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Audioseite Wie sich Eltville ans extremere Klima anpasst

Weinberge im Herbst nähe Eltville, mit Logo

Starkregen, Erosion, Dürre - wegen des Klimawandels kommt das auch im Rheingau immer häufiger vor. In Eltville geht man daher im Weinbau seit Jahren neue Wege. Dafür bekam die Stadt den Deutschen Nachhaltigkeitspreis.

Was es bedeutet, wenn Starkregen über dem Rheingau niedergeht, weiß Patrick Kunkel nur zu genau. Der Bürgermeister von Eltville wohnt am Fuß eines Hangs und hat nach solchen Wetterlagen gefühlt den halben Weinberg im Garten. Erosion ist ein Riesen-Problem. Kunkels Mission deshalb: Wir retten den Riesling. "Mit so einem lockeren Spruch rüttelt man mehr Menschen auf, als wenn man denen was von Klimaschutzanpassung erzählt. Wir retten den Riesling - da weiß jeder, was gemeint ist", sagt der CDU-Politiker.

Unter all den Weinbaugemeinden im Rheingau hat Eltville die meisten Hang- und Steillagen. Der Steinberg bei Eltville-Martinsthal etwa ist so steil, dass viele Winzer hier längst aufgegeben haben.

Die wertvollen Weinbergsböden zu schützen und den Weinbau zu erhalten, sei das Ziel seiner Nachhaltigkeitsstrategie, sagt der Bürgermeister. Denn es gebe zwei Probleme, die man zusammen betrachten müsse, auch wenn sie sehr gegensätzlich seien: "Einmal haben wir zu schnell zu viel Wasser, und dann haben wir über Monate einfach viel zu wenig Wasser. Wenn wir also das Wasser zurückhalten, nähren wir die Reben und schützen wir die Menschen in den Dörfern. Nach den Katastrophen an der Ahr und an der Erft ist jedem klar, wie wichtig das ist."

Starkregen-Simulation am Computer

Auch in Eltville sind schon Menschen ertrunken, nachdem ein harmloser Bach plötzlich angeschwollen war. Das ist zwar Jahrzehnte her, soll sich aber auf keinen Fall wiederholen. Deshalb hat die Stadt in einer Computersimulation untersuchen lassen, wann es wo gefährlich wird. Das Problem ist nicht der Rhein, dort weiß man vorher genau, wann die Scheitelwelle kommt. Es sind die kleinen Bäche, wie Patrick Kunkel gelernt hat.

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zum hr-fernsehen.de Video alle wetter! vom 25.10.2021

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Die Starkregensimulation habe ihn sehr beeindruckt, sagt der Bürgermeister: "Innerhalb weniger Sekunden wird alles blau, erst hellblau, dann dunkelblau, wo das Wasser fließt. Man sieht genau, bei welcher Regenmenge welche Teile des Ortes geradezu verschwinden."

Weitere Informationen

hr-Themenwoche zur Klimaanpassung

Der Klimawandel verändert die Welt. In einer Themenwoche vom 25. bis 29. Oktober anlässlich des Weltklimagipfels in Glasgow berichtet der hr, wie sich hessische Kommunen auf diese Veränderungen einstellen. Die hessenschau um 19.30 Uhr widmet eine Serie den Themen Heizen, Industrie, Wohnen, Mobilität, Energie. Die Sendung alle wetter! geht am 26. Oktober, 19.15 Uhr, der Frage nach, wie wir uns auf Hitzeperioden vorbereiten können, und am 28. Oktober, 19.15 Uhr, den Auswirkungen extremer Kälte auf den Organismus. Außerdem berichten hr-iNFO, hr1 und hr3 in ihrem Programm über Klimawandel und Klimaanpassung.

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Der Klimawandel bringt es mit sich, dass die Niederschläge massiver, schneller und härter kommen. Und dass sie am Hang und in den Steillagen tonnenweise wertvollen Weinbergsboden abschwemmen, der mühsam wieder hinaufgeschafft werden muss. Der Weinbau hat deshalb in den Steillagen wie rund um Eltville nur eine Zukunft, wenn man die Reben quer zum Hang in Terrassen pflanzt.

Querterrassen in den Weinbergen

Die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach bewirtschaften mit 90 Hektar so viele Steillagen wie kein anderes Weingut in Deutschland, auch in Rauenthal bei Eltville. Sie stellen nach und nach auf Querterrassen um und sind damit Vorbild für andere Winzer.

Ihr Geschäftsführer Dieter Greiner sagt: "Die Querterrasse bricht den Hang sozusagen auf. Von Terrasse zu Terrasse sind es immer nur wenige Meter, da fließt das Wasser langsamer. Man hält es im Weinberg und vermindert die Erosion."

Weinberge in Herbstfarben im Rheingau

Weitere Vorteile der Querterrassen: Die Arbeit ist weniger gefährlich als im Steilhang; man kann dort Maschinen einsetzen; und man schafft mit Böschungen wertvollen Lebensraum für heimische Wildpflanzen, Insekten und kleine Tiere. Die auf Weinbau spezialisierte Hochschule Geisenheim hat dafür eigens regionales Saatgut entwickelt. Wanderer freuen sich über das buntere Landschaftsbild in den Weinbergen.

Sickergruben am Wegesrand

Im Stadtgebiet Eltville gibt es 24 Kilometer Bachläufe, 23 Kilometer Grabensysteme und 190 Kilometer Feldwege. Wo flutet das Regenwasser hin? Wie kann man es kontrolliert ableiten? Wo kann man es aber auch auffangen, um Pflanzen und Tiere in trockenen Sommern zu versorgen?

Diesen Fragen sind Bürgermeister Kunkel und sein Betriebshofleiter Stefan Seyffardt nachgegangen und haben sich dabei eine simple Technik von den Forstleuten abgeschaut. Die sammeln das Regenwasser, indem sie im Wald einfach Löcher in den Boden graben.

Sickergrube auf einem Weinberg bei Eltville

Solche Sickergruben buddelt Stefan Seyffardt jetzt auch entlang der Weinbergswege: "Wir graben mit dem Bagger am Wegesrand Löcher von drei bis fünf Kubikmetern, wo das Regenwasser reinfließt und langsam versickert." Das hebe den Grundwasserspiegel und entlaste die Bäche. 20 Sickergruben gibt es schon, zehnmal so viel könnten es werden.

Für diese und andere Maßnahmen zur Klima-Anpassung im Weinbau bekam die Stadt Eltville im vergangenen Jahr den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Seit 2019 arbeitet sie dafür mit der Hochschule Geisenheim und dem Wuppertal-Institut zusammen. Mit "KliANet" hat die Stadtverwaltung ein Netzwerk mit Weinbauverband und Winzern geschaffen.

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