Corona-Proben im Labor

Hessen will mehr Menschen auf das Coronavirus testen - je früher, desto besser. Doch wie sieht das in der Praxis eigentlich aus? Unsere User haben auf Facebook viele Fragen zum Thema gestellt. Wir haben die dringendsten beantwortet.

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zum Video Virologe im Interview: Warum brauchen wir mehr Corona-Tests?

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  1. An wen wende ich mich, wenn ich mich testen lassen möchte?
  2. Kann ich nicht einfach ins Krankenhaus fahren, um mich testen zu lassen?
  3. Wie läuft der Corona-Test ab?
  4. Wer bezahlt die angeordneten Tests?
  5. Kann ich mich selbst testen? Und was ist ein Schnelltest?
  6. Wann können noch mehr Menschen als bisher getestet werden? 

1. An wen wende ich mich, wenn ich mich testen lassen möchte?

Hat man den Verdacht, sich mit dem Corona-Virus angesteckt zu haben, ist die erste - telefonische - Anlaufstelle der eigene Hausarzt. Ist die Praxis geschlossen, bekommt man Hilfe beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116117. Auch die jeweiligen Gesundheitsämter vor Ort sind kompetente Ansprechpartner. Die Gesundheitsämter und Ärzte entscheiden dann, ob Sie als Corona-Verdachtspatient eingestuft werden und ob ein Test angeordnet wird. Für diese Entscheidung nutzen die Experten einen bestimmten Kriterienkatalog, etwa vom Robert-Koch-Institut (RKI) und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Dieser Kriterienkatalog wird nach den neuesten Erkenntnissen aktualisiert.

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RKI und KV Hessen empfehlen aktuell, vor allem diejenigen zu testen, die typische Symptome für Covid-19 zeigen – also Fieber, Husten oder Atemnot. Zu den Kriterien gehören aber auch direkter Kontakt zu Covid-19-Erkrankten, Arbeit im medizinischen Bereich, Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe, Kontakt mit Risikogruppen oder bestehende Vorerkrankungen.

Wenn Sie allgemeine Informationen benötigen, können Sie sich an die Corona-Hotline des hessischen Sozialministeriums unter 0800-5554666 wenden.

2. Kann ich nicht einfach ins Krankenhaus fahren, um mich testen zu lassen?

Nein, das geht nur auf ärztliche Anordnung. Mit der ärztlichen Anordnung erfährt man auch, wo der Test vorgenommen wird. Über Hessen verteilt gibt es hierfür mittlerweile 15 Corona-Test-Zentren. Hierbei handelt es sich um Kliniken oder Schwerpunktpraxen.

3. Wie läuft ein Corona-Test ab?

Die gängige Variante ist ein Rachenabstrich. Dafür muss ein Abstrich-Tupfer tief in den Rachen gesteckt werden, um eine Probe zu entnehmen. Mitunter wird auch bei einem ärztlichen Hausbesuch ein Abstrich aus dem Rachenraum genommen. Im Landkreis Gießen beispielsweise erledigt dies ein mobiles Team im Rettungswagen. In Groß-Gerau wird der Abstrich aus dem Rachen sogar entnommen, während man im Auto sitzt - ein "Drive-in" für Corona-Tests.

Diese Proben werden an unterschiedliche Test-Labore zur Auswertung geschickt. Der bisherige übliche Test heißt "PCR-Test" ("polymerase chain reaction", "Polymerase-Kettenreaktion"). Dieser Test kann anzeigen, ob man den neuartigen Corona-Virus im Körper hat. Noch zuverlässiger ist dazu noch eine Stuhlprobe, was allerdings zurzeit noch nicht systematisiert vorgenommen wird, weil die Test-Nachfrage insgesamt so groß ist.

In Hessen werden derzeit gut 1.200 Corona-Tests am Tag durchgeführt. Die Testergebnisse bekommt man zugeschickt oder telefonisch mitgeteilt. Das Prozedere kann bis zu drei Tage oder länger dauern. Die Test-Ergebnisse werden schließlich auch an die Gesundheitsämter geschickt, damit sie als staatliche Institution entscheiden können, ob die Verhängung einer Quarantäne nötig ist.

 4. Wer bezahlt die angeordneten Tests?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für den Test auf Sars-CoV-2, wenn er medizinisch notwendig ist und angeordnet wird. Wer einen Negativtest haben will, muss ihn selbst bezahlen. Vorrang haben medizinisch angeordnete Tests. Auch wenn Unternehmen einen Test für ihre Mitarbeiter selbst anfordern, müssen sie die Kosten dafür selbst tragen. Die Preise, die Labore privaten Unternehmen in Rechnung stellen, sind unterschiedlich hoch.

5. Kann ich mich selbst testen? Und was ist ein Schnelltest?

Aktuell gibt es noch keinen Test, den man selbst zu Hause durchführen kann, um zu sehen, ob man sich mit Sars-CoV-2 angesteckt hat. Verlässliche Testergebnisse kommen noch aus den Laboren. Allerdings haben viele von ihnen ihre Testkapazitäten schon erreicht. Forscher auf der ganzen Welt arbeiten daher an der Entwicklung von Schnelltests, die zügiger Ergebnisse liefern.

An der Uni-Klinik in Frankfurt soll zum Beispiel ein sogenannter Corona-Voll-Automat eingesetzt werden, der direkte Testergebnisse ohne Laborbeteiligung liefert, um Klinikpersonal oder Mitarbeiter der Polizei und Feuerwehr schneller testen zu können. Die Kosten dafür trägt die Stadt.

Die Medizinsparte von Bosch hat einen Schnelltest entwickelt, der innerhalb von zwei bis drei Stunden Testergebnisse liefern soll. Der ist aber teuer und liefert deutlich weniger Testergebnisse pro Tag als bestehende Labore. Auch andere Firmen aus Asien und den USA entwickeln gerade solche PCR-Schnell-Tests.

6. Wann können noch mehr Menschen als bisher getestet werden? 

Es kommt darauf an, welche Tests in welcher Form entwickelt und auch zugelassen werden - und letztlich auch auf die Laborkapazitäten. Die deutschen Innenminister wollen die Testkapazitäten in jedem Fall deutlich erhöhen. In Hessen sei dies das mittel- bis langfristige Ziel, sagt Sozialminister Kai Klose (Grüne). Um in naher Zukunft mehr Menschen testen zu können, kooperiert das Land Hessen mit dem Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes Baden-Württemberg-Hessen.