Das Gelände der Wilke Wurstwaren, man sieht einen großen Werbeaufsteller mit dem Firmenlogo, im Hintergrund parken Fahrzeuge.

Erst der Lebensmittelskandal, dann die Insolvenz: Seit 2019 liegt das Gelände der Wilke Wurstwaren in Nordhessen brach. Nun sollen auf dem Gelände in Twistetal Wohnungen entstehen. Das hat die Gemeindevertretung einstimmig beschlossen.

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hessenschau von 16:45 Uhr vom 1307.2021
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Nach dem Skandal um verdorbenes Fleisch in der Wilke Wurstfabrik ist jetzt die Entscheidung über die zukünftige Nutzung des Geländes in Twistetal (Waldeck-Frankenberg) gefallen. Die Gemeindevertretung hat am Montagabend einstimmig entschieden, eine Machbarkeitsstudie für das 30.000 Quadratmeter großen Areal in Auftrag zu geben.

Die Machbarkeitsstudie sieht vor, alle Gebäude abzureißen und das Gelände für eine neue Nutzung zu erschließen. So könnten auf der Fläche mitten im Ort Gewerbegebäude und Wohnhäuser, unter anderem für Familien und Senioren, entstehen. Das Kapitel Wilke wäre damit für die Gemeinde endgültig Geschichte.

Drei Tote, 37 erkrankte Menschen

Eine 80-jährige Firmengeschichte, 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Wurst-Exporte in die ganze Welt: Was nach einem erfolgreichen Unternehmen in der Lebensmittelbranche klingt, entpuppte sich 2019 als Skandalbetrieb. Nach dem Verzehr von Fleisch- und Wurstwaren aus dem Hause Wilke waren 37 Menschen erkrankt, drei starben.

In den Produkten aus der Wilke Wurstfabrik wurden Listerien-Keime nachgewiesen. Das Veterinäramt des Kreises Waldeck-Frankenberg schloss den Betrieb am 2. Oktober 2019. Wenig später folgte die Pleite.

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Wilke Wurstwaren verschimmelt
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Seit der Schließung lag das Gelände der Wurstfabrik brach. Zunächst bekundete ein Industriebetrieb aus dem Nachbarort Interesse an dem Standort, das Geschäft kam aber nicht zustande.

Vor der Entscheidung war die Stimmung in der Gemeindevertretung nicht einheitlich. Manche hatten weiterhin eine Gewerbeansiedlung favorisiert. Am Ende kam es so, wie Bürgermeister Stefan Dittmann (FDP) vorhergesehen hatte: die Zustimmung für die Machbarkeitsstudie und damit die Lösung einer langfristigen Wohnbebauung.

Hohe Kosten für die Gemeinde

Laut Studie kosten Abriss und Erschließung 5,1 Millionen Euro. Trotz der Förderung durch den Landkreis und weiterer Mittel aus öffentlichen Töpfen bleibt der Großteil der Kosten wohl zunächst an der Gemeinde hängen.

Das Projekt lohne sich für Twistetal vor allem langfristig, argumentieren die Befürworter. Sie hoffen, dass die Kommune mit ihren bislang rund 4.000 Einwohnern damit Menschen aus anderen Großgemeinden oder Städten anlocken könne.

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