Ein brennendes Teil der Verkleidung des Windrads fällt zu Boden.

Vor welche Herausforderungen ein brennendes Windrad die Feuerwehr stellt, hat sich am Wochenende in Nordhessen gezeigt. Um ähnliche Vorfälle zu verhindern, fordert der TÜV häufigere Kontrollen der Anlagen.

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hessenschau kompakt - 16:45 Uhr
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Als am Samstagnachmittag ein Windrad bei Körle (Schwalm-Eder) in Brand geriet, musste die Feuerwehr vom Boden aus zuschauen. Löschen konnten sie nur Teile der Verkleidung, die auf das umliegende Feld fielen. Auch beim Brand eines Windrades in Trendelburg (Kassel) im Jahr 2018 verlief der Einsatz ähnlich. 1.122 Windanlagen gibt es laut dem Umweltministerium in Hessen, immer mehr davon werden im Wald aufgestellt. Was tun, wenn eines brennt?

"Wir können bei solchen Bränden nicht tätig werden, wir können nur weiträumig absperren", sagt Carsten Lauer, Ausbilder beim Landesfeuerwehrverband. Auf 60 Metern Höhe oder mehr könne nicht gelöscht werden, die Leitern der Feuerwehr seien nicht länger als 30 Meter, außerdem wären die Feuerwehrleute durch herabstürzende Teile gefährdet.

Feuerwehr: "Wir kommen an Grenzen"

Der Sicherheitsbereich um einen brennendes Windrad muss das Fünffache des Rotorenbereichs betragen. "Da kommen wir schnell an Kapazitätsgrenzen", sagt Lauer. Deutlich über 130 Einsatzkräfte wären für einen solchen Einsatz nötig. Gerade im ländlichen Raum, wo die Windräder stehen, fehle es aber an Nachwuchs und Personal bei der Feuerwehr.

Die Aufgabe der Feuerwehr bei einem Brand eines Windrads liege vor allem darin, eine Ausweitung des Brandes zu verhindern, bestätigt das Umweltministerium auf Anfrage. In einem Brandschutzkonzept müssten deswegen Feuerwehrzufahrten, Übungseinsätze und die Löschwasserversorgung festgehalten werden.

Heiße Sommer, höhere Waldbrandgefahr

Damit ein Löschwagen im Wald zum Windrad gelangt, würden die Zufahrtsstraßen beim Bau so ausgebaut, dass auch die Feuerwehren sie nutzen können, sagt Michelle Sundermann von Hessen Forst. Aber: "Feuer ist im trockenen Wald immer eine Gefahr", sagt er. Es gebe einfach noch keine praktische Lösung für Brände durch Windräder. Allerdings sei auch bisher in den Staatswäldern noch kein Waldbrand durch ein brennendes Windrad ausgelöst worden.

Eine neue Generation von Windrädern sind mit einem eigenen Löschsystem ausgestattet. Auch die 20 Windräder, die demnächst im Reinhardswald errichtet werden, sollen dieses System erhalten, wie Ralf Paschold, Geschäftsführer des Windparks Reinhardswald sagt. Wenn es anfängt zu brennen, wird innerhalb des Motors Löschschaum oder CO2 freigesetzt.

TÜV kritisiert Kontrollen

Carsten Lauer vom Landesfeuerwehrverband hält das für eine gute Lösung. Er verweist aber darauf, dass viele Windparks über diese Technologie noch nicht verfügten. Mit Blick auf diese älteren Anlagen sagt er: "Unsere Befürchtung ist, dass das Thema der Wartung vernachlässigt wird."

Tatsächlich gibt es schon länger einen Streit über die Wartung der Windräder. Der TÜV ist nicht zuständig, fordert aber deutlich häufigere Kontrollen der Windräder. "Wir brauchen bundesweite Standards und kürzere Intervalle bei den Kontrollen, statt alle vier Jahre fordern wir zwei Jahre", sagte Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbands dem hr. Damit der TÜV prüfen kann, wäre es nötig, dass Windräder auch unter die "Betriebssicherheitsordnung" fallen wie andere Industrieanlagen - eine Forderung, die etwa auch die FDP unterstützt. Bisher ist das nicht der Fall.

Die Bundesregierung verweist in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der FDP darauf, dass Brandschutz Sache von Ländern und Kommunen ist - ob Windräder künftig unter die "Betriebssicherheitsordnung" fallen könnten, ist noch unklar.

Der TÜV kritisiert, dass es in jedem Bundesland unterschiedliche Regeln für Wartungen gibt. Brände, etwa durch Blitzeinschläge, gehörten zu den häufigsten Schäden bei Windkrafttanlagen, sagt Bühler. Gerade Windräder, die noch vor 2004 gebaut wurden, seien noch nicht mit Löschanlagen ausgerüstet, rund 15.000 Anlagen seien das in Deutschland, schätzt der TÜV.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau-kompakt, 17.02.2020, 16.45 Uhr