Dicke Schneeflocken fallen auf der A7 bei Kassel.

Der erste Schneeregen mit Blitzeis und Glätte ist in Nord- und Osthessen angekommen. Der Deutsche Wetterdienst rät dringend, am Sonntag zu Hause zu bleiben.

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hessenschau vom 06.02.2021
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Schneefall bis ins Flachland, plötzlich einsetzender Eisregen und Glätte: Im nördlichen Teil Hessens ist es seit Samstagabend ungemütlich. Der Deutsche Wetterdienst mit Sitz in Offenbach warnte vor "extrem starken Schneeverwehungen" und riet dringend, alle Autofahrten zu vermeiden. "Straßen und Schienenwege können unpassierbar sein", hieß es in der Warnung weiter.

Rund um den Vogelsberg, bei Marburg, aber auch im Knüll hatte sich am späten Samstagnachmittag eine gefährliche Wetterlage aus Schnee und Regen zusammengebraut. Es begann gegen 15.30 Uhr zwischen Schotten und Lauterbach (Vogelsberg). Kurz darauf gab es auch Eisregen zwischen Hilders und Gersfeld (Fulda). Ab einer Höhe von 750 Metern lagen die Straßen dort laut Polizei unter einer geschlossenen Schneedecke.

Unfälle in Osthessen

In Osthessen kam es wegen der Glätte zu mehreren Unfällen. Bei Eichenzell (Fulda) überschlug sich ein Auto mehrfach. Zwischen Herbstein und Grebenhain (Vogelsberg) fuhr ein Autofahrer mit zu hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum. Die Feuerwehr berichtete, die Glätte habe die Bergungsarbeiten erschwert.

Deutschlandkarte mit der erwarteten Ausbreitung von Glätte

Auch aus Nordhessen werde bereits der erste Schneeregen gemeldet, sagte Thomas Ranft aus der hr-Wetterredaktion am Nachmittag: "Wo die warme Luft aus dem Süden auf die kalte Luft aus dem Norden trifft, wird es jetzt besonders spannend." Wegen der großen Temperaturunterschiede gefriere der Regen dort schlagartig. Es drohten Eisbruch und Stromausfälle. Oberleitungen könnten einfrieren, Bäume umstürzen.

Für Reisende, die möglicherweise in Kassel stranden, stellte die Deutsche Bahn am Samstag vorsorglich Übernachtungsmöglichkeiten bereit. Außerdem werde man den Reisenden mit Taxigutscheinen helfen, doch noch an ihr Ziel zu kommen, sagte eine Sprecherin.

20 Zentimeter Neuschnee

Dass eine Kalt- und eine Warmfront mit mehr als zehn Grad Temperaturunterschied aufeinander prallen, ist ungewöhnlich. Zuletzt habe es ein solches Phänomen 2005 im Münsterland gegeben, so Ranft. Damals seien Hochspannungsleitungen umgeknickt.

Deutschlandkarte mit den erwarteten Schneehöhen bis Montag

Im Norden könnten die Temperaturen in der Nacht auf -8 Grad fallen. Selbst in tiefen Lagen würden 20 Zentimeter Neuschnee erwartet, möglich seien in der Nacht zum Sonntag sogar bis zu 40 Zentimeter, sagte Ranft: "Das wird auch am Sonntag nicht vorbei sein."

Deutschlandkarte mit der erwarteten Ausbreitung der Kaltfront

Pegelstände im Süden könnten wieder steigen

Bis sich die Kaltfront in den Süden vorgearbeitet haben wird, dürfte im Rhein-Main-Gebiet Schnee dagegen kein Thema sein. Hier werden Temperaturen über 0 Grad und Dauerregen erwartet. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) rechnet deshalb wieder mit steigenden Pegelständen in einigen Flüssen und Bächen.

Am Samstag entspannte sich die Hochwasser-Lage zunächst. Am stärksten betroffen war der Nidderauer Ortsteil Windecken (Main-Kinzig), wo an der Nidder die Meldestufe II überschritten wurde und somit ein "mittelstarkes Hochwasser" galt. Diese Stufe wurde ebenfalls weiterhin am hessischen Rheinabschnitt gemeldet.

Im Laufe des Wochenendes seien weitere Überschreitungen der Meldestufen möglich, teilte das HLNUG mit. Auch an Nidda, Nidder, Kinzig und Schwarzbach drohe Meldestufe II. Bei Glauberg an der Nidder sei zudem die höchste Meldestufe III "nicht ausgeschlossen".

Hochwasser führt zu Schiffsunfällen

An der Main-Schleuse Großkrotzenburg bei Hanau führte die starke Strömung innerhalb weniger Stunden zu zwei Schiffsunfällen. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei rammte am Samstagvormittag ein Güterschiff den Molenkopf und riss sich dabei ein Loch in die Bordwand. Erst am Freitagnachmittag hatte sich an derselben Stelle ein mit 3.200 Tonnen Eisenschrott beladenes Frachtschiff zwei seiner sieben Kammern aufgerissen.

"Das ist eine tückische Stelle und wegen des Hochwassers derzeit schwierig zu befahren", sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Verletzt wurde bei den Unfällen niemand.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 06.02.2020, 19.30 Uhr