Hier eine Kotprobe, da zwei tote Kälber, dort ein totes Reh: Seit Monaten hinterlässt eine Wölfin ihre Spuren im Vogelsberg. Jetzt ist sie für sesshaft erklärt worden - und bald könnte das erste Rudel folgen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Naturschutz-Landesamt: "Eine gute Nachricht"

Wolf
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GW1166f hat gerade wieder ein Reh gerissen, nahe dem Ulrichsteiner Stadtteil Unter-Seibertenrod im Vogelsberg. Seit gut einem halben Jahr hinterlässt das Tier Spuren in der Region. GW steht für Grauwolf, 1166 ist die Labornummer und f bedeutet weiblich. Mit ihrer Standorttreue von mindestens sechs Monaten gilt die Wölfin Experten von nun an als sesshaft.

Die Abkürzung GW1166f steht auch für die allmähliche Rückkehr der Wölfe ins Bundesland. Es handelt sich - nach dem kurzen Zwischenspiel eines Rüden vor einem Jahrzehnt - um die erste Wölfin, die wieder fest hier zuhause ist. Das haben Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) und das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) am Dienstag mitteilt.

Fast 200 Jahre waren Wölfe in Hessen ausgerottet. 1805 war das letzte Tier im Schwalm-Eder-Kreis erlegt worden.

Gekommen, um zu bleiben

Vor einem Jahr waren erstmals genetische Spuren der Wölfin in der Nähe von Bad Hersfeld entdeckt worden. Sie zog von dort weiter in den Vogelsberg, um zu bleiben. Da fanden sich immer wieder Spuren von ihr seit 12. Juli 2019: zuerst in Form von Kot, dann an gerissenen Wildtieren und auch an zwei getöteten Kälbern.

"Für den Artenschutz ist die Beobachtung eines sesshaften Wolfes eine gute Nachricht", kommentiert HLNUG-Präsident Thomas Schmid die Entwicklung. 2008 war erstmals seit der Ausrottung der scheuen Raubtiere vor 200 Jahren wieder ein Wolf in Hessen registriert worden. Der Rüde hatte sich gleich im Reinhardswald angesiedelt. 2011 war er aber tot aufgefunden worden. Ein Rudel hatte er nicht bilden können.

Rudelbildung wahrscheinlicher

Die Artgenossin im Vogelsberg, "auch UIlrichsteiner Wölfin" genannt, könnte nun das erste Rudel nach langer Zeit bilden. Da vermehrt Wölfe nach Hessen zuwandern, heißt es vom HLNUG: "Die Wahrscheinlichkeit ist diesmal größer als vor zehn Jahren."

Das feiert längst nicht jeder als Errungenschaft des Naturschutzes, wie Proteste von Weidetierhaltern und Debatten im Landtag zuletzt gezeigt haben. Deshalb geht Umweltministerin Hinz gleich zu Beginn der Mitteilung vom Dienstag auf diese Sorgen ein. "Ich nehme die Befürchtungen sehr ernst und setze mich für Rahmenbedingungen ein, die den Umgang mit dem Wolf für alle tragbar machen."

Uneinigkeit im Landtag

Hinz hatte die Pauschale für den Herdenschutz in Form von Elektrozäunen erhöht. Entschädigung für gerissene Tiere gibt es auch. Der Landtag will außerdem beschließen, noch in diesem Jahr Weidetierhaltern erstmals eine Ökoprämie für ihren Beitrag zum Landschaftschutz zu zahlen. Weidetierhaltern reichen die Maßnahmen nicht. Und im Landtag geht FDP und AfD die Bemühungen um Wölfe in Hessen zu weit. Die Tiere stehen unter Naturschutz.

Im vergangenen Jahr waren in Hessen acht verschiedene Wölfe gesichtet worden. Neben der Wölfin im Vogelsberg ist vermutlich auch ein Tier im Werra-Meißner-Kreis dabei, sesshaft zu werden. Die meisten in Hessen registrierten Wölfe sind bisher weiter gezogen. Mindestens fünf Tiere wurden in den vergangenen Jahren überfahren.

Sendung: hr-iNFO, 03.03.2020, 12 Uhr