Wiesbadener Stadtteil Bierstadt, hier im Bilddie Evangelische Kirche in der Venatorstraße

Weltbekanntes Bierstadt? Wiesbaden will ganz groß rauskommen - mittels einer neuen von Microsoft entworfenen Schrift namens "Bierstadt". Die heißt zwar nur zufällig so wie der Wiesbadener Bezirk. Trotzdem hofft die Landeshauptstadt auf einen Werbeeffekt.

Tasche mit Aufschrift "Nur schöne Typen: bierstadt."

Eine geplante neue Standardschriftart des Computerunternehmens Microsoft könnte einen Wiesbadener Stadtteil weltberühmt machen. Denn eine der möglichen Schriftarten heißt "Bierstadt" - genauso wie der 12.500-Einwohner-Bezirk der hessischen Landeshauptstadt.

Wie die Stadtverwaltung mitteilte, startete nun eine Wiesbadener Werbeagentur eine Kampagne für "Bierstadt" als Microsoft-Schriftart. Unter anderem mit Stoffbeuteln, Tasse, Aufklebern und T-Shirts, die mit lustigen Sprüchen die Aufmerksamkeit auf die neue Schrift lenken sollen. Die ist nämlich noch längst nicht auserkoren: Zur Wahl stehen von Microsoft außerdem "Tenorite", "Skeena", "Grandview" und "Seaford". Sie sollen die Systemschrift "Calibri" ablösen.

Eigentlich geht es um einen Berg in den Rocky Mountains

Microsoft hatte Ende April via Twitter nach der Meinung der Nutzer gefragt. Zur Abstimmung über die Wahl der Schrift sind bis zum Jahresende alle Nutzerinnen und Nutzer von Microsoft-Anwendungen aufgerufen, wie die Stadt Wiesbaden jetzt mitteilte.

Tweet von Microsoft

Der Schriftdesigner Steve Matteson aus Boulder im US-Bundesstaat Colorado hatte sich bei der Namensgebung jedoch nicht von Wiesbaden, sondern von einem Berg in den Rocky Mountains inspirieren lassen, wie die Stadt unumwunden einräumte. Dieser Berg ist nach dem Landschaftsmaler Albert Bierstadt (1830-1902), einem gebürtigen Solinger, benannt. Der Schriftdesigner sei von der Aktion aus Wiesbaden jedoch begeistert, verkündete die Stadt.

Die Schrift steht bereits jetzt zum Test für Microsoft-Abonnenten bereit. Sie orientiert sich ästhetisch an Schweizer Groteskschriften aus der Mitte des 20. Jahrhunderts und soll sich durch eine hohe Lesbarkeit und klare Formensprache auszeichnen.

Bierstadt in den Rocky Mountains

Ob die Stadt die Schrift selbst einsetzen würde, ist noch unklar

Bürgermeister Oliver Franz (CDU) zeigte sich laut Mitteilung begeistert: "Es wäre doch wunderbar, wenn Bierstadt künftig von über einer Milliarde Menschen auf allen Kontinenten genutzt werden würde!" Ob auch die Stadt Wiesbaden im Falle eines Sieges die Schrifttype in ihrem offiziellen Schriftverkehr nutzen würde, war indessen am Dienstag noch unklar. "Ich könnte mir das durchaus vorstellen", sagte der persönliche Referent des Bürgermeisters, Christian Stettler, auf hr-Anfrage. "Allerdings sind solche Änderungen in der Verwaltung oft ein bisschen schwierig."

Gemälde des Malers Albert Bierstadt aus dem Jahr 1863 mit Darstellung der Rocky Mountains.