Sind durch Wilke-Produkte mehr Menschen gestorben als angenommen? Das Robert-Koch-Institut bestätigt drei Listeriose-Opfer außerhalb Hessens. Eine Verbindung zu Wilke liegt nahe. Der geschlossene Wursthersteller kämpft derweil um seine Zukunft.

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Durch keimbelastete Ware der inzwischen geschlossenen Großmetzgerei Wilke aus Twistetal (Waldeck-Frankenberg) sind offenbar drei Menschen außerhalb Hessens gestorben. Das legt ein am Donnerstag veröffentlichtes Bulletin des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin nahe.

37 Fälle seit 2014

Laut RKI lebten die drei Personen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Sie sind dem Bericht zufolge direkt oder indirekt an Listeriose gestorben. Die gefundenen Erreger werden einem Stamm zugeordnet, der seit 2014 in insgesamt 37 Fällen nachgewiesen wurde, meist bei Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen.

Die Behörde geht davon aus, dass die Infektion aus derselben Quelle stammt. Die Listerien seien mit denen aus einem Lebensmittelbetrieb in Hessen sehr nahe verwandt, heißt es in dem Bericht. Namentlich genannt wird die Firma Wilke darin nicht.

Keine Fälle aus Hessen erwähnt

Das Landratsamt des Kreises Waldeck-Frankenberg hatte vor einigen Tagen von zwei Todesfällen in Südhessen durch Listerien berichtet, die auf Produkte des nordhessischen Betriebs zurückzuführen sind. In der Mitteilung des RKI ist davon allerdings keine Rede. Der Wursthersteller Wilke wurde vom Landkreis geschlossen.

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Wo es überall Wilke-Wurst gab

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Wilke hat vorläufige Insolvenz angemeldet, ein Insolvenzverwalter wurde eingesetzt. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt gegen den Geschäftsführer des Unternehmens wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Gegen die Schließung wehrt sich das Unternehmen juristisch. Beim Verwaltungsgericht Kassel ging einem Sprecher zufolge am Donnerstag ein Eilantrag ein mit dem Ziel, den Betrieb fortzuführen.

Beschäftigte bangen um Jobs

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Eine Petrischale mit MRSA-Keimen
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Unterdessen bleibt die Zukunft der 200 Wilke-Beschäftigten ungewiss. "Aktuell ist es das Wichtigste, dass die Mitarbeiter an ihr Geld kommen", erklärte Andreas Kampmann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Viele Septemberlöhne stünden noch aus. Wie und ob es für Wilke weitergehe, sei völlig unklar.

Kampmann hofft, dass sich ein Investor findet, der den Betrieb gegebenenfalls unter anderem Namen weiterführt. "Selbst mit ganz viel Wohlwollen fällt es mir schwer, sich vorzustellen, wie man den Markennamen Wilke künftig noch platzieren will."

Sendung: hr-iNFO, 10.10.2019, 19.00 Uhr