Skelett Heinrich entführt

Seit Wochen geistert ein Skelett namens Heinrich durch die sozialen Netzwerke. Doch am Montag wurde der Social-Media-Star entführt. Die Erpresser forderten Lösegeld von der Odenwaldgemeinde Fürth. Inzwischen ist Heinrich wohlbehalten zurück - und das Geheimnis um seine Herkunft gelüftet.

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Ein entführtes Plastik-Skelett und seine spektakuläre Rückgabe haben der Gemeinde Fürth im Odenwald überregionale Medienaufmerksamkeit eingebracht. "Heinrich" war in den vergangenen Wochen in unterschiedlichen Verkleidungen an immer anderen Orten in Fürth (Bergstraße) aufgetaucht - ohne dass jemand wusste, wem er gehört.

Fotos von ihm machten in den sozialen Netzwerken die Runde, nach Aussage des Bürgermeisters Volker Oehlenschläger (CDU) wollte sich "jeder" mit ihm fotografieren lassen.

Entführer forderten Lösegeld

Doch dann kam am Montag plötzlich die Schreckensnachricht: Der klapprige Social-Media-Star war verschwunden, genauer gesagt, entführt worden. Auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz berichtete Bürgermeister Oehlenschläger von zwei Erpresserbriefen.

Unbekannte hatten sie ordnungsgemäß aus einzelnen Zeitungsbuchstaben zusammengeklebt - Lösegeldforderung inklusive. Sogar ein Foto des festgeketteten Heinrichs hatten die Entführer beigefügt.

Heinrich gibt dem hr eines seiner seltenen Interviews.

2.000 Euro für die Kita Rasselbande

Heinrich werde nur dann zurückkehren, wenn die Gemeinde 1.000 Euro an die ortsansässige Kita Rasselbande übergebe, teilten die Entführer in dem Schreiben mit. Die Gemeinde leistete keinen Widerstand.

"Wir haben das Geld, wir können zahlen", ließ der Bürgermeister die Entführer über hr3 wissen. Weil das Geld einem guten Zweck zugute komme, gehe er ausnahmsweise auf die Forderung ein. Die Kita dürfte es freuen: Für sie kamen am Ende sogar mehr als 2.000 Euro zusammen.

Und auch für Heinrich ging die Geschichte glimpflich aus: Am Donnerstagabend fiel das Skelett quasi vom Himmel. Mutige Fallschirmspringer hatten es aus den Klauen der Kidnapper befreit und landeten gegen 19 Uhr unter großem Applaus auf dem Sportplatz des Fürther Ortsteils Krumbach. Die maskierten Entführer ergaben sich mit erhobenen Händen.

Bürgermeister: Keine PR-Aktion

Jetzt wurde auch das Geheimnis um Heinrichs Besitzer gelüftet. Denn unter den Masken verbargen sich die Cousins Christian Wagner und Matthias Hallstein aus Krumbach. Das Skelett hätten sie auf dem heimischen Dachboden gefunden, erzählten die beiden.

Zum Spaß setzten sie es auf eine Parkbank - und schon hatte Heinrich seine ersten Fans. Als der Trubel immer größer wurde, kamen die beiden auf die Idee, Heinrich "entführen" zu lassen - damit er noch einen guten Zweck erfüllen könne.

Der "bleiche Heinrich" trinkt offenbar gerne Bier.

Der Gemeinde Fürth brachte die Aktion eine Menge Aufmerksamkeit. "Die Geschichte war nicht geplant - sie ist einfach passiert", sagte Bürgermeister Oehlenschläger am Donnerstag. "Wir kamen uns vor wie Akteure in einer Inszenierung. Alle haben über uns berichtet, ich habe jeden Tag Interviews gegeben."

Und Heinrich? Der wird seit seiner Rückkehr im Wildtierpark Erlenbach ausgestellt. Als kleines Mysterium, wie der Bürgermeister augenzwinkernd meint, und "spektakulärer Abschluss einer tollen Sommerstory".

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 31.07.2020, 19.30 Uhr