellungsmerkmale. Die ursprünglich geplante Eisbahn-Eröffnung im Januar hätte Frankfurt exklusiv gehabt. Jetzt will die Stadt doch etwas forscher ran, Blitzeis sozusagen. Spätestens kommenden Sonntag könnte es losgehen, vielleicht sogar früher. Allerdings gilt, wie das Planungsdezernat am Dienstag erklärte: "Eismachen kann man nicht auf die Stunde planen." Gewissheit herrscht beim Ende (letzter Tag 19. Januar) und bei den Öffnungszeiten (von 10 bis 22 Uhr).

Die Dimension: Kritik an fehlender visionärer Kraft prallt im Römer ab. "Das soll ja keine Konkurrenz zur Eissporthalle werden", heißt es dazu lapidar. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) bleibt dabei: Üppig seien die Maße in Anbetracht vielfach größerer Angebote in deutlich kleineren Kommunen nun wirklich nicht.  

Das Geld: Das Planungsdezernat tritt auf Anfrage Spekulationen entgegen, das 100.000-Euro-Budget könnte knapp werden. "Das müsste reichen", heißt es. Die IHK findet mit neidvollem Blick auf andere Winter-Eisbahnen: Die Summe hätte anderswo auch für einen größeren Wurf gereicht.

Und vor allem der Standort: Am Mainkai, gegenüber dem Historischen Museum, hat die Eisbahn-Fachfirma jetzt unverrückbare Pflöcke eingerammt. Die Belastung für die schwarz-rot-grüne Koalition im Römer bleibt, die CDU spricht sogar von einem Bruch der Koalitionsvereinbarung.

Was die Verwaltung für eine "Attraktion am Main" hält, ist den Gegnern viel zu weit weg vom Schuss. Der Roßmarkt wäre ihnen lieber gewesen. "Wo definitiv nichts los ist“, wird die Eisbahn nach Meinung von IHK-Vize-Geschäftsführer Hanns-Peter Laux nun dem gebeutelten Einzelhandel und der Gastronomie das Weihnachtsgeschäft nicht aufbessern.

Was eine Totalsperrung damit zu tun hat

Hintergrund der ganzen Sache: Kritiker halten den Mainkai als Eisbahn-Standort für eine Verlegenheit. Nach der umstrittenen Totalsperrung für den motorisierten Verkehr habe die Stadt nun kein Konzept für eine Nutzung. Klar ist immerhin: Angesichts der Maße kommen Radfahrer und Fußgänger locker am "Eis am Main" vorbei.

Sendung: hr3, 3.12.2019, 7.30 Uhr