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Haftstrafe für ehemaligen Sparkassen-Mitarbeiter

Ein Ex-Mitarbeiter der Sparkasse Werra-Meißner soll vor allem ältere, wohlhabende Kunden beraten und schließlich betrogen haben. Seine Beute: fast eine halbe Million Euro. Nun wurde der Mann zu einer Haftstrafe verurteilt.

Ein ehemaliger Berater der Sparkasse in Eschwege (Werra-Meißner) ist am Montag wegen Betrugs, Unterschlagung und Urkundenfälschung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Das bestätigte ein Sprecher des Landgerichts Kassel am Dienstag dem hr. Zuvor hatten das Handelsblatt und die Zeitung HNA darüber berichtet.

Der Ex-Sparkassen-Mitarbeiter soll ab 2014 über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 460.000 Euro erbeutet haben. Er soll vor allem ältere, wohlhabende Kundinnen und Kunden beraten und ihnen zu Investitionen in Gold geraten haben.

"Gold scheint das Lockmittel gewesen zu sein", sagte ein Gerichtssprecher. Doch statt das Gold in einem Tresor in der Sparkasse verwahrt zu haben, soll der Sparkassen-Mitarbeiter dieses mit nach Hause genommen und schließlich verkauft haben.

Spielsucht und Persönlichkeitsstörung

In zwei weiteren Fällen soll er seine Kunden gebeten haben, Belege für seine Beratungstätigkeiten zu unterschreiben. Stattdessen unterschrieben die älteren Kunden unwissentlich Vollmachten für Bargeldabhebungen. Daraufhin soll der Sparkassen-Mitarbeiter im Namen seiner Kunden jeweils 30.000 und 40.000 Euro abgehoben und das Geld behalten haben. Aufgeflogen war der Betrug erst Anfang 2019.

Mit dem Geld habe der Mann seine immer stärker werdende Spielsucht befriedigen wollen, hieß es in der Urteilsverkündung. "Diese ist ab September 2018 nicht mehr steuerbar gewesen", sagte ein Gerichtssprecher. Zusätzlich leide der Mann laut Gutachten an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung.

Verminderte Schuldfähigkeit

Insgesamt wurde der Mann in neun Fällen wegen Unterschlagung und in 22 Fällen wegen Betrugs verurteilt. Nach Angaben des Gerichts hatte der 44-Jährige ein umfassendes Geständnis abgelegt und sogar Fälle eingeräumt, die die Innenrevision der Sparkassen zuvor nicht aufgedeckt hatte. Staatsanwalt Stephan Schwirzer hatte in seinem Plädoyer eine deutlich höhere Freiheitsstrafe von vier Jahren gefordert.

Dem folgte das Gericht nur zum Teil. Aufgrund der Spielsucht und der narzisstischen Persönlichkeitsstörung sah die Richterin eine verminderte Schuldfähigkeit ab September 2018 gegeben. Zudem wurde angeordnet, dass das erbeutete Geld in Höhe von 460.000 Euro eingezogen wird.

Die Kunden sind laut Handelsblatt vollständig entschädigt worden. Mit dem ehemaligen Mitarbeiter hat die Bank vor dem Arbeitsgericht Kassel einen Vergleich geschlossen. Er muss dem Bericht zufolge einen Schadensersatz in Höhe von 650.000 Euro leisten.

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