Manches Schneegebiet in Hessen kann sich vor Lockdown-geplagten Besuchern kaum retten. Nicht nur der Polizei wird alles zu viel. Der Wintersportort Willingen bereitet drastische Maßnahmen vor.

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Audioseite Chaos in Ausflugsgebieten

Eine Straßensperre auf der Zufahrtsstraße zum Großen Feldberg.
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Allen Warnungen zum Trotz kamen am Wochenende wieder viel zu viele Ausflügler nach Willingen: Der nordhessische Wintersportort plant deshalb für diese Woche ein Betretungsverbot für Skipisten, Rodelhänge und Parkplätze.

Das werde der für den Infektionsschutz zuständige Kreis Waldeck-Frankenberg anordnen, kündigte Bürgermeister Thomas Trachte (parteilos) am Sonntag gegenüber dem hr an. Das Verbot gilt voraussichtlich ab Dienstag (5. Januar), wie die Gemeinde noch am Abend mitteilte.

2.500 Autos wieder weggeschickt

Die Zahl der Besucher sei zu hoch, um eine Einhaltung der Corona-Regeln zu gewährleisten, betonte Trachte. Das infolge des Andrangs entstandene Verkehrschaos sei auch den Einwohnern nicht zuzumuten. Die aktuelle Sperrung der Zufahrtswege soll auch in den kommenden Tagen aufrechterhalten werden.

Am Sonntag hatte die Polizei nach Angaben der Gemeinde rund 2.500 Autos die Zufahrt nach Willingen verweigert, rund 7.500 Personen hätten daraufhin den Heimweg antreten müssen. Das Betretungsverbot werde zudem von Polizei und Ordnungsamt kontrolliert werden, mahnte die Gemeinde am Sonntagabend.

Betretungsverbot gilt bereits im NRW-Nachbarort

Trachte führt den noch gestiegenen Andrang darauf zurück, dass nach Betretungsverboten im nahegelegenen nordrhein-westfälischen Skiort Winterberg viele Menschen nach Willingen ausgewichen seien. Die Motive der Besucher seien verständlich, und die Wintersportbedingungen seien optimal.

"Es blutet einem das Herz. Willingen ist ein Tourismusort und steckt viel Kraft darein, Menschen für sich zu begeistern", sagte Trachte. Aber so könne es nicht weitergehen.

Polizei sperrte Zufahrten zum Großen Feldberg

Doch nicht nur Willingen ist im Lockdown zum Besuchermagnet geworden. In ganz Hessen nahm der Ansturm auf die verschneiten Ausflugsgebiete auch am Sonntag nicht ab - und das trotz geschlossener Skilifte und geradezu flehentlicher Aufrufe, zuhause zu bleiben.

Die Polizei bat wegen des hohen Verkehrsaufkommens erneut darum, das Gebiet um den Großen Feldberg zu umfahren. Das gelte insbesondere für Schmitten (Hochtaunus) und die Ortsteile Oberreifenberg, Niederreifenberg, Arnoldshain, Hegewiese, Königstein und Oberursel.

Wegen des befürchteten erneuten Verkehrschaos sperrte die Polizei die Zufahrt über die Bundesstraße 8 sowie den Königsteiner Ortsteil Falkenstein für den Autoverkehr. Außerdem sei die Verbindungsstraße zwischen Glashütten-Oberems und Schmitten-Dorfweil gesperrt. Dazu mussten auch etliche Beamte aus dem Urlaub oder ihrem freien Wochenende geholt werden, sagte ein Polizeisprecher dem hr.

Seit Tagen "chaotische Zustände" am Feldberg

Bereits am Samstag hatte ein Sprecher der Polizei in Königstein von "so chaotischen Zuständen wie in den letzten Tagen" gesprochen. Zahlreiche Ausflügler seien trotz gesperrter Gipfel-Zufahrten unterwegs gewesen. Straßen in den umliegenden Ortschaften rund um den Feldberg waren zugeparkt, zum Teil auch die Bundesstraße - trotz der Gefahr durch Schnee- und Eisbruch.

Auch bei Königstein-Falkenstein standen am Samstag viele Autos Schlange, weil ihre Besitzer unbedingt zum Großen Feldberg wollten.

Chaos auch im Odenwald und in der Rhön

Auch die Neunkircher Höhe sei völlig überlaufen, teilte das zuständige Polizeipräsidium Südhessen dem hr am Sonntag mit. Der Bürgermeister sei gemeinsam mit Bauarbeitern und Polizei ausgerückt, um Straßen zu sperren. Der Verkehr um den höchsten Berg im Odenwald sei völlig zum Erliegen gekommen. Bei der Suche nach dem besten Platz im Schnee kam es unter den Besuchern zu Handgreiflichkeiten.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auf der Wasserkuppe in der Rhön. Auch dort zog es am ersten Wochenende des Jahres viele Menschen nach draußen, Autos parkten kreuz und quer auf Wiesen und Fahrbahnrändern. Und auch hier sperrte die Polizei die Zufahrt - genauso wie an der Herchenhainer Höhe im Vogelsberg und der Sackpfeife bei Biedenkopf.

Situation in Nordhessen am Sonntag entspannter

Die Polizei verzeichnete auch im nordhessischen Wintersportort Willingen (Waldeck-Frankenberg) und auf dem Hohen Meißner ein erhöhtes Besucher- und Verkehrsaufkommen. In dem Mittelgebirge im Werra-Meißner-Kreis war besonders am Samstag viel los. "Trotz einer geschalteten Rundfunkwarnmeldung ließ der Besucherstrom nicht nach", sagte ein Polizeisprecher.

Verkehrsteilnehmer hätten Gefahrenbereich zugeparkt oder sich auf eisglatter Fahrbahn festgefahren. Bei einem Rettungseinsatz habe ein Notarzt deswegen per Hubschrauber zum Einsatzort gebracht werden müssen.

Am Sonntag war die Situation in Nordhessen zunächst entspannter - trotz vieler Besucher. Die Parkplätze seien aber "überfrequentiert", sagte ein Sprecher der Polizei in Kassel. Daher habe man Zufahrtsstraßen in Willingen und am Hohen Meißner gesperrt. Damit habe man auch Verstößen gegen die Corona-Regelungen vorbeugen wollen.

2.000 Besucher in Niedernhausen

Hohe Besucherzahlen von zeitweise bis zu 2.000 Menschen sorgten am Freitag und Samstag auch rund um den Engenhahn-Wildpark in Niedernhausen (Rheingau-Taunus) für Polizeieinsätze. Weil Ausflügler mit ihren geparkten Fahrzeugen Rettungswege und innerörtliche Straßen blockierten, wurden neue Beschilderungen der Zufahrtswege und neue Halteverbotszonen errichtet, wie die Polizei mitteilte.

Sendung: hr-iNFO, 03.01.2021, 15 Uhr