Dietzenbach Hochhaussiedlung

Nach dem Angriff gegen Einsatzkräfte in Dietzenbach ist die Polizei weiter in der Hochhaussiedlung präsent. Der Bürgermeister erklärt sich den Gewaltausbruch auch mit der Corona-Krise.

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Es war ein geplanter Gewaltausbruch in einem Hochhausviertel in Dietzenbach (Offenbach). Vor zwei Wochen legten Randalierer Feuer und lockten Polizei und Feuerwehr in einen Hinterhalt. Seitdem hat die Polizei ihre Präsenz in der wenig beschaulichen Hochhaussiedlung erhöht und kontrolliert weiter, wie ein Sprecher am Freitag sagte.

Die Maßnahmen sind offenbar erfolgreich: "Im Spessartviertel ist seitdem Ruhe eingekehrt", sagte Bürgermeister Jürgen Rogg (parteilos). "Der überwiegende Teil der Menschen dort ist genervt von den Leuten, die dort Unruhe stiften." Rogg geht davon aus, dass die Randalierer im Viertel bekannt sind. Aber die Menschen in der Hochhaussiedlung redeten nicht gerne mit Leuten, die von außen kommen. Intern werde dort aber schon kommuniziert.

Bürgermeister: "Das Konstrukt ist fragil"

In dem Viertel leben Tausende Menschen aus mehr als 80 Nationen zusammen. Rogg bezeichnete das Konstrukt als "fragil". "Wir haben in der Corona-Zeit ein Stück weit den Kontakt verloren", so der Bürgermeister. Jetzt sollen alle Angebote wie ein Boxtraining, Hausaufgabenhilfen oder Streetworker wieder hochgefahren werden.

"Da hat sich etwas entladen", sagte Rogg über das Viertel, das vor Jahren schon einmal im Blickpunkt stand und als Brennpunkt gilt. Das werde aber sicherlich keine Serie. Es gebe aus der Jugendszene keinerlei Rückmeldungen, dass sich irgendwer mit der Tat rühme. "Die Menschen sind eher geschockt, weil überregional Schaden angerichtet wurde."

Drogen und Waffen sichergestellt

Bei Kontrollen in den vergangenen Tagen wurden nach Angaben eines Polizeisprechers auch vereinzelt Drogen und Waffen wie Messer und Schlagstöcke sichergestellt. Weitere Angriffe habe es aber nicht gegeben. "Aber es gibt Unmutsbekundungen bei denen, die kontrolliert werden." Warum es in der Nacht vor zwei Wochen zu dem Gewaltausbruch kam, ist unklar. Die Attacke könnte mit einer Polizeiaktion zusammenhängen, bei der in einem Hochhaus unter anderem über 200 Fahrräder sichergestellt wurden, mutmaßlich Diebesgut.

Die Ermittler riefen mit einem Online-Portal, in den sozialen Medien oder jüngst mit einem Flyer zu Zeugenaussagen auf. Mittlerweile gebe es Hinweise im mittleren zweistelligen Bereich. "Die Zahl der eingehenden Hinweise wird aber geringer", sagte der Polizeisprecher. Nach wie vor würden zum Beispiel Kameraaufzeichnungen ausgewertet. Weitere Festnahmen gab es nicht.

Der Polizei zufolge waren vor zwei Wochen zunächst ein Container und ein Bagger angezündet worden, um Einsatzkräfte in den Hinterhalt zu locken. Als die Helfer am frühen Morgen eintrafen, wurden sie von etwa 50 Männern mit bereitgelegten Steinen beworfen. Nur durch Glück wurde niemand verletzt. Ein 19 Jahre alter Mann war vorläufig festgenommen, später aber wieder entlassen worden.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 18.06.2020, 16.45 Uhr